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Mittwoch, 20. Dezember 2017

#95

Als Freschta durch die Tür tritt, drehe ich mich weg und starre in meinen Rucksack, greife nach meinem Notizbuch und will am liebsten schreiben, denn meine Gedanken rasen wieder und überschlagen sich. Aber das würde Aufmerksamkeit darauf lenken und das ist das letzte, was ich will, also reiße ich mich zusammen, schon wieder, und packe es ein. Meine Sachen sind jetzt alle verstaut und ich schließe die Augen und atme tief durch, während Jonas und Freschta sich begrüßen. Nicht mehr lange. Halt durch.
Sie kommen ins Zimmer. "Die anderen haben sich totale Sorgen um euch gemacht und gefragt, wo ihr steckt", erzählt sie und ich zwinge mir ein Lächeln auf. "Na, wenn wir vorher nicht schon Probleme mit Gerüchten hatten, dass wir zusammen wären, dann wohl jetzt", witzelt er und das ist genau der eine Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich gebe mir größte Mühe und lache ein wenig. "Das könnt ihr ja ändern. Ist wohl auch mein Stichwort zu gehen, was?" Die zwei haben sicher einiges zu besprechen und ich bin froh, wenn ich nicht mehr so tun muss, als würde mich das alles kalt lassen. Ich bin schon seit über zwölf Stunden dabei, die gute Freundin zu spielen, dabei bin ich selbst überfordert mit der Situation und Verlustängste plagen mich. Aber ich habe sie heruntergeschluckt.
"Was? Ich komme, du gehst? Das geht doch nicht", protestiert Freschta, aber ich sehe ihr auch an, dass sie mit ihm allein sein will. "Wir sehen uns doch oft genug", antworte ich locker und grinse sogar etwas. Es erschreckt mich selbst, wie authentisch ich wirke. Trotzdem bemerke ich selbst, wie schnell ich mir meine Stiefel überstreife, während die beiden darauf bestehen, mich noch zur Bahnstation zu begleiten. Aber Gott, ich will nur noch allein sein. "Nein, schon okay, ich kenn den Weg", lehne ich mit einem Lächeln ab, aber das muss gequält aussehen, denn ich merke, wie ich immer aufgeregter werde und mich weniger beherrschen kann. Eine kleine Diskussion entsteht, aber schließlich setze ich mich durch und stehe in der Tür und will gehen. "Drückst du uns wenigstens noch?", fragt Jonas und ich presse meine Lippen aufeinander, starre den Boden an und drehe mich dann um, umarme die beiden jeweils schnell und dann bin ich schon weg und ich weiß, dass es aussieht, als würde ich wegrennen und ich hatte mir geschworen, dass ich mich für die beiden bis zum letzten Moment zusammenreiße, aber ich hab es nicht mehr geschafft und damit müssen sie jetzt leben.

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