Ein Seufzer entgleitet mir, während ich mein Laborjournal anstarre. Ich stehe mit einigen Kommilitonen in einem Chemielabor der Uni, die ebenfalls mit mir durch dieses Praktikum müssen. Wieso habe ich nochmal Chemie als Nebenfach gewählt? Es ist furchtbar, sechs lange Stunden hier stehen zu müssen und Versuche durchzuführen, deren Ausgang wir bereits durch das zweistündige Seminar jeden Morgen haargenau kennen. Immerhin gibt es einen positiven Aspekt, denn durch das Praktikum bin ich wieder in Kontakt mit neuen Menschen gekommen, die mir unglaublich sympathisch sind und mit denen ich mich anfreunden konnte.
Ich drehe mich um und sage Melissa Bescheid, dass ich gleich wiederkomme. Wir müssen gerade sowieso warten, weil unser Abzug besetzt wird, also können wir ohnehin nicht experimentieren. Stattdessen mache ich mich auf den Weg zum anderen Ende des Labors und stelle mich zwischen Lukas und Levin, die gerade selbst in ihr Journal schreiben.
Wir unterhalten uns eine Weile, während ihre Stifte über das Papier gleiten, bis Lukas selbst ein tiefer Seufzer entweicht und er den Kulli beiseite legt. "Heute ist ein schlimmer Tag", stellt er fest und ich kann ihm nur zustimmen. "Jap. Wir könnten eine Pause jetzt echt gut gebrauchen", erwidere ich. Er lehnt sich vor, stellt seinen Ellbogen auf den Tisch und stützt seinen Kopf mit der Hand ab, während er mich ansieht und nickt. "So wie gestern die Zwangspause, die war gut." Wir grinsen uns breit an. "Hey, wie wär's? Du stellst ein bisschen Schwefelwasserstoff her und sorgst für 'ne kleine Laborräumung, dann haben wir unsere Pause", schlage ich im Scherz vor und muss kichern, während Lukas zu lachen anfängt. "Gute Idee! Bin dabei."
Nur ein wenig später schreibt er bereits weiter, hält das aber auch nicht lang durch. "Ich kann mich überhaupt nicht konzentrieren", meint er frustriert und ich sehe ihn mitleidig an. "Versteh ich. Die Atmosphäre in diesem Raum ist auch furchtbar, es will einfach keiner hier sein." "Ja, genau. Ich will einfach nach Hause. Dieses Praktikum ist so schlimm", entgegnet er in einem jammernden Ton und stößt sich vom Tisch ab. Ein mattes Lächeln legt sich auf meine Lippen. "Brauchst du eine Umarmung?" "Ja", ist seine einzige Antwort und ich lache, komme dann auf ihn zu und wir legen unsere Arme umeinander. "Danke." Er lächelt mich, nun etwas besser gelaunt, an und ich lächle zurück.
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