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Mittwoch, 29. Oktober 2014

#48

"Peter kannste fragen, Paul hab ich natürlich nix dagegen, aber er meint, der geht eh nicht wirklich auf irgendwas, da macht das keinen Unterschied und Julian könnt IHR fragen, ICH mach das sicher nicht", sage ich zu Maike. Mir ist bewusst, dass er nur ein paar Meter weiter entfernt steht, aber es ist mir egal.
"Was ist denn los mit euch?", fragt sie mich und schaut mich besorgt an. "Doch nicht immer noch die gleiche Sache?", will Verena wissen. Ich werfe einen schnellen Blick zur Seite und sehe dann wieder die beiden an. "Doch. Immer noch wegen seiner neuen Freundin", erwidere ich dann knapp.
Zehn Minuten später verschwinden Paul, Julian und Danny schließlich, um sich etwas zu essen zu kaufen. Kaum, als sie weg sind, platze ich heraus: "Er ist ein solcher Idiot."
"Was ist denn passiert?"
"Naja, es ist wegen seiner neuen Freundin. Er hat mir vorgeworfen, ich wäre eine schlechte beste Freundin, weil ich keine Anstalten mache, sie kennenzulernen."
Verena zieht skeptisch eine Augenbraue hoch, während Maike mich aufmerksam ansieht.
"Dabei ist das Schwachsinn! Als das Date war, habe ich ihn total ausgefragt. Mit wem er da war, was sie gemacht haben, wie es lief...ihr wisst schon, wie man das halt so tut", erzähle ich und mit jedem Wort, das aus mir rausfließt, kommt meine Wut von letzter Nacht zurück. "Aber er hat mich angeschnauzt, dass ich total unaufmerksam bin, weil es ja so offensichtlich ist!" Nur mit Mühe halte ich mich davon ab, in der Gegend herumzuschreien und balle meine Hände zu Fäusten. Ich habe mich noch nie so ungerecht behandelt gefühlt.
"Und wisst ihr noch, wie ich vor ein paar Tagen da zu denen gegangen bin? Ich hab ja gefragt, wer das alles so ist. Er hat sie vorgestellt. Aber die haben mir nicht mal "Hallo" gesagt."
"Ja, ich erinnere mich, das ist echt so", meint Verena und schaut mich schon stirnrunzelnd an.
"Und dann am Montag! Das habt ihr ja mitbekommen. Ich bin da wieder hingegangen. Aber die haben mich einfach nur angestarrt, als wäre ich ein Alien oder so! Man, warum muss denn alles von mir ausgehen?!" Ich werfe meine Arme nach oben und starre einen Moment lang fuchsteufelswild die Decke an. "Sie hätte auch hallo sagen können! Oder er hätte uns einander vorstellen können, wenn wir da schon stehen! Aber neeein, natürlich muss es von mir ausgehen und wenn nicht, dann bin ich die behinderte!"
Maike und Verena schütteln nur den Kopf und stimmen mir zu, auch sie finden, dass ich völlig im Recht bin und es tut so gut, dass sie der gleichen Meinung sind. Denn dieses eine Mal bin ich das wirklich. Es mag sein, dass ich bei seiner Ex nie im Recht war und mich unfairerweise quergestellt habe, das habe ich immer gewusst, aber genau deswegen wollte ich es doch jetzt besser machen. Es tut nur weh zu wissen, dass er das nicht so sieht. Ich bin ja ein dreistes Mädchen, das immer alle Leute, die nicht in meinem Freundeskreis sind, herablassend behandelt statt nett und freundlich zu sein. Letzte Nacht haben wir uns so heftig deswegen gestritten und natürlich hat er nicht nachgegeben, aber dieses Mal war auch ich nicht dazu bereit. Paul sagt, wegen einem Streit muss man nicht gleich die ganze Freundschaft aufgeben. Aber ich glaube - und Julian auch, wie ich vermute - nicht daran, dass sich das hier wieder einrenkt. Mein Gefühl sagt mir das. Und vielleicht stimmt es ja, dass man keine beste Freundin oder einen besten Freund braucht. Nach so vielen Jahren glaube ich, diese Erkenntnis auch gewonnen zu haben.

Sonntag, 19. Oktober 2014

#47

"Mich hat mal so ein komischer Mensch angeschrieben, der hatte so ein richtig eigenartiges Profilbild und hat so seltsame Sachen geschrieben", erzählt Laura und wir schauen sie besorgt an. "Ich hab ihn dann aber einfach geblockt." "Na dann ist ja gut", grinse ich. "Mich hat noch nie jemand Komisches angeschrieben. Der komischste Mensch, der mich angeschrieben hat, war Nico." Lachen erfüllt unsere kleine Gruppe und Nico, der bis gerade eben etwas hinten gegangen ist und jemandem geschrieben hat, meint empört: "Hey! Ich bin noch da!" Ich drehe mich zu ihm um und zwinkere ihm grinsend zu.

Wir stehen bei Nico im Flur und die anderen ziehen sich gerade an. Ich stehe an der Wand und betrachte die Kinderfotos von ihm. "Du warst ja ein so süßes Kind", ziehe ich ihn auf und er verdreht die Augen. "Warte nur, wenn ich das nächste Mal bei dir bin, ärger ich dich auch mit deinen Kinderfotos!" "Wer sagt, dass ich dich in mein Haus lasse?", erwidere ich nur frech. "Raus", antwortet Nico nur und zeigt auf die Tür. Wir lachen. Lächelnd lasse ich meinen Blick über ihn, Daan, Yana und Laura gleiten. Mein Gott, ich kenne diese Menschen schon vier Jahre lang und es ist so schön, sie endlich mal getroffen zu haben. Und Nico mal wieder getroffen zu haben. Ist es zu fassen, dass wir uns vier Jahre kennen, seit zwei Jahren in der gleichen Stadt leben und uns trotzdem so selten sehen? Erst gestern meinte ich zu ihm, dass wir das ändern müssten. Es war schon unglaublich, aber ich schätze, man gewöhnt sich bei Internetfreunden einfach daran, eine Freundschaft durch das Internet aufrechtzuerhalten. Trotz meines Umzugs, der nun schon über zwei Jahre zurücklag, hatte ich mich nie so wirklich an die Tatsache gewöhnt, dass wir so nah beieinander wohnen.
Wir verabschieden uns voneinander, als letztes stehe ich noch in der Tür, die anderen müssen ihre Bahn erwischen. "Tschüss", meine ich dann, lächle ihn glücklich an und umarme ihn fest. Er scheint etwas überrascht zu sein, drückt mich aber ebenfalls. "Tschüss." Während wir kurz so verharren, blitzt der Tag nochmal vor mir auf und mein Lächeln wird breiter. Wie sehr ich diese Menschen doch liebe. "Und wir müssen uns wirklich öfter treffen, okay?", sage ich noch zum Abschied und schaue ihm ernst ins Gesicht. "Jaja", antwortet er nur, lächelt aber. "Bis bald!", rufe ich fröhlich und drehe mich dann auch um, um zu gehen.