Als Freschta durch die Tür tritt, drehe ich mich weg und starre in meinen Rucksack, greife nach meinem Notizbuch und will am liebsten schreiben, denn meine Gedanken rasen wieder und überschlagen sich. Aber das würde Aufmerksamkeit darauf lenken und das ist das letzte, was ich will, also reiße ich mich zusammen, schon wieder, und packe es ein. Meine Sachen sind jetzt alle verstaut und ich schließe die Augen und atme tief durch, während Jonas und Freschta sich begrüßen. Nicht mehr lange. Halt durch.
Sie kommen ins Zimmer. "Die anderen haben sich totale Sorgen um euch gemacht und gefragt, wo ihr steckt", erzählt sie und ich zwinge mir ein Lächeln auf. "Na, wenn wir vorher nicht schon Probleme mit Gerüchten hatten, dass wir zusammen wären, dann wohl jetzt", witzelt er und das ist genau der eine Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich gebe mir größte Mühe und lache ein wenig. "Das könnt ihr ja ändern. Ist wohl auch mein Stichwort zu gehen, was?" Die zwei haben sicher einiges zu besprechen und ich bin froh, wenn ich nicht mehr so tun muss, als würde mich das alles kalt lassen. Ich bin schon seit über zwölf Stunden dabei, die gute Freundin zu spielen, dabei bin ich selbst überfordert mit der Situation und Verlustängste plagen mich. Aber ich habe sie heruntergeschluckt.
"Was? Ich komme, du gehst? Das geht doch nicht", protestiert Freschta, aber ich sehe ihr auch an, dass sie mit ihm allein sein will. "Wir sehen uns doch oft genug", antworte ich locker und grinse sogar etwas. Es erschreckt mich selbst, wie authentisch ich wirke. Trotzdem bemerke ich selbst, wie schnell ich mir meine Stiefel überstreife, während die beiden darauf bestehen, mich noch zur Bahnstation zu begleiten. Aber Gott, ich will nur noch allein sein. "Nein, schon okay, ich kenn den Weg", lehne ich mit einem Lächeln ab, aber das muss gequält aussehen, denn ich merke, wie ich immer aufgeregter werde und mich weniger beherrschen kann. Eine kleine Diskussion entsteht, aber schließlich setze ich mich durch und stehe in der Tür und will gehen. "Drückst du uns wenigstens noch?", fragt Jonas und ich presse meine Lippen aufeinander, starre den Boden an und drehe mich dann um, umarme die beiden jeweils schnell und dann bin ich schon weg und ich weiß, dass es aussieht, als würde ich wegrennen und ich hatte mir geschworen, dass ich mich für die beiden bis zum letzten Moment zusammenreiße, aber ich hab es nicht mehr geschafft und damit müssen sie jetzt leben.
Mittwoch, 20. Dezember 2017
Donnerstag, 7. Dezember 2017
#94
"Aber Jonas", entgegne ich fast schon entsetzt, sehe zur Seite und ihn dann mit festem Blick an. "Das ist doch Unsinn. Ich mag dich. Ich verbring gerne meine Zeit mit dir, ich rede gerne mit dir und ich schreibe auch gern mit dir. Ich hab dich einfach sehr gern in meinem Leben." Wenn mich jetzt jemand mit einer Pistole auf den Kopf bedrohen und zwingen würde, jemanden als meinen besten Freund zu betiteln, würde vermutlich sein Name fallen. Das Vertrauensverhältnis, das sich zwischen uns aufgebaut hat, ist so schnell entstanden und hat eine solche Tiefe, wie es kaum einer in meinem Leben schafft.
Er ist verlegen, lächelt mich jedoch an, stottert ein wenig und meint dann: "Danke. Ich hab dich auch gern in meinem Leben." Das sorgt wiederum dafür, dass sich meine Mundwinkel heben, bevor ich mit einem leicht nervösem Lachen erwidere: "Wow, und was soll ich jetzt dazu sagen?"
"Du könntest auch so blöd vor dich hinstottern wie ich gerade, das ist bestimmt lustig", schlägt er vor und grinst schief, aber ich schüttle den Kopf. "Vergiss es." Dann überlege ich kurz, bis ich mich entschließe, ihn einfach fest zu umarmen. "Ich hab dich lieb, Jonas." Er legt ebenfalls seine Arme um mich. "Ich dich auch."
Er ist verlegen, lächelt mich jedoch an, stottert ein wenig und meint dann: "Danke. Ich hab dich auch gern in meinem Leben." Das sorgt wiederum dafür, dass sich meine Mundwinkel heben, bevor ich mit einem leicht nervösem Lachen erwidere: "Wow, und was soll ich jetzt dazu sagen?"
"Du könntest auch so blöd vor dich hinstottern wie ich gerade, das ist bestimmt lustig", schlägt er vor und grinst schief, aber ich schüttle den Kopf. "Vergiss es." Dann überlege ich kurz, bis ich mich entschließe, ihn einfach fest zu umarmen. "Ich hab dich lieb, Jonas." Er legt ebenfalls seine Arme um mich. "Ich dich auch."
Donnerstag, 30. November 2017
#93
Als ich meinen Rucksack durchkrame, fällt mir auf, dass mein einer Block irgendwie unter die anderen gerutscht ist. Also hole ich einen Teil des Inhalts meiner Tasche heraus und breite ihn auf dem Tisch aus, an dem ich mit Jonas und Freschta sitze, um nach dem Block zu greifen. Dadrunter fallen auch meine Notizbücher, in denen ich Plotideen aufschreibe und herumschwirrende Gedanken festhalte. Während ich angestrengt nach dem Block krame, bemerke ich aus dem Augenwinkel, wie Jonas eines der Notizbücher in die Hand nimmt und ich überlege kurz, ob ich etwas sagen soll, denn normalerweise sind mir diese Bücher heilig und niemand darf sie sehen. Aber dann stelle ich fest, dass es mich nicht stört, also kümmere ich mich nicht weiter darum.
Nach einigen Sekunden kann ich mir jedoch einen Kommentar nicht verkneifen und meine in Richtung meines Rucksacks: "Ich hoffe, dir ist bewusst, was für eine hohe Stellung du in meinem Leben hast, dass ich dich nicht schon längst angeschrien habe, weil du dir einfach mein Notizbuch genommen hast." "Ja, ich wollte gerade sagen, ich war richtig erstaunt und hab darauf gewartet", ergänzt Freschta völlig entsetzt und überrascht.
Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen. Ja, die Freundschaft zwischen Jonas und mir ist wohl ziemlich besonders und mein Vertrauen zu ihm unglaublich, wenn man bedenkt, dass wir uns gerade mal seit gut zwei Monaten kennen. Aber deswegen schätze ich sie umso mehr und bin jeden Moment froh darum, dass wir uns kennengelernt haben.
Nach einigen Sekunden kann ich mir jedoch einen Kommentar nicht verkneifen und meine in Richtung meines Rucksacks: "Ich hoffe, dir ist bewusst, was für eine hohe Stellung du in meinem Leben hast, dass ich dich nicht schon längst angeschrien habe, weil du dir einfach mein Notizbuch genommen hast." "Ja, ich wollte gerade sagen, ich war richtig erstaunt und hab darauf gewartet", ergänzt Freschta völlig entsetzt und überrascht.
Ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen. Ja, die Freundschaft zwischen Jonas und mir ist wohl ziemlich besonders und mein Vertrauen zu ihm unglaublich, wenn man bedenkt, dass wir uns gerade mal seit gut zwei Monaten kennen. Aber deswegen schätze ich sie umso mehr und bin jeden Moment froh darum, dass wir uns kennengelernt haben.
Donnerstag, 9. November 2017
#92
Wir stehen draußen vor der Mensa, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Ich war mit Freschta und Helene eine Runde spazieren, jetzt leisten wir Jonas, Tobi und Milan Gesellschaft. Heute war ein ziemlich produktiver Tag, was meine gute Laune erklären könnte. Aus einem Impuls heraus umarme ich Jonas, der direkt neben mir steht, und kichere kurz, dann lasse ich ihn wieder los. "Hey, warte, meine Arme waren gar nicht frei, das machen wir nochmal", meint er mit einem leicht vorwurfsvollen Ton und zieht mich wieder an sich. Wir drücken uns fest, dann hebt er mich leicht hoch und fängt an mich herumzuwirbeln.
"Jonas!", rufe ich leicht panisch, da es immer schneller wird, aber er lacht nur, hält mich fester und dreht weiter. Ich habe wohl kaum eine Wahl und kralle mich schon fast an ihn. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis er endlich stehen bleibt, und das vermutlich nur, weil ihm selbst schwindlig wird. Auf jeden Fall müssen wir uns aneinander festhalten. Ein weiteres Lachen entweicht uns und ich schüttle den Kopf, während ich versuche ihn anklagend anzusehen, aber er grinst mich nur frech an.
"Jonas!", rufe ich leicht panisch, da es immer schneller wird, aber er lacht nur, hält mich fester und dreht weiter. Ich habe wohl kaum eine Wahl und kralle mich schon fast an ihn. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis er endlich stehen bleibt, und das vermutlich nur, weil ihm selbst schwindlig wird. Auf jeden Fall müssen wir uns aneinander festhalten. Ein weiteres Lachen entweicht uns und ich schüttle den Kopf, während ich versuche ihn anklagend anzusehen, aber er grinst mich nur frech an.
Montag, 30. Oktober 2017
#91
"Weißt du, heute war da wieder sowas zwischen euch", meint Freschta zu mir, während wir zu zweit in unserem Lieblingscafé sitzen, und ich sehe sie mit schief gelegtem Kopf an. "Was meinst du?"
"Naja, mit Jonas und dir. Als ihr darüber gesprochen habt, euch zu zweit zu treffen." Verwirrt runzle ich die Stirn, da ich nicht weiß, was sie meint, daher fühlt sie sich aufgefordert es weiter auszuführen: "Also es war alles total normal bis dahin. Du hast dich halt an ihn gelehnt wie du dich an uns alle immer anlehnst. Aber als ihr dann darüber geredet habt und euch so angeschaut habt... man hatte einfach das Gefühl, als würdet ihr euch ewig kennen, dabei waren das jetzt gerade mal drei Wochen." Sie muss bei dem letzten Teil lachen und ich muss ebenfalls etwas grinsen, schüttle dann jedoch den Kopf. Das Problem ist, dass ich es ihr nicht erklären kann, weil der Grund unseres Treffen geheim bleiben muss, weil wir seinen Geburtstag nachfeiern. Und er will nicht, dass Leute seinen Geburtstag kennen. "Du, ehrlich, ich hab davon gar nichts gemerkt. Wir verstehen uns einfach gut." Und das ist die Wahrheit. Ich hab mich selten so schnell bei jemandem wohl gefühlt und es hat selten so gut zwischen einem anderen Menschen und mir gepasst.
"Ja, klar, ich weiß. Echt, ich kenn dich. Simon und Jan haben mich da aber schon komisch angeschaut, so nach dem Motto "Läuft da was?" und ich hab denen dann auch zu verstehen gegeben, da sei nichts. Wenn ich dich nicht kennen würde, würde ich das aber auch denken. Aber ich weiß ja, wie du mit Paul bist, man muss euch ja nur mal zusammen gesehen haben." Sie lächelt und zuckt mit den Schultern und ich muss schmunzeln.
"Naja, mit Jonas und dir. Als ihr darüber gesprochen habt, euch zu zweit zu treffen." Verwirrt runzle ich die Stirn, da ich nicht weiß, was sie meint, daher fühlt sie sich aufgefordert es weiter auszuführen: "Also es war alles total normal bis dahin. Du hast dich halt an ihn gelehnt wie du dich an uns alle immer anlehnst. Aber als ihr dann darüber geredet habt und euch so angeschaut habt... man hatte einfach das Gefühl, als würdet ihr euch ewig kennen, dabei waren das jetzt gerade mal drei Wochen." Sie muss bei dem letzten Teil lachen und ich muss ebenfalls etwas grinsen, schüttle dann jedoch den Kopf. Das Problem ist, dass ich es ihr nicht erklären kann, weil der Grund unseres Treffen geheim bleiben muss, weil wir seinen Geburtstag nachfeiern. Und er will nicht, dass Leute seinen Geburtstag kennen. "Du, ehrlich, ich hab davon gar nichts gemerkt. Wir verstehen uns einfach gut." Und das ist die Wahrheit. Ich hab mich selten so schnell bei jemandem wohl gefühlt und es hat selten so gut zwischen einem anderen Menschen und mir gepasst.
"Ja, klar, ich weiß. Echt, ich kenn dich. Simon und Jan haben mich da aber schon komisch angeschaut, so nach dem Motto "Läuft da was?" und ich hab denen dann auch zu verstehen gegeben, da sei nichts. Wenn ich dich nicht kennen würde, würde ich das aber auch denken. Aber ich weiß ja, wie du mit Paul bist, man muss euch ja nur mal zusammen gesehen haben." Sie lächelt und zuckt mit den Schultern und ich muss schmunzeln.
Donnerstag, 19. Oktober 2017
#90
"Sag mal, hast du die 6b gelöst?", fragt Jonas mich und schaut mich fragend an. Die DGL Vorlesung ist vorbei und eigentlich habe ich frei, während er noch für seine AlMa-Übung sitzen bleibt. Allerdings wollte ich ihn etwas fragen, aber jetzt ist er mir zuvorgekommen.
"Oh, ja, das hab ich", erwidere ich stolz und krame bereits nach meiner Mappe. "Soll ich es dir zeigen?"
"Was hast du denn raus?"
"Wurzel n." "Ich wusste, dass das rauskommt! Wie hast du das gezeigt?" Als ich meine Notizen heraushole und sie ihm zeige, fange ich an, meinen Gedankengang zu erklären, doch er versucht mich zu unterbrechen. "Hey, nein, du bist jetzt still und hörst zu, das ist meine Lösung, okay?", bremse ich ihn dann gespielt wütend und schaue ihn dementsprechend an. Er grinst nur und versucht wieder die Führung zu übernehmen und ich kann nicht anders als zu lachen, lasse mich jedoch nicht unterkriegen und schließlich überlässt er mir das Ruder. Als ich fertig bin, muss er trotzdem einen draufsetzen und mir sagen, wie es kürzer gegangen wäre. "Pff, Angeber", meine ich dann. "Aber eigentlich wollte ich etwas fragen."
"Was denn?" "Weißt du, welche Aufgaben wir vorrechnen müssen?" Ich scheine irgendein Stichwort genannt zu haben, denn plötzlich fällt ihm etwas ein und er tippt seinen Sitznachbarn Luka aufgeregt an und verfällt in einen Redeschwall. "Äh, hallo, können wir bitte zuerst meine Frage klären? Ich will auch mal weg hier", unterbreche ich ihn dann lachend und schnippe vor sein Gesicht, das seinen Blättern zugewandt ist. "Äh, nein können wir nicht, denn ich weiß die Antwort auf deine Frage nicht." "Wieso stehe ich dann noch hier?" "Weil ich deine Präsenz zu schätzen weiß und genieße?" Er grinst mich an und ich verdrehe, ebenfalls grinsend, meine Augen. "Dann tut es mir sehr leid, aber unter diesen Umständen werde ich dich dann doch verlassen", verabschiede ich mich dann in einem ernsten Ton und halte dabei dramatisch seine Hände, er spielt mit und tut, als würde ihm der Abschied schwerfallen, danach lachen wir beide und ich verlasse, die Hand noch zum Abschied gehoben, den Raum.
"Oh, ja, das hab ich", erwidere ich stolz und krame bereits nach meiner Mappe. "Soll ich es dir zeigen?"
"Was hast du denn raus?"
"Wurzel n." "Ich wusste, dass das rauskommt! Wie hast du das gezeigt?" Als ich meine Notizen heraushole und sie ihm zeige, fange ich an, meinen Gedankengang zu erklären, doch er versucht mich zu unterbrechen. "Hey, nein, du bist jetzt still und hörst zu, das ist meine Lösung, okay?", bremse ich ihn dann gespielt wütend und schaue ihn dementsprechend an. Er grinst nur und versucht wieder die Führung zu übernehmen und ich kann nicht anders als zu lachen, lasse mich jedoch nicht unterkriegen und schließlich überlässt er mir das Ruder. Als ich fertig bin, muss er trotzdem einen draufsetzen und mir sagen, wie es kürzer gegangen wäre. "Pff, Angeber", meine ich dann. "Aber eigentlich wollte ich etwas fragen."
"Was denn?" "Weißt du, welche Aufgaben wir vorrechnen müssen?" Ich scheine irgendein Stichwort genannt zu haben, denn plötzlich fällt ihm etwas ein und er tippt seinen Sitznachbarn Luka aufgeregt an und verfällt in einen Redeschwall. "Äh, hallo, können wir bitte zuerst meine Frage klären? Ich will auch mal weg hier", unterbreche ich ihn dann lachend und schnippe vor sein Gesicht, das seinen Blättern zugewandt ist. "Äh, nein können wir nicht, denn ich weiß die Antwort auf deine Frage nicht." "Wieso stehe ich dann noch hier?" "Weil ich deine Präsenz zu schätzen weiß und genieße?" Er grinst mich an und ich verdrehe, ebenfalls grinsend, meine Augen. "Dann tut es mir sehr leid, aber unter diesen Umständen werde ich dich dann doch verlassen", verabschiede ich mich dann in einem ernsten Ton und halte dabei dramatisch seine Hände, er spielt mit und tut, als würde ihm der Abschied schwerfallen, danach lachen wir beide und ich verlasse, die Hand noch zum Abschied gehoben, den Raum.
Sonntag, 8. Oktober 2017
Briefe, die ich nie geschrieben habe. #7
Lieber Nico,
ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals wieder in diese Situation kommen würde. Ich werde nur dieses Mal schlauer, konsequenter sein als das letzte Mal.
Weißt du, du warst mir immer einer meiner liebsten Freunde, weil das Besondere an unserer Freundschaft war, dass man nie die Pausen bemerkt hatte. Wir kannten uns lange Zeit nur über das Internet, wir hatten verdammt schlimme Tiefen und nicht immer bestand es gut um sie. Aber wir haben es immer irgendwie darüber hinweggeschafft und jedes Mal war unsere Freundschaft danach besser. Und sie hatte nicht ständigen Input gebraucht. Wir konnten monatelang nichts voneinander hören, aber dann hat sich einer beim anderen gemeldet und alles war ganz normal. Die Gespräche flossen, trugen sich selbst und wir konnten lachen und Spaß haben.
Ich vermisse das. Denn du kannst mir nicht erzählen, dass sich im letzten Jahr nichts geändert hat. Was ist es? Liegt es daran, dass ich angefangen hab in derselben Uni zu studieren wie du? Es hatte sich zwischen uns nie etwas geändert, als ich hergezogen war vor fünf Jahren. Es ist erst anders geworden, als wir unseren Alltag teilen konnten. Dabei ist es nicht mal so, als hätten wir uns oft gesehen. Nur eben öfter. Und am Anfang war sogar alles gut. Nur dann eben irgendwie nicht mehr. Und ehrlich gesagt verstehe ich nicht wieso.
Du schreibst mir nicht mehr und ich bin müde davon, immer selbst den Kontakt zu suchen. Ich bin müde davon, das Gespräch so verkrampft am Laufen zu halten und doch nur über oberflächliche Dinge im Leben zu reden. Ich bin müde davon, nichts mehr von dieser Freundschaft zu spüren. Ich bin müde davon, traurig darüber zu sein, dass wir irgendwie jede Hürde in sechs Jahren überwunden haben, nur nicht diese.
Man sagt, Freundschaften, die sieben Jahre andauern, halten ein Leben lang. Es macht mich traurig zu wissen, dass wir so kurz vor dieser Marke gescheitert sind. Es macht mich traurig, dass eine von den wenigen langen Freundschaften, die ich gepflegt habe, jetzt nicht mehr vorhanden zu sein scheint, denn das ist immer eines der kostbarsten Dinge in meinem Leben gewesen. Es macht mich traurig, mich immer zu fragen, ob das wirklich das Ende gewesen ist, und doch nie eine Antwort von dir zu erhalten.
Lilly
ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals wieder in diese Situation kommen würde. Ich werde nur dieses Mal schlauer, konsequenter sein als das letzte Mal.
Weißt du, du warst mir immer einer meiner liebsten Freunde, weil das Besondere an unserer Freundschaft war, dass man nie die Pausen bemerkt hatte. Wir kannten uns lange Zeit nur über das Internet, wir hatten verdammt schlimme Tiefen und nicht immer bestand es gut um sie. Aber wir haben es immer irgendwie darüber hinweggeschafft und jedes Mal war unsere Freundschaft danach besser. Und sie hatte nicht ständigen Input gebraucht. Wir konnten monatelang nichts voneinander hören, aber dann hat sich einer beim anderen gemeldet und alles war ganz normal. Die Gespräche flossen, trugen sich selbst und wir konnten lachen und Spaß haben.
Ich vermisse das. Denn du kannst mir nicht erzählen, dass sich im letzten Jahr nichts geändert hat. Was ist es? Liegt es daran, dass ich angefangen hab in derselben Uni zu studieren wie du? Es hatte sich zwischen uns nie etwas geändert, als ich hergezogen war vor fünf Jahren. Es ist erst anders geworden, als wir unseren Alltag teilen konnten. Dabei ist es nicht mal so, als hätten wir uns oft gesehen. Nur eben öfter. Und am Anfang war sogar alles gut. Nur dann eben irgendwie nicht mehr. Und ehrlich gesagt verstehe ich nicht wieso.
Du schreibst mir nicht mehr und ich bin müde davon, immer selbst den Kontakt zu suchen. Ich bin müde davon, das Gespräch so verkrampft am Laufen zu halten und doch nur über oberflächliche Dinge im Leben zu reden. Ich bin müde davon, nichts mehr von dieser Freundschaft zu spüren. Ich bin müde davon, traurig darüber zu sein, dass wir irgendwie jede Hürde in sechs Jahren überwunden haben, nur nicht diese.
Man sagt, Freundschaften, die sieben Jahre andauern, halten ein Leben lang. Es macht mich traurig zu wissen, dass wir so kurz vor dieser Marke gescheitert sind. Es macht mich traurig, dass eine von den wenigen langen Freundschaften, die ich gepflegt habe, jetzt nicht mehr vorhanden zu sein scheint, denn das ist immer eines der kostbarsten Dinge in meinem Leben gewesen. Es macht mich traurig, mich immer zu fragen, ob das wirklich das Ende gewesen ist, und doch nie eine Antwort von dir zu erhalten.
Lilly
Donnerstag, 13. Juli 2017
#89
Als ich gerade aus dem Gebäude trete, in dem ich gerade Übung hatte, begegne ich überraschenderweise Janina, eine Biochemikerin, mit der ich mich ganz gut verstehe. Naja, wahrscheinlich sogar am besten von allen, auf jeden Fall rede ich mit ihr und Attila am meisten. Sonderlich tiefgreifend ist diese Bekanntschaft nicht, ich bin nicht mal sicher, ob ich es Freundschaft nennen kann, weil wir uns zwar dreimal die Woche sehen, aber irgendwie muss ja jeder immer seinen Weg gehen.
Wir lächeln uns erfreut an. Heute nach der Vorlesung haben wir uns nicht gesprochen, weil Simon und ich etwas mit dem Professor klären mussten und danach war sie schon weg. "Hey, was machst du denn hier?", frage ich sie und sie erklärt, dass sie frei hat und wir unterhalten uns ein paar Minuten. "Und wie war es in der verlassenen Halle?", frage ich dann schließlich, weil sie letztes Wochenende mit Lukas bei irgendeiner Veranstaltung war, die, auf die Location bezogen, ziemlich zwielichtig klang. "Ach, das war keine Halle, das ist da vorne", meint sie und zeigt auf ein Gebäude, das gegenüber auf der anderen Straßenseite ist und berichtet davon, wie cool es war und wie viel Spaß es gemacht hätte. "Du kannst ja nächstes Mal mitkommen und es selbst sehen." Einen Moment bin ich überrascht und ich muss kurz an Lukas denken. Aber dann schiebe ich den Gedanken beiseite, weil das Janina ist und sie nett ist und nicht so eine Idiotin wie er. "Ich kann ja mal gucken, wenn es das nächste Mal ansteht", erwidere ich dann und lächle, verabschiede mich auch bald danach von ihr. Vielleicht ist es ja doch eine Freundschaft.
Wir lächeln uns erfreut an. Heute nach der Vorlesung haben wir uns nicht gesprochen, weil Simon und ich etwas mit dem Professor klären mussten und danach war sie schon weg. "Hey, was machst du denn hier?", frage ich sie und sie erklärt, dass sie frei hat und wir unterhalten uns ein paar Minuten. "Und wie war es in der verlassenen Halle?", frage ich dann schließlich, weil sie letztes Wochenende mit Lukas bei irgendeiner Veranstaltung war, die, auf die Location bezogen, ziemlich zwielichtig klang. "Ach, das war keine Halle, das ist da vorne", meint sie und zeigt auf ein Gebäude, das gegenüber auf der anderen Straßenseite ist und berichtet davon, wie cool es war und wie viel Spaß es gemacht hätte. "Du kannst ja nächstes Mal mitkommen und es selbst sehen." Einen Moment bin ich überrascht und ich muss kurz an Lukas denken. Aber dann schiebe ich den Gedanken beiseite, weil das Janina ist und sie nett ist und nicht so eine Idiotin wie er. "Ich kann ja mal gucken, wenn es das nächste Mal ansteht", erwidere ich dann und lächle, verabschiede mich auch bald danach von ihr. Vielleicht ist es ja doch eine Freundschaft.
Montag, 26. Juni 2017
#88
Mit guter Laune gehen Paul und ich zurück in den Saal, nachdem wir beide gerade unsere Wasserflasche im Foyer geleert haben. Wir sind auf einem Tanzball, von der mathematischen Fakultät seiner Uni organisiert. Unsere Anwesenheit haben wir wohl vor allem Max zu verdanken, der all seine Freunde hierhin verschleppt hat und mich damit bequatscht hat, da Paul sich zunächst ziemlich gewehrt hatte.
Wir gehen zu dem Tisch, an dem sich unsere Gruppe breit gemacht hat, und wollen uns gerade setzen, als plötzlich Freddy an unserer Seite auftaucht. Er begrüßt Paul noch einmal und ich lächle ihn freundlich an, als er sich an mich wendet. "Valerie, würdest du mir einen Tanz mit dir gewähren?", fragt er dann galant und lächelt, während er mir seinen Arm hinhält. Meine Augen weiten sich vor Überraschung und ich werfe einen kurzen Blick zu Paul, einfach weil ich so erstaunt bin über diese Situation und gar nicht weiß, was ich tun soll, auch wenn ich mich ziemlich geschmeichelt fühle. Schließlich passiert mir sowas nie, auch wenn es das natürlich nicht muss. Aber dann nicke ich, denn es spricht ja nichts dagegen, oder? "Klar, gerne. Aber ich bin nicht so gut", füge ich warnend hinzu und grinse schief, aber Freddy lacht nur und dann bewegen wir uns schon gemeinsam auf die Tanzfläche.
Es ist ziemlich seltsam, mit jemand anderem als Paul zu tanzen, auch weil ich das vorher noch nie getan habe. Ich kenne nur Pauls Führungsart und es gibt auch ein paar Schwierigkeiten, die Freddy und ich aber irgendwie meistern und auch wenn es anfangs komisch ist, haben wir beide viel Spaß zusammen.
Als wir zu Paul zurückkehren, nimmt er mich in seine Arme. "Na, eifersüchtig gewesen?", necke ich ihn und grinse und er verdreht die Augen, drückt mich aber fest an sich. "Ja, schon ein bisschen", meint er dann und grinst auch. "Das hier ist schließlich meins." Zur Verdeutlichung, was er meint, drückt er noch einmal fest und ich lache und gebe ihm einen Kuss auf die Wange. "Mit Freddy zu tanzen war sowieso vor allem überfordernd, also keine Sorge", zwinkere ich und er küsst mich, während sich in meinem Herzen diese Wärme ausbreitet, die ich hoffentlich nie verlieren werde genauso wie ihn.
Wir gehen zu dem Tisch, an dem sich unsere Gruppe breit gemacht hat, und wollen uns gerade setzen, als plötzlich Freddy an unserer Seite auftaucht. Er begrüßt Paul noch einmal und ich lächle ihn freundlich an, als er sich an mich wendet. "Valerie, würdest du mir einen Tanz mit dir gewähren?", fragt er dann galant und lächelt, während er mir seinen Arm hinhält. Meine Augen weiten sich vor Überraschung und ich werfe einen kurzen Blick zu Paul, einfach weil ich so erstaunt bin über diese Situation und gar nicht weiß, was ich tun soll, auch wenn ich mich ziemlich geschmeichelt fühle. Schließlich passiert mir sowas nie, auch wenn es das natürlich nicht muss. Aber dann nicke ich, denn es spricht ja nichts dagegen, oder? "Klar, gerne. Aber ich bin nicht so gut", füge ich warnend hinzu und grinse schief, aber Freddy lacht nur und dann bewegen wir uns schon gemeinsam auf die Tanzfläche.
Es ist ziemlich seltsam, mit jemand anderem als Paul zu tanzen, auch weil ich das vorher noch nie getan habe. Ich kenne nur Pauls Führungsart und es gibt auch ein paar Schwierigkeiten, die Freddy und ich aber irgendwie meistern und auch wenn es anfangs komisch ist, haben wir beide viel Spaß zusammen.
Als wir zu Paul zurückkehren, nimmt er mich in seine Arme. "Na, eifersüchtig gewesen?", necke ich ihn und grinse und er verdreht die Augen, drückt mich aber fest an sich. "Ja, schon ein bisschen", meint er dann und grinst auch. "Das hier ist schließlich meins." Zur Verdeutlichung, was er meint, drückt er noch einmal fest und ich lache und gebe ihm einen Kuss auf die Wange. "Mit Freddy zu tanzen war sowieso vor allem überfordernd, also keine Sorge", zwinkere ich und er küsst mich, während sich in meinem Herzen diese Wärme ausbreitet, die ich hoffentlich nie verlieren werde genauso wie ihn.
Montag, 8. Mai 2017
#87
Fredi, Lilith, Sabine, Julian und ich sitzen bei Maike am Esstisch, die überraschenderweise für ein Wochenende von ihrem FSJ in Irland heimgekommen ist. Gerade hat Julian quasi verraten, was Joel eigentlich noch nicht so herumposaunt haben will - dass dieser nämlich gerade mehr oder weniger ein Mädchen dated - und außerdem entrüstet er sich darüber, dass Joel es ihm nicht gleich erzählt hätte, sondern er es zufällig mitbekommen musste, um davon zu erfahren. "Also ich kann ihn verstehen", meine ich spöttisch. "Du wärst bei mir auch so die letzte Person, der ich so etwas berichten würde." Die Situation zwischen Julian und mir ist seit dem Vorfall damals einfach seltsam, aber wir haben irgendwie gelernt, damit umzugehen. Wir sind keine Freunde, teilen nur den gleichen Freundeskreis, für gewöhnlich meiden wir den direkten Kontakt und wenn dann ist er eher gegenseitig aufziehend. Es ist die einzige Art, um sich nicht gegenseitig zu Tode anzugiften und gleichzeitig nicht super lieb zueinander zu sein, mit der wir beide zurechtkommen.
"Früher war das anders", entgegnet er. "Aber gut, wir sind jetzt seit einem Jahr oder so nicht mehr befreundet." Ich schnaube verächtlich und merke, wie meine Stimmung doch ein wenig kippt. "Ein Jahr? Wie lange sind du und Lena zusammen?" "Keine Ahnung, zweieinhalb Jahre?" "Dann sind es auch zweieinhalb Jahre", erwidere ich kühl. Die Stimmung im Raum lädt sich kaum merklich, aber stetig auf und Julian sieht mich direkt an. Eine unangenehme Stille breitet sich aus und jeder Anwesende ist dieser passiv-aggressiven Auseinandersetzung ausgesetzt. Dann entscheiden wir uns beide dazu, es dabei zu belassen und Fredi versucht auch in diesem Moment, die Ruhe zu durchbrechen. "Äh, merke nur ich diesen unausgesprochenen, in der Luft liegenden Streit?", meint er in einem scherzhaften Ton und ein nervöses Lachen bricht in der Runde aus, aber dann legt sich die Stimmung auch wieder. Julian macht noch ein paar Bemerkungen, die die ganze Sache, die damals passiert ist, runterspielen soll und meine sind wohl noch etwas bissig, aber letztendlich schweigen wir uns wieder darüber aus. Dass es ihn doch so kalt lässt und er sogar behauptet, sich nicht mal richtig daran erinnern zu können, was genau passiert sei, erschreckt mich doch etwas - auch wenn ich es nicht ganz glaube -, schließlich nehme ich es ihm wohl mehr übel als er mir. Aber was soll's? Ich bin einfach froh, ihn mittlerweile weitestgehend los zu sein.
"Früher war das anders", entgegnet er. "Aber gut, wir sind jetzt seit einem Jahr oder so nicht mehr befreundet." Ich schnaube verächtlich und merke, wie meine Stimmung doch ein wenig kippt. "Ein Jahr? Wie lange sind du und Lena zusammen?" "Keine Ahnung, zweieinhalb Jahre?" "Dann sind es auch zweieinhalb Jahre", erwidere ich kühl. Die Stimmung im Raum lädt sich kaum merklich, aber stetig auf und Julian sieht mich direkt an. Eine unangenehme Stille breitet sich aus und jeder Anwesende ist dieser passiv-aggressiven Auseinandersetzung ausgesetzt. Dann entscheiden wir uns beide dazu, es dabei zu belassen und Fredi versucht auch in diesem Moment, die Ruhe zu durchbrechen. "Äh, merke nur ich diesen unausgesprochenen, in der Luft liegenden Streit?", meint er in einem scherzhaften Ton und ein nervöses Lachen bricht in der Runde aus, aber dann legt sich die Stimmung auch wieder. Julian macht noch ein paar Bemerkungen, die die ganze Sache, die damals passiert ist, runterspielen soll und meine sind wohl noch etwas bissig, aber letztendlich schweigen wir uns wieder darüber aus. Dass es ihn doch so kalt lässt und er sogar behauptet, sich nicht mal richtig daran erinnern zu können, was genau passiert sei, erschreckt mich doch etwas - auch wenn ich es nicht ganz glaube -, schließlich nehme ich es ihm wohl mehr übel als er mir. Aber was soll's? Ich bin einfach froh, ihn mittlerweile weitestgehend los zu sein.
Sonntag, 7. Mai 2017
#86
Ich bin auf dem Weg zum Zug, der in der Nähe der Uni hält, um in Pauls Zug dazu zu steigen. Wir sind heute verabredet und wollen uns einen schönen Tag machen, aber erstmal will er sein Unizeug bei sich zuhause abliefern, also komme ich da noch schnell mit. Um zum Gleis zu kommen, muss ich eine Treppe hochlaufen; unten kann man in die Straßenbahn einsteigen. Als ich bei der Haltestelle ankomme, sehe ich einige Meter vor mir Lukas stehen, der offensichtlich die nächste Bahn nehmen will. Zögernd bleibe ich stehen. Die letzten zwei Tage haben wir uns zum ersten mal gesprochen - okay, na gut, ich bin jeweils über meinen Schatten gesprungen und hab ihn begrüßt, was er erwidert hat. Und das war's. Es kam mir einfach so komisch vor, wie wir uns konsequent ignoriert haben, obwohl wir eine gemeinsame Vorlesung besuchen und mehrmals aneinander vorbei gelaufen sind. Überschreite ich eine Grenze, wenn ich jetzt kurz zum quatschen komme? Ich würde ja nicht mal in die Bahn miteinsteigen. Aber vielleicht will er gar nicht reden?
Einen Moment lang bleibe ich noch stehen, dann gebe ich mir einen Ruck und gehe auf ihn zu. Er bemerkt mich kurz daraufhin und wir lächeln uns vorsichtig an. "Hey." "Hey, was machst du hier? Wohin geht's?", frage ich. Er erklärt mir, dass er zur Bank muss und dann fragt er mich, ob ich erst jetzt frei hätte. "Quatsch", erwidere ich und verdrehe die Augen. "Ich bin Mathestudentin. Ich hab seit 11 frei, saß nur bis jetzt hier und hab an LA gearbeitet." "Was? Krass", antwortet er erstaunt und dezent neidisch, also nehme ich an, dass er sich wünscht, er hätte selbst immer so früh frei. Ich spreche ihn auf das Genetikpraktikum an, das er jetzt eigentlich haben sollte - mit den anderen Biochemikern habe ich mich ja unterhalten - und kurz danach kommt schon seine Bahn und er ist noch im Redefluss, den ich dann unterbrechen muss. "Ich muss jetzt da hoch, wir sehen uns", erkläre ich dann und deute auf die Treppe, lächle ihn noch kurz an. "Achso, okay, ja bis dann", verabschiedet er sich dann auch und ich drehe mich um, immer noch ein Lächeln auf den Lippen.
Einen Moment lang bleibe ich noch stehen, dann gebe ich mir einen Ruck und gehe auf ihn zu. Er bemerkt mich kurz daraufhin und wir lächeln uns vorsichtig an. "Hey." "Hey, was machst du hier? Wohin geht's?", frage ich. Er erklärt mir, dass er zur Bank muss und dann fragt er mich, ob ich erst jetzt frei hätte. "Quatsch", erwidere ich und verdrehe die Augen. "Ich bin Mathestudentin. Ich hab seit 11 frei, saß nur bis jetzt hier und hab an LA gearbeitet." "Was? Krass", antwortet er erstaunt und dezent neidisch, also nehme ich an, dass er sich wünscht, er hätte selbst immer so früh frei. Ich spreche ihn auf das Genetikpraktikum an, das er jetzt eigentlich haben sollte - mit den anderen Biochemikern habe ich mich ja unterhalten - und kurz danach kommt schon seine Bahn und er ist noch im Redefluss, den ich dann unterbrechen muss. "Ich muss jetzt da hoch, wir sehen uns", erkläre ich dann und deute auf die Treppe, lächle ihn noch kurz an. "Achso, okay, ja bis dann", verabschiedet er sich dann auch und ich drehe mich um, immer noch ein Lächeln auf den Lippen.
Donnerstag, 27. April 2017
#85
Langsam schlendere ich die Treppen der Stadtbibliothek herab. Es wird nun doch Zeit, mich auf den Weg nach Hause zu machen. Oder vielleicht doch ein kurzer Abstecher zum Mayersche? Während ich noch darüber nachdenke und weitergehe, wechselt das Lied und Teenage Dream von Katy Perry schallt durch meine Ohren. Für einen Moment muss ich stehen bleiben, weil mich die Erinnerungen, die ich mit diesem Lied verbinde, überwältigen. Es ist unglaublich, dass ich nach so vielen Jahren immer noch so eine starke Verknüpfung damit habe. Jedes Mal, wenn dieses Lied kommt, muss ich es überspringen, weil es mir so unangenehm ist, an damals zurückzudenken, dabei ist gar nicht so viel passiert. Und irgendwie halt doch und irgendwie war das das Problem.
Ich kann meinen Augen kaum trauen, als ich bemerke, dass er mit seinem Freund stehen bleibt und sie sogar kurz in meine Richtung schauen. Mein Herz schlägt schneller und ich bemühe mich, einen neutralen Gesichtsausdruck zu bewahren. Tatsächlich laufen sie los, als ich bei ihnen angekommen bin und er spricht mich an. Das Blut rauscht in meinen Ohren und ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Er spielt über sein Handy Musik ab und jetzt gerade fängt Teenage Dream von Katy Perry an. Seine Augen wandern zu mir, schauen mir direkt ins Gesicht und er legt seinen Kopf leicht schief, während er mich mit einem lockeren Grinsen ansieht. "Und was ist dein Teenage Dream?", fragt er mich. "Ähm, keine Ahnung", murmle ich völlig überfordert, vor allem weil ich fast "Na du" geantwortet hätte, was einfach nur endspeinlich geworden wäre, schließlich kennen wir uns kaum.
Ich schüttle den Kopf. Es ist eine so lächerliche Erinnerung und trotzdem ist sie so fest in meinem Gehirn verankert, obwohl das jetzt gut acht oder sieben Jahre her sein muss. Nur weil ich so in ihn verschossen war? Nur weil er mir so wehgetan hat? Nur weil er so ein verdammter Idiot war? Solche Song-Verknüpfungen habe ich wirklich nicht oft, musste ausgerechnet dieser Trottel es schaffen?
Ich kann meinen Augen kaum trauen, als ich bemerke, dass er mit seinem Freund stehen bleibt und sie sogar kurz in meine Richtung schauen. Mein Herz schlägt schneller und ich bemühe mich, einen neutralen Gesichtsausdruck zu bewahren. Tatsächlich laufen sie los, als ich bei ihnen angekommen bin und er spricht mich an. Das Blut rauscht in meinen Ohren und ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen. Er spielt über sein Handy Musik ab und jetzt gerade fängt Teenage Dream von Katy Perry an. Seine Augen wandern zu mir, schauen mir direkt ins Gesicht und er legt seinen Kopf leicht schief, während er mich mit einem lockeren Grinsen ansieht. "Und was ist dein Teenage Dream?", fragt er mich. "Ähm, keine Ahnung", murmle ich völlig überfordert, vor allem weil ich fast "Na du" geantwortet hätte, was einfach nur endspeinlich geworden wäre, schließlich kennen wir uns kaum.
Ich schüttle den Kopf. Es ist eine so lächerliche Erinnerung und trotzdem ist sie so fest in meinem Gehirn verankert, obwohl das jetzt gut acht oder sieben Jahre her sein muss. Nur weil ich so in ihn verschossen war? Nur weil er mir so wehgetan hat? Nur weil er so ein verdammter Idiot war? Solche Song-Verknüpfungen habe ich wirklich nicht oft, musste ausgerechnet dieser Trottel es schaffen?
Mittwoch, 22. März 2017
#83
"Irgendwie bin ich jetzt doch traurig", meine ich plötzlich, während ich auf Pauls Bett sitze. "Warum? Wegen Lukas?", fragt er und ich nicke. "Ich war den ganzen Tag sauer auf ihn, aber jetzt bin ich traurig und deswegen sauer auf mich. Ich sollte nicht traurig sein. Wir kennen uns keine drei Wochen, das sollte mir gar nicht so nah gehen." Finster starre ich vor mich hin, während Paul den Kopf schüttelt. "Das ist doch voll in Ordnung. Du bist einfach sehr empathisch und das zeigt nur, wie schnell du Menschen ins Herz schließt. Es ist doch schön, dass du ihn so schnell so gern hattest. Er hat es nur nicht verdient, dass du ihn so nett findest." Und ich würde ihm gerne zustimmen und sagen, dass das wirklich gut sei, aber ich wünschte mir wirklich, dass es anders wäre. Ich wünschte, mich hätte diese Sache am Freitag nicht so gestört. Ich wünschte, es hätte meinem Wochenende nicht diesen traurigen Beigeschmack verliehen. Ich wünschte, es hätte mich Montag nicht so verwirrt, wie er mit mir umgegangen ist. Ich wünschte, es hätte mich gestern nicht so verletzt, wie wortkarg und abweisend er plötzlich zu mir war. Ich wünschte, die Frage, ob er überhaupt mit mir befreundet sein will, hätte mich nicht so beschäftigt, dass ich ihn heute nach einem Gespräch gefragt hatte. Auf das er nicht eingegangen ist, weil er keine Zeit hatte. Und irgendwann hat er auch einfach nicht mehr geantwortet. Und dann haben wir uns im Labor gegenseitig ignoriert. Jetzt ist das Praktikum vorbei und wir werden uns vermutlich nie wiedersehen, worüber ich nicht mal richtig froh sein kann. Stattdessen sitze ich hier und bin traurig, weil ich mich so auf diese Freundschaft gefreut hatte und alles nur ein riesiger Reinfall war.
Montag, 20. März 2017
#82
Als die Assistenten uns das Startzeichen geben, stelle ich mich seufzend an das Waschbecken und wasche erstmal unsere Ausrüstung, die wir gleich brauchen. Nach einigen Minuten, ich habe gerade das dritte Becherglas gesäubert, steht auf einmal Lukas neben mir und gesellt sich beim Waschen dazu. Ich spüre eine leichte Nervosität in mir aufsteigen. Wir haben uns heute noch nicht gesehen, weil es kein Seminar gibt. Allerdings war es heute Mittag vor der Mensa ziemlich seltsam...denn ich könnte schwören, dass er einfach umgedreht ist, als er mich gesehen hat. Er war nämlich eindeutig auf dem Weg zur Mensa und ist dann, auf der obersten Treppenstufe und als wir uns kurz angesehen haben, einfach umgedreht und war später nicht bei den anderen Biochemikern zu sehen.
"Na?", spricht er mich an und ich bin verwirrt, antworte aber zögernd "Na" zurück. "Und wie war dein Wochenende so?" Ich blinzle rüber. Will er mich provozieren? Ärgern? Oder ist das ein schlechtes Gewissen? Ich kenne ihn gerade mal zwei Wochen und kann es überhaupt nicht einschätzen. "Ganz in Ordnung, schätze ich", antworte ich dann langsam und um einen neutralen Ton bemüht. Eine kurze Pause entsteht. "Und deins?", frage ich dann schließlich und sehe ihn dann an. Wir schauen uns in die Augen und er erzählt mir von seinem Wochenende und führen ein ganz normales Gespräch, als sei nichts gewesen, bis er sich schließlich zu seinem Platz aufmacht. Mich lässt er etwas verunsichert zurück, aber er würde mich wohl kaum ansprechen, wenn er mich nicht irgendwie mögen würde, oder? Zumal bei ihm drüben auch ein Wasserhahn steht. Ein kleiner Seufzer entweicht mir und ich schüttle den Kopf, um mich danach dem nächsten Versuch zu widmen.
"Na?", spricht er mich an und ich bin verwirrt, antworte aber zögernd "Na" zurück. "Und wie war dein Wochenende so?" Ich blinzle rüber. Will er mich provozieren? Ärgern? Oder ist das ein schlechtes Gewissen? Ich kenne ihn gerade mal zwei Wochen und kann es überhaupt nicht einschätzen. "Ganz in Ordnung, schätze ich", antworte ich dann langsam und um einen neutralen Ton bemüht. Eine kurze Pause entsteht. "Und deins?", frage ich dann schließlich und sehe ihn dann an. Wir schauen uns in die Augen und er erzählt mir von seinem Wochenende und führen ein ganz normales Gespräch, als sei nichts gewesen, bis er sich schließlich zu seinem Platz aufmacht. Mich lässt er etwas verunsichert zurück, aber er würde mich wohl kaum ansprechen, wenn er mich nicht irgendwie mögen würde, oder? Zumal bei ihm drüben auch ein Wasserhahn steht. Ein kleiner Seufzer entweicht mir und ich schüttle den Kopf, um mich danach dem nächsten Versuch zu widmen.
Mittwoch, 15. März 2017
#79
Ein Seufzer entgleitet mir, während ich mein Laborjournal anstarre. Ich stehe mit einigen Kommilitonen in einem Chemielabor der Uni, die ebenfalls mit mir durch dieses Praktikum müssen. Wieso habe ich nochmal Chemie als Nebenfach gewählt? Es ist furchtbar, sechs lange Stunden hier stehen zu müssen und Versuche durchzuführen, deren Ausgang wir bereits durch das zweistündige Seminar jeden Morgen haargenau kennen. Immerhin gibt es einen positiven Aspekt, denn durch das Praktikum bin ich wieder in Kontakt mit neuen Menschen gekommen, die mir unglaublich sympathisch sind und mit denen ich mich anfreunden konnte.
Ich drehe mich um und sage Melissa Bescheid, dass ich gleich wiederkomme. Wir müssen gerade sowieso warten, weil unser Abzug besetzt wird, also können wir ohnehin nicht experimentieren. Stattdessen mache ich mich auf den Weg zum anderen Ende des Labors und stelle mich zwischen Lukas und Levin, die gerade selbst in ihr Journal schreiben.
Wir unterhalten uns eine Weile, während ihre Stifte über das Papier gleiten, bis Lukas selbst ein tiefer Seufzer entweicht und er den Kulli beiseite legt. "Heute ist ein schlimmer Tag", stellt er fest und ich kann ihm nur zustimmen. "Jap. Wir könnten eine Pause jetzt echt gut gebrauchen", erwidere ich. Er lehnt sich vor, stellt seinen Ellbogen auf den Tisch und stützt seinen Kopf mit der Hand ab, während er mich ansieht und nickt. "So wie gestern die Zwangspause, die war gut." Wir grinsen uns breit an. "Hey, wie wär's? Du stellst ein bisschen Schwefelwasserstoff her und sorgst für 'ne kleine Laborräumung, dann haben wir unsere Pause", schlage ich im Scherz vor und muss kichern, während Lukas zu lachen anfängt. "Gute Idee! Bin dabei."
Nur ein wenig später schreibt er bereits weiter, hält das aber auch nicht lang durch. "Ich kann mich überhaupt nicht konzentrieren", meint er frustriert und ich sehe ihn mitleidig an. "Versteh ich. Die Atmosphäre in diesem Raum ist auch furchtbar, es will einfach keiner hier sein." "Ja, genau. Ich will einfach nach Hause. Dieses Praktikum ist so schlimm", entgegnet er in einem jammernden Ton und stößt sich vom Tisch ab. Ein mattes Lächeln legt sich auf meine Lippen. "Brauchst du eine Umarmung?" "Ja", ist seine einzige Antwort und ich lache, komme dann auf ihn zu und wir legen unsere Arme umeinander. "Danke." Er lächelt mich, nun etwas besser gelaunt, an und ich lächle zurück.
Ich drehe mich um und sage Melissa Bescheid, dass ich gleich wiederkomme. Wir müssen gerade sowieso warten, weil unser Abzug besetzt wird, also können wir ohnehin nicht experimentieren. Stattdessen mache ich mich auf den Weg zum anderen Ende des Labors und stelle mich zwischen Lukas und Levin, die gerade selbst in ihr Journal schreiben.
Wir unterhalten uns eine Weile, während ihre Stifte über das Papier gleiten, bis Lukas selbst ein tiefer Seufzer entweicht und er den Kulli beiseite legt. "Heute ist ein schlimmer Tag", stellt er fest und ich kann ihm nur zustimmen. "Jap. Wir könnten eine Pause jetzt echt gut gebrauchen", erwidere ich. Er lehnt sich vor, stellt seinen Ellbogen auf den Tisch und stützt seinen Kopf mit der Hand ab, während er mich ansieht und nickt. "So wie gestern die Zwangspause, die war gut." Wir grinsen uns breit an. "Hey, wie wär's? Du stellst ein bisschen Schwefelwasserstoff her und sorgst für 'ne kleine Laborräumung, dann haben wir unsere Pause", schlage ich im Scherz vor und muss kichern, während Lukas zu lachen anfängt. "Gute Idee! Bin dabei."
Nur ein wenig später schreibt er bereits weiter, hält das aber auch nicht lang durch. "Ich kann mich überhaupt nicht konzentrieren", meint er frustriert und ich sehe ihn mitleidig an. "Versteh ich. Die Atmosphäre in diesem Raum ist auch furchtbar, es will einfach keiner hier sein." "Ja, genau. Ich will einfach nach Hause. Dieses Praktikum ist so schlimm", entgegnet er in einem jammernden Ton und stößt sich vom Tisch ab. Ein mattes Lächeln legt sich auf meine Lippen. "Brauchst du eine Umarmung?" "Ja", ist seine einzige Antwort und ich lache, komme dann auf ihn zu und wir legen unsere Arme umeinander. "Danke." Er lächelt mich, nun etwas besser gelaunt, an und ich lächle zurück.
Mittwoch, 15. Februar 2017
Briefe, die ich nie geschrieben habe. #6
Liebes Paralleluniversum-Ich #1,
es gibt ein Haufen Paralleluniversen. Und in irgendeinem gibt es dich, das nie aus unserer Heimat gezogen ist. Und soll ich dir was sagen? Irgendwie beneide ich dich. Ich glaube, das kann keiner verstehen. Nicht du, nicht unser gemeinsames jüngeres Ich, kein anderes Paralleluniversum-Ich. Niemand. Nur diese Version, die dir gerade irgendwie schreibt.
Denn weißt du, ich liebe dieses Leben, das ich hier aufgebaut habe. Wirklich. Es waren nicht immer schöne Jahre und es gab eine ganze Menge Dinge, von denen ich mir wünschte, sie wären nie passiert oder anders, besser gelaufen. Die letzten viereinhalb Jahre waren bei Weitem nicht perfekt. Waren sie wirklich nicht. Aber ich bin trotzdem zufrieden damit, wie alles gelaufen ist, denn sie haben mich zu dem Punkt geführt, an dem ich jetzt bin und an diesem Punkt bin ich glücklich und ich hatte eine glückliche Zeit. Meistens. Auf jeden Fall ging es mir meistens gut und ich bin froh darüber, dass ich das alles erlebt habe.
Aber trotzdem gibt es da dieses Leben, das du führst und das ich nie führen werde, gar nicht führen kann. Und ich weiß, dass es existiert und nicht mir gehört und deswegen fühle ich mich beraubt, weil es mir ja auch irgendwie weggenommen wurde. Und deswegen bin ich so neidisch auf dich, denn du hast es. Du hast dieses Leben, auf das ich so neugierig bin und das ich so gerne mal sehen, ein wenig davon erleben würde. Ich würde niemals dieses hier dagegen eintauschen, aber ist es nicht verständlich, dass ich gern für einen Tag mal mitmachen würde? Erzähl mir, wie dein Leben die letzten sechs Jahre verlief, weil du nie erfahren musstest, dass du wegziehst. Erzähl mir alles, was du erlebt hast und welche Menschen du kennengelernt hast. Erzähl mir, wie es ist, so lange Freundschaften noch länger zu machen und erzähl mir, wie intensiv Freundschaften werden, wenn man so viele Geschichten miteinander teilt, weil man sich so lange kennt. Erzähl mir, zu was für einem Menschen man wird, wenn man an einem Ort aufwächst, den man seit der Grundschule kennt. Erzähl mir, wie es ist, in seiner Heimat erwachsen zu werden.
Du wirst dich nie fragen, was für ein Leben ich führe, weil dir gar nicht in den Sinn kommt, dass es mich gibt. Irgendwie ist das auch beneidenswert, denn wenn ich zu viel nachdenke, dann kommst immer du mir in den Sinn. Und du kannst dir gar nicht vorstellen, wie gerne ich dich kennenlernen würde.
Valerie
es gibt ein Haufen Paralleluniversen. Und in irgendeinem gibt es dich, das nie aus unserer Heimat gezogen ist. Und soll ich dir was sagen? Irgendwie beneide ich dich. Ich glaube, das kann keiner verstehen. Nicht du, nicht unser gemeinsames jüngeres Ich, kein anderes Paralleluniversum-Ich. Niemand. Nur diese Version, die dir gerade irgendwie schreibt.
Denn weißt du, ich liebe dieses Leben, das ich hier aufgebaut habe. Wirklich. Es waren nicht immer schöne Jahre und es gab eine ganze Menge Dinge, von denen ich mir wünschte, sie wären nie passiert oder anders, besser gelaufen. Die letzten viereinhalb Jahre waren bei Weitem nicht perfekt. Waren sie wirklich nicht. Aber ich bin trotzdem zufrieden damit, wie alles gelaufen ist, denn sie haben mich zu dem Punkt geführt, an dem ich jetzt bin und an diesem Punkt bin ich glücklich und ich hatte eine glückliche Zeit. Meistens. Auf jeden Fall ging es mir meistens gut und ich bin froh darüber, dass ich das alles erlebt habe.
Aber trotzdem gibt es da dieses Leben, das du führst und das ich nie führen werde, gar nicht führen kann. Und ich weiß, dass es existiert und nicht mir gehört und deswegen fühle ich mich beraubt, weil es mir ja auch irgendwie weggenommen wurde. Und deswegen bin ich so neidisch auf dich, denn du hast es. Du hast dieses Leben, auf das ich so neugierig bin und das ich so gerne mal sehen, ein wenig davon erleben würde. Ich würde niemals dieses hier dagegen eintauschen, aber ist es nicht verständlich, dass ich gern für einen Tag mal mitmachen würde? Erzähl mir, wie dein Leben die letzten sechs Jahre verlief, weil du nie erfahren musstest, dass du wegziehst. Erzähl mir alles, was du erlebt hast und welche Menschen du kennengelernt hast. Erzähl mir, wie es ist, so lange Freundschaften noch länger zu machen und erzähl mir, wie intensiv Freundschaften werden, wenn man so viele Geschichten miteinander teilt, weil man sich so lange kennt. Erzähl mir, zu was für einem Menschen man wird, wenn man an einem Ort aufwächst, den man seit der Grundschule kennt. Erzähl mir, wie es ist, in seiner Heimat erwachsen zu werden.
Du wirst dich nie fragen, was für ein Leben ich führe, weil dir gar nicht in den Sinn kommt, dass es mich gibt. Irgendwie ist das auch beneidenswert, denn wenn ich zu viel nachdenke, dann kommst immer du mir in den Sinn. Und du kannst dir gar nicht vorstellen, wie gerne ich dich kennenlernen würde.
Valerie
Samstag, 4. Februar 2017
#78
"Und die warten natürlich nicht auf mich."
"Würde ich auch nicht." Augenverdrehend sieht Nico mich an, während ich ihn angrinse. Abgesehen von einem kurzen Treffen ist es unser erstes Aufeinandertreffen seit über einem Monat. Irgendwie haben wir uns nie gesehen seit der Weihnachtspause und geschrieben haben wir auch nicht. "Du wartest ja auch nicht auf mich, sondern nimmst lieber diesen Bus", füge ich dann noch hinzu. "Das war ein oder zweimal, okay?" Aber irgendwie hatte er sonst auch nie Zeit oder Lust, mit mir nach Hause zu fahren, wenn ich ihn mal gefragt hatte. Und überhaupt frage immer ich. Und seit die Ferien vorbei sind, hab ich das Gefühl, wir haben uns irgendwie auseinander gelebt, dabei waren das nur zwei Wochen. Nur dass die Wochen danach auch kein Kontakt bestand und ich werde das Gefühl nicht los, dass er gar keine Lust auf mich hat.
Er verabschiedet sich und ich hebe meine Hand zum Abschied, dann ist er schon aus der Tür verschwunden.
Eigentlich ist es immer normal gewesen in unserer Freundschaft, dass wir eine Zeit lang überhaupt keinen Kontakt haben und dann nach Monaten wieder ein paar Tage oder Wochen miteinander schreiben und dann eben wieder nicht. Aber das war als wir nur übers Internet Kontakt hatten. Vielleicht bin ich ihm in der Realität zu viel?
"Würde ich auch nicht." Augenverdrehend sieht Nico mich an, während ich ihn angrinse. Abgesehen von einem kurzen Treffen ist es unser erstes Aufeinandertreffen seit über einem Monat. Irgendwie haben wir uns nie gesehen seit der Weihnachtspause und geschrieben haben wir auch nicht. "Du wartest ja auch nicht auf mich, sondern nimmst lieber diesen Bus", füge ich dann noch hinzu. "Das war ein oder zweimal, okay?" Aber irgendwie hatte er sonst auch nie Zeit oder Lust, mit mir nach Hause zu fahren, wenn ich ihn mal gefragt hatte. Und überhaupt frage immer ich. Und seit die Ferien vorbei sind, hab ich das Gefühl, wir haben uns irgendwie auseinander gelebt, dabei waren das nur zwei Wochen. Nur dass die Wochen danach auch kein Kontakt bestand und ich werde das Gefühl nicht los, dass er gar keine Lust auf mich hat.
Er verabschiedet sich und ich hebe meine Hand zum Abschied, dann ist er schon aus der Tür verschwunden.
Eigentlich ist es immer normal gewesen in unserer Freundschaft, dass wir eine Zeit lang überhaupt keinen Kontakt haben und dann nach Monaten wieder ein paar Tage oder Wochen miteinander schreiben und dann eben wieder nicht. Aber das war als wir nur übers Internet Kontakt hatten. Vielleicht bin ich ihm in der Realität zu viel?
Dienstag, 10. Januar 2017
Briefe, die ich nie geschrieben habe. #5
Liebe Natalie,
die Freundschaft zu dir war nicht immer einfach, aber sie war immer da. Von Anfang an. Eigentlich hat es zwischen uns sofort gestimmt und wir haben uns super verstanden. Irgendwie hat es direkt gepasst. Wir haben in diesen vier Jahren eine ganze Menge erlebt und durchgestanden und ich bin wirklich froh darum, dass du immer da gewesen bist. Ich habe immer gewusst, dass ich zu dir kommen könnte und du hast mir so oft bewiesen, dass ich nicht falsch liege. Wenn bei jemandem ein Geheimnis gut aufbewahrt war, dann war es bei dir, denn du wusstest genau, wie man schweigt. Manchmal war es wohl für andere unverständlich, wieso du ausgerechnet mit mir und Esther rumhingst, warst du doch ganz anders als wir. Du hattest schon immer mehr Mädchenklischees als wir erfüllt. Aber das war eigentlich nie ein Problem für uns, weil unsere Charakter aufeinander abgestimmt waren. Du hast uns verstanden, wenn uns alle nur belächelt haben. Du hast mit uns gelacht, wenn uns jeder für bescheuert gehalten hat. Und du hast uns nie für etwas verurteilt. Du hast uns immer so akzeptiert, wie wir waren.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich dir sonst noch schreiben kann. Es ist nicht so, als gäbe es da nichts, nur scheint es nicht wert zu sein, aufgeschrieben zu werden. Mit Esther warst du meine beste Freundin und ich war wirklich froh darum. Mein Gott, wir haben ja sogar noch Kontakt gehabt nach dem Umzug. Vielleicht habe ich dir nichts zu sagen, weil mich das Ende unserer Freundschaft auf einer ganz anderen Ebene traurig macht als bei den anderen. Weil unsere nie ein Ende gefunden hat.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, einander zu schreiben.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, uns bei dem anderen zu melden.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, miteinander zu reden.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, uns für den anderen zu interessieren.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, uns um diese Freundschaft zu bemühen.
Und Natalie, das macht mich noch heute so traurig. Denn ich werde nie wissen, ob wir es nicht vielleicht doch geschafft hätten, weil wir beide auf halbem Weg aufgehört haben. Ohne ersichtlichen Grund. Irgendwann hat unsere Freundschaft einfach aufgehört. Ich glaube, mir wäre ein Streit lieber gewesen, denn dann hätte ich wenigstens verstanden, wieso das alles zu Ende ging.
Valerie
die Freundschaft zu dir war nicht immer einfach, aber sie war immer da. Von Anfang an. Eigentlich hat es zwischen uns sofort gestimmt und wir haben uns super verstanden. Irgendwie hat es direkt gepasst. Wir haben in diesen vier Jahren eine ganze Menge erlebt und durchgestanden und ich bin wirklich froh darum, dass du immer da gewesen bist. Ich habe immer gewusst, dass ich zu dir kommen könnte und du hast mir so oft bewiesen, dass ich nicht falsch liege. Wenn bei jemandem ein Geheimnis gut aufbewahrt war, dann war es bei dir, denn du wusstest genau, wie man schweigt. Manchmal war es wohl für andere unverständlich, wieso du ausgerechnet mit mir und Esther rumhingst, warst du doch ganz anders als wir. Du hattest schon immer mehr Mädchenklischees als wir erfüllt. Aber das war eigentlich nie ein Problem für uns, weil unsere Charakter aufeinander abgestimmt waren. Du hast uns verstanden, wenn uns alle nur belächelt haben. Du hast mit uns gelacht, wenn uns jeder für bescheuert gehalten hat. Und du hast uns nie für etwas verurteilt. Du hast uns immer so akzeptiert, wie wir waren.
Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich dir sonst noch schreiben kann. Es ist nicht so, als gäbe es da nichts, nur scheint es nicht wert zu sein, aufgeschrieben zu werden. Mit Esther warst du meine beste Freundin und ich war wirklich froh darum. Mein Gott, wir haben ja sogar noch Kontakt gehabt nach dem Umzug. Vielleicht habe ich dir nichts zu sagen, weil mich das Ende unserer Freundschaft auf einer ganz anderen Ebene traurig macht als bei den anderen. Weil unsere nie ein Ende gefunden hat.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, einander zu schreiben.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, uns bei dem anderen zu melden.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, miteinander zu reden.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, uns für den anderen zu interessieren.
Eines Tages haben wir einfach aufgehört, uns um diese Freundschaft zu bemühen.
Und Natalie, das macht mich noch heute so traurig. Denn ich werde nie wissen, ob wir es nicht vielleicht doch geschafft hätten, weil wir beide auf halbem Weg aufgehört haben. Ohne ersichtlichen Grund. Irgendwann hat unsere Freundschaft einfach aufgehört. Ich glaube, mir wäre ein Streit lieber gewesen, denn dann hätte ich wenigstens verstanden, wieso das alles zu Ende ging.
Valerie
Montag, 2. Januar 2017
#77
Ich stelle mich zu Paul und lege meine Arme um ihn, während er sich an der Küchentheke mit Luna unterhält. Er beugt sich lächelnd zu mir und gibt mir einen Kuss. "Ihhh, Liebe", gibt sie von sich. Paul zieht mich an sich und küsst mich übertrieben heftig, danach sehen wir provokant grinsend zur Seite und Luna verdreht die Augen, aber auch ihre Mundwinkel ziehen sich nach oben. Danach kommt mir eine Idee und auch er sieht mich wieder an, wir kommen uns näher und als sich unsere Lippen aufeinander legen, puste ich ihm in den Mund. Und er mir auch. Als hätten wir es abgesprochen. Überrascht fahren wir auseinander und sehen uns an, dann lachen wir los.
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