"Peter kannste fragen, Paul hab ich natürlich nix dagegen, aber er meint, der geht eh nicht wirklich auf irgendwas, da macht das keinen Unterschied und Julian könnt IHR fragen, ICH mach das sicher nicht", sage ich zu Maike. Mir ist bewusst, dass er nur ein paar Meter weiter entfernt steht, aber es ist mir egal.
"Was ist denn los mit euch?", fragt sie mich und schaut mich besorgt an. "Doch nicht immer noch die gleiche Sache?", will Verena wissen. Ich werfe einen schnellen Blick zur Seite und sehe dann wieder die beiden an. "Doch. Immer noch wegen seiner neuen Freundin", erwidere ich dann knapp.
Zehn Minuten später verschwinden Paul, Julian und Danny schließlich, um sich etwas zu essen zu kaufen. Kaum, als sie weg sind, platze ich heraus: "Er ist ein solcher Idiot."
"Was ist denn passiert?"
"Naja, es ist wegen seiner neuen Freundin. Er hat mir vorgeworfen, ich wäre eine schlechte beste Freundin, weil ich keine Anstalten mache, sie kennenzulernen."
Verena zieht skeptisch eine Augenbraue hoch, während Maike mich aufmerksam ansieht.
"Dabei ist das Schwachsinn! Als das Date war, habe ich ihn total ausgefragt. Mit wem er da war, was sie gemacht haben, wie es lief...ihr wisst schon, wie man das halt so tut", erzähle ich und mit jedem Wort, das aus mir rausfließt, kommt meine Wut von letzter Nacht zurück. "Aber er hat mich angeschnauzt, dass ich total unaufmerksam bin, weil es ja so offensichtlich ist!" Nur mit Mühe halte ich mich davon ab, in der Gegend herumzuschreien und balle meine Hände zu Fäusten. Ich habe mich noch nie so ungerecht behandelt gefühlt.
"Und wisst ihr noch, wie ich vor ein paar Tagen da zu denen gegangen bin? Ich hab ja gefragt, wer das alles so ist. Er hat sie vorgestellt. Aber die haben mir nicht mal "Hallo" gesagt."
"Ja, ich erinnere mich, das ist echt so", meint Verena und schaut mich schon stirnrunzelnd an.
"Und dann am Montag! Das habt ihr ja mitbekommen. Ich bin da wieder hingegangen. Aber die haben mich einfach nur angestarrt, als wäre ich ein Alien oder so! Man, warum muss denn alles von mir ausgehen?!" Ich werfe meine Arme nach oben und starre einen Moment lang fuchsteufelswild die Decke an. "Sie hätte auch hallo sagen können! Oder er hätte uns einander vorstellen können, wenn wir da schon stehen! Aber neeein, natürlich muss es von mir ausgehen und wenn nicht, dann bin ich die behinderte!"
Maike und Verena schütteln nur den Kopf und stimmen mir zu, auch sie finden, dass ich völlig im Recht bin und es tut so gut, dass sie der gleichen Meinung sind. Denn dieses eine Mal bin ich das wirklich. Es mag sein, dass ich bei seiner Ex nie im Recht war und mich unfairerweise quergestellt habe, das habe ich immer gewusst, aber genau deswegen wollte ich es doch jetzt besser machen. Es tut nur weh zu wissen, dass er das nicht so sieht. Ich bin ja ein dreistes Mädchen, das immer alle Leute, die nicht in meinem Freundeskreis sind, herablassend behandelt statt nett und freundlich zu sein. Letzte Nacht haben wir uns so heftig deswegen gestritten und natürlich hat er nicht nachgegeben, aber dieses Mal war auch ich nicht dazu bereit. Paul sagt, wegen einem Streit muss man nicht gleich die ganze Freundschaft aufgeben. Aber ich glaube - und Julian auch, wie ich vermute - nicht daran, dass sich das hier wieder einrenkt. Mein Gefühl sagt mir das. Und vielleicht stimmt es ja, dass man keine beste Freundin oder einen besten Freund braucht. Nach so vielen Jahren glaube ich, diese Erkenntnis auch gewonnen zu haben.
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