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Montag, 23. September 2013

Es ist einfach zu vertraut.

Es ist jetzt 3 Jahre her, dass wir uns kennen gelernt haben. In den 3 Jahren ist eine Menge passiert. Er war ein guter Freund für mich, ich eine gute Freundin für ihn. Er war der Idiot, der mich schrecklich verletzt hat, ich war die Idiotin, die sich völlig zum Affen gemacht hat. Wenn ich könnte, würde ich vieles streichen. Vor allem Dinge, die ich getan habe.
Wir haben seit einem Jahr kaum Kontakt gehabt, aber ganz verloren ging er irgendwie nie, in diesen ganzen 3 Jahren nicht. Anders wäre es auch einfach eigenartig. Es wäre zu komisch. 3 Jahre kennen wir uns schon und da soll der Kontakt einfach nicht bestehen?
Ich gebe es ja zu: Irgendwie habe ich ihn immer etwas vermisst. Es konnte so einfach sein mit ihm zu reden. Es konnte auch total witzig sein. Wir konnten total gut miteinander klarkommen. Aber man sieht die Vergangenheit ja bekanntlich immer besser als sie war und mir ist bewusst, wie viel schief gelaufen ist und wir uns eben gut verstehen konnten, es aber nicht unbedingt taten.
Vielleicht bin ich deswegen die letzten Male immer etwas kühler gewesen, immer etwas angriffslustiger, wenn er den Kontakt aufnahm. Von mir aus ging das nie. Ich habe mich nie getraut, es erschien mir zu schwach und ohnehin wusse ich nicht, was ich ihm zu sagen hätte.
Aber seit ein paar Tagen, ja, seit ein paar Tagen läuft es wieder etwas besser zwischen uns. Wir schreiben wieder etwas mehr, wir sind netter zueinander, momentan kommen wir gut miteinander aus. Misstrauisch bin ich trotzdem. Es ist manchmal sehr schwierig mit ihm befreundet zu sein und ich möchte nicht, dass das eskaliert. Diesmal passe ich besser auf. Aber ich glaube, dass es diesmal gut laufen wird und auch so bleiben wird. Hoffentlich täuscht mein Gefühl mich nicht.

"Sag mal...magst du mich?"
"Ehm wieso fragst du mich das?"
"Weil ich es wissen will."
"Naja schon, denke ich."
"Denkst du..."
"Magst du mich denn? Oder nerv ich dich eher?"
"Nein nein, ich mag dich."

Donnerstag, 19. September 2013

#9

"Willst du es denn nicht wenigstens versuchen?"
"Nein", erwidere ich eisern und blicke auf den Boden. Ich kann ihm jetzt nicht in die Augen schauen.
"Nicht mal, wenn ich dich darum bitte?"
Ich schüttle den Kopf und verneine zum zweiten Mal.
Schweigend betreten wir die Bahn und setzen uns nebeneinander, beachten uns aber nicht. Mit leerem Blick starre ich in die Leere und ich hätte so viel zu sagen, aber ich weiß nicht wie.
Ich merke, wie mein Körper langsam wieder anfängt zu zittern. Mir ist nicht kalt, ich bin den ganzen Tag schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Nur mit Not und Mühe habe ich es geschafft eine gewisse Kontrolle darüber zu gewinnen, aber langsam verliere ich sie.
"Willst du dich nicht wenigstens entschuldigen?", fragt Julian und schaut mich an. Ich blicke zurück und überlege. Will ich das? Macht es überhaupt etwas aus in dieser Situation? Mir würde es nichts bedeuten. Das weiß ich. Eine Entschuldigung hier reicht doch einfach nicht. "Würde das einen Unterschied machen?", frage ich. Wütend antwortet er: "Also nicht. Sag es mir doch direkt ins Gesicht!"
Eine Antwort bleibe ich ihm schuldig. Auch das weiß ich nicht zu erklären. Meine Zunge ist wie betäubt. Natürlich tut es mir Leid. Aber es gibt keine Worte, die beschreiben würden, wie sehr es mir Leid tut und auch keine, die es in irgendeiner Weise rechtfertigen würden. Natürlich weiß ich, dass mein Verhalten schlecht ist. Aber es ist mir egal, weil ich genauso weiß, dass ich nichts dagegen machen kann. Nicht auf Dauer jedenfalls. Aber das würde er nicht verstehen, allein, weil ich es nicht erklären kann.
Eine kalte Mauer des Schweigens baut sich zwischen uns auf, bis seine Haltestelle angesagt wird. Ich beiße mir auf die Lippe. Ich weiß, dass ich ihm noch sagen werde, dass es mir Leid tut. Und ich weiß, dass ich kein "ist ok" lesen will und noch weniger da sitzen will, um zu sehen, dass er mir nicht antwortet. Überhaupt wäre es nicht gut, wenn ich mich über WhatsApp entschuldige.
Er steht auf. Ich starre weiter den Boden an, spüre seinen Blick auf mir. Als ich aufblicke, werde ich bestätigt. Er schaut mich abwartend an. Ich ertrage den Blick nicht und senke meinen Blick wieder, immer noch schweigend. Die Bahn hält an und er geht zur Tür.
"Julian?" Er dreht sich zu mir. "Tut mir Leid", sage ich leise und blicke wieder auf den Boden. Er sagt nichts und geht raus. Und ehrlich gesagt weiß ich noch immer nicht, wofür ich mich eigentlich entschuldigt habe.