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Dienstag, 23. September 2014

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Ich bin gut im Schreiben, aber kann mich schlecht ausdrücken. Es fällt mir leicht, meine Gefühle in Worte zu fassen, aber es ist schwer, sie zu offenbaren. In den letzten Monaten hab ich gelernt, dir "Ich liebe dich" zu sagen und zum ersten Mal wirklich zu fühlen, was das eigentlich bedeutet. Ich dachte immer, ich hätte eine gute Vorstellung davon, aber du hast mir beigebracht, was Liebe eigentlich ist. Und eigentlich ist das die einzige Art, dir zu sagen, wie es mir geht, wenn ich in deiner Nähe bin. Ich bringe es nicht übers Herz, mein Herz auf meine Zunge zu legen und dir zu sagen, dass es jedes Mal schneller klopft, wenn ich dich seh. Oder dass es ganz warm wird, wenn du dann vor mir stehst und ich deine Lippen auf meinen spüre und deine Arme sich um meinen Körper legen. Dass ich mich in ihnen endlich zuhause fühle und du eine Konstante in meinem Leben bist. Ich hab jahrelang nach einem Zuhause gesucht, weil es seit Jahren nicht mehr die vier Wände sind, in denen ich meine meiste Zeit verbringe, denn es sind so fremdartig vertraute Wände. Und es ist so unfassbar, dass ich es endlich gefunden habe: bei dir. Ein Leben ohne dich erscheint mir schon gar nicht mehr möglich, ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun sollte. Wie könnte ich mit dieser riesigen Lücke leben, die du hinterlassen würdest? Und wie habe ich es eigentlich geschafft, mit dieser Lücke auszukommen, bevor ich dich traf? Du hast ein Loch in meinem Leben ausgefüllt, von dem ich immer dachte, ich kann damit leben und dem ich keine Bedeutung zugeschrieben habe. Aber wieder einmal hast du mich eines Besseren belehrt.

Und vielleicht, vielleicht sage ich dir das alles irgendwann. In einem schwachen oder impulsiven Moment. Irgendwann erfährst du es vielleicht. Du hast mal gesagt, du wüsstest gerne, was immer in meinem Kopf vorgeht und vielleicht wirst du es ja eines Tages wissen.

Samstag, 6. September 2014

#46

Wir sitzen im Sportunterricht und unsere Lehrerin kontrolliert die Anwesenheit. "Franka?" - "Da", antwortete die Aufgerufene. "Verena?" - "Da." - "Valerie?" - "Hier", melde ich mich.
"Nein, du bist da", kommentiert Julian neben mir und grinst mich an. "Nö, ich bin hier", grinse ich zurück. "Nein, du meintest du bist da."
"Hier!"
"Da!"

"Julian?" - "Hier."
"Du meinst, du bist da", korrigiere ich kichernd und er verdreht die Augen. "Nein, ich bin hier."
"Nein, ich bin hier, du bist da!"
"Wir beide sind hier?", schlägt er lachend vor und ich stimme grinsend zu.

Montag, 1. September 2014

#45

Ich sitze am Computer und sehe, dass Esther schon wieder in Skype online ist. Seltsamerweise ist sie das in den letzten Tagen täglich. Fast wie früher. Bisher habe ich immer dem Drang widerstanden, ihren Chat zu öffnen, aber durch meine vorherige Nostalgiestimmung werfe ich meine Bedenken über Bord und bin schnell am Gespräch angelangt, das wir geführt hatten, nachdem sie mir die Freundschaft gekündigt hatte. Eine gefühlte Ewigkeit verbringe ich meine Zeit ausschließlich damit, von dem Punkt an unsere danach geführten Unterhaltungen zu lesen und mit jedem Satz fühle ich mich schlechter. Erinnerungen überfluten mich. Es war so einfach mit ihr gewesen. Sie war nicht umsonst meine beste Freundin gewesen, wir hatten uns so gut verstanden, waren einander ähnlich gewesen, waren füreinander da gewesen. Wir waren durch dick und dünn gegangen. Wie hatte es je so kompliziert werden können, dass nichts mehr von unserer Freundschaft übrig geblieben war?
Mittendrin breche ich ab und schließe meine Augen und versuche mich zu beruhigen und meine Tränen zurückzuhalten. Plötzlich habe ich das dringende Bedürfnis, Pauls Stimme zu hören und mit ihm darüber zu reden. Kaum habe ich das gedacht, finde ich mich schon mit dem Telefon in Hand wieder und wähle seine Nummer. Es klingelt zweimal, dann nimmt Pauls Stimme ab. Kaum habe ich ihn begrüßt, ist auf einmal Julian dran und auch Max' Stimme kann ich vernehmen. Während die drei etwas rumblödeln, weicht mein Entschluss zu reden. Als Paul schließlich alleine ist, merkt er sofort, wie wortkarg ich bin. "Warst du trainieren?"
"Nein."
"Was hat dich dann so kaputt gemacht?"
"Ich...", und dann sprudelt es aus mir heraus. Dass ich Esthers und meine alten Gespräche gelesen habe, dass gestern der 31. August war, dass ich so nostalgisch wie schon lang nicht mehr bin. Paul versucht mich aufzumuntern, gibt mir Lösungsvorschläge, damit es mir besser geht. Er meint, ich müsse einfach mal wieder zurück in meine alte Stadt. Mich vorher mit meinen alten Freunden absprechen, damit wir uns alle sehen.
"Nein", erwidere ich kalt, "ich will Esther nicht sehen."
"Aber warum denn?"
"Weil sie eine blöde Kuh ist."
"Sagst du nicht immer, dass man Leuten verzeihen soll? Zum Beispiel Julian mit Nico?"
"Nein. Ich sagte, ich würde ihm ja sagen, dass er ihm verzeihen soll, aber ich wäre nicht besser."
"Oh. Stimmt. Das hast du gesagt...", erwidert Paul. "Was war denn das eigentlich mit Esther?"
Also erzähle ich ihm die Geschichte, aber es fällt mir schwer. Ich habe noch nie jemandem diese Geschichte am Stück erzählt. Und nur meine Cousine hat sie in Fragmenten miterlebt. Und mittendrin kann ich nicht anders als anfangen zu weinen. "Oh Gott, Valle", meint Paul leise und klingt entsetzt, wohl mehr über meinen Zustand als über die Ereignisse. Ich bin vor lauter Trauer und Tränen nicht im Stande ihm zu antworten und bringe nur ein weiteres Schluchzen hervor. "Valle...wann kommt die nächste Bahn zu dir?", sagt er in einem leidenden Ton. Als ich mich etwas beruhige, flüstere ich ein leises "Tut mir leid", aber er antwortet nur: "Mir tut es leid, dass ich nicht bei dir sein und dich in den Arm nehmen kann."