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Mittwoch, 29. April 2015

#58

"Wir haben noch immer keine Fotos gemacht", meint Paul zu mir, während seine Stirn an meine gelehnt ist. "Stimmt", erwidere ich und schmunzle. Eigentlich hatten wir ja vorgehabt, dies bei unserem letzten Treffen zu tun, aber dann waren wir beide doch zu faul gewesen. Wie schon etliche Male davor.
"Ich fürchte, unsere nächsten Fotos werden einfach die Hochzeitsfotos sein", grinst er und entfernt sich dabei von mir, um etwas in den Müll zu werfen. Ich lache und kann ein breites Lächeln nicht unterdrücken. Ja, vielleicht, aber es werden dann wohl auch die glücklichsten Fotos von mir sein, die es je geben wird.

Samstag, 25. April 2015

#57

"Tut mir leid", flüstere ich unter Tränen. Tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid. Dass ich mich so querstelle, dass ich so unmöglich bin, dass ich mich so eifersüchtig aufführe, dass ich so bin wie ich bin. Meine Stimme bricht und ich habe das Gefühl zu ersticken. Ich möchte mich an ihn krallen und in seinen Armen liegen, bis der Schmerz vorübergeht, bis der Hass gegen mich selbst nicht mehr so sticht, bis sich die Welt wieder ertragbar anfühlt, aber ich verdiene das nicht. "Wag es nicht, dich dafür zu entschuldigen", erwidert Paul nur und zieht mich an sich, aber ich verdecke mein Gesicht nur mit meinen Händen und kann nicht aufhören zu weinen, obwohl es nicht hilft, obwohl ich nur weniger Luft zum Atmen habe und der Schmerz nicht aufhört. Plötzlich fühlt es sich so selbstverständlich an, dass das hier irgendwann mal aufhört, weil ich es kaputt machen werde. So wie ich alles andere in meinem Leben kaputt mache. Wie sollte diese Beziehung halten, wenn ich dieses Monster in mir nicht unter Kontrolle bringen kann? Und ich kann es nicht, ich kann es nicht.
"Ich mache alles kaputt", bringe ich dann hervor, wobei man wahrscheinlich ohnehin nichts versteht. Aber er scheint es zu tun. "Hör zu. Niemand wird das hier kaputt machen. Nicht du, nicht ich und auch niemand anderes. Keiner macht uns das kaputt, okay?" Und ich möchte "okay" antworten, aber nichts in mir fühlt sich dazu in der Lage, das zu glauben. Nicht solange dieser Dämon in mir wütet und mich so furchtbar sein lässt, wie ich wohl in Wahrheit bin.

Donnerstag, 2. April 2015

- 4 -

Weißt du, ich würde lügen, wenn ich jetzt behaupten würde, dass du mir nie wirklich etwas bedeutet hast. Und es wäre auch unglaublich grausam von mir. Aber manchmal wünschte ich wirklich, es wäre so gewesen. Du hast immer gesagt, du tust mir nicht gut und ich habe immer geglaubt, das wäre eine Lüge, eine Illusion - ausgelöst von deinem schlechten Selbstbild. Aber vielleicht hattest du auch einfach Recht. Irgendwann habe ich es gemerkt, es hat mich krank gemacht. Natürlich bin ich nicht klein und zerbrechlich - aber an dir wäre ich fast gestorben, jedenfalls hatte es sich so angefühlt. Ich wusste nicht mehr, wer ich war und wo ich hingehörte. Ich wusste nicht mehr, wie es sich anfühlt glücklich zu sein. Mit sich im Reinen zu sein. Selbst jetzt weiß ich es noch immer nicht zu hundert Prozent - aber ich weiß es immerhin mehr als vorher. Bevor ich einen Schlussstrich gezogen habe. Du musst verstehen, dass du mir immer wichtig warst, dass ich deinetwegen natürlich nicht nur unglücklich war und ja, manchmal vermisse ich die Verbindung, die wir zueinander hatten. Ich frage mich auch oft, wie es dir jetzt geht und manchmal möchte ich dich gerne fragen. Aber ich habe beschlossen, dass ich nicht möchte, dass wir uns noch einmal näherkommen, weil es uns nicht gut tut. Besonders mir nicht. Wir sollten einsehen, dass wir uns nur gegenseitig zerstören - und du bist ja jetzt auch besser dran, meinst du nicht? Du brauchst mich nicht und ich brauche dich nicht. Wir haben gelernt, ohne einander zu leben und ich glaube, das ist ein wichtiger Schritt gewesen. Ich möchte nicht sagen, ich bin froh über das, was aus uns geworden ist; aber ich glaube wirklich, dass es so besser ist. Für dich, für mich, für uns - für alle. Es tut mir trotzdem leid, dass ich dir das alles nie gesagt habe und mich einfach zurückgezogen habe. Ich habe gedacht, dass es so einfacher wäre. War es ja auch. Aber eben nur für mich. Ich weiß, dass das egoistisch war - aber ich hab dir ja immer gesagt, dass ich es bin, auch wenn du es nie geglaubt hast. Vielleicht tust du es ja jetzt.