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Mittwoch, 25. Juni 2014

#42

Joel, Paul und ich sind auf dem Weg vom REWE zur Schule. Ich laufe vor den beiden, während sie sich unterhalten. Plötzlich taucht Paul neben mir auf. "Valle! Wie geht's dir?"
Ich lächle. "Gut und dir?"
"Mir auch."
"Super Unterhaltung", spottet Joel, "das hat's ja voll gebracht."
"Manchmal will ich halt einfach nur ihre Stimme hören", erwidert Paul nur.

Dienstag, 10. Juni 2014

- 2 -

Sie fand sich selbst irgendwie lächerlich. Es war ja so naiv von ihr, dass sie nach so kurzer Zeit schon dachte, dass er der Richtige war. Der, den sie für immer lieben würde. Der, dem sie mal das "Ja"-Wort geben wollte. Der, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte.
Dabei wusste sie nicht mal, was "Liebe" eigentlich war. War das hier schon Liebe? Brauchte Liebe nicht Zeit? Natürlich, das hier waren starke Gefühle. Das hier war nahe dran an Liebe, aber war es schon wirkliche Liebe? Woran merkt man, dass man jemanden liebt? Manchmal dachte sie, sie würde ihn lieben. Aber dann fragte sie sich, ob das nicht schon übereilt, überstürzt war. Ob es nicht genau wie das Gefühl war, dass sie denken ließ, dass er "der Eine" war. Mr Right. Ihre große Liebe. Ihre wahre Liebe. So fühlte sich die erste Liebe doch an, nicht? Und das machte ihr Angst.
Was, wenn sie sich täuschte? Wenn sie nun mal einfach naiv war und es nicht für immer halten würde? Sie wollte so gern glauben, dass er sie nie wieder verlassen würde, sie ihn nie allein lassen würde. Dass sie bis an ihr Lebensende zusammen blieben. Weil sie sich ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen konnte. Und es war so naiv. Sie hatte immer lächelnd über andere den Kopf geschüttelt, wenn sie so etwas sagten. So etwas konnte man doch nicht nach kurzer Zeit wissen. Aber jetzt war sie selbst so. Und sie konnte nichts dagegen tun. Ihr Kopf ließ sie schon fast gänzlich im Stich, nur ganz leise in einer dunklen Ecke flüsterte er ihr manchmal zu, dass sie blauäugig war, aber ihr Herz erwiderte nur, dass er nicht so blind sein solle, die Augen wären offensichtlich braun. Und es klang so vernünftig. So selbstverständlich. Ihr Herz argumentierte doch völlig richtig. Ihre Augen waren braun. Aber gehörte nicht ihm ihr Herz? Vielleicht sprach ihr Herz ja immer zu ihr, wenn er es tat. Und wenn sie seine Stimme hörte, glaubte sie zu wissen, dass das der Klang war, den sie auch noch in fünfzig Jahren hören wollte. Es sollte der letzte Ton sein, den sie vorm Einschlafen vernahm und der erste, der sie morgens aufweckte. Und weil er ihr Herz besaß, sprach es also zu ihr und sagte ihr das, also musste es doch wahr sein, oder? Es war doch alles völlig schlüssig, ihr Gedankengang erschien so logisch. Und ihr Gefühl sagte ihr auch, dass alles richtig war so. Daraus folgte ganz selbstverständlich, dass das alles stimmte, oder?

Montag, 9. Juni 2014

#41

"Ich will dich nie wieder loslassen", murmelt Paul und zieht mich noch enger an sich, während er seine Wange an meine drückt. Ich erwidere die Umarmung und flüstere: "Dann tu's nicht." "Das ist eine herausragende Idee", antwortet er und ich spüre, wie er lächelt. Auch meine Mundwinkel ziehen sich nach oben und mir entweicht ein glückliches Seufzen.

Wir liegen auf dem Bett, ganz nah beieinander und schauen uns an. Seine grünen Augen funkeln mich an und es ist so leicht, in ihnen zu versinken. "Küsst du mich, Valle?", fragt er mich ganz leise und zuerst bin ich irritiert, aber ich beantworte seine Frage, in dem ich mich nur zu gern vorbeuge. Unsere Gesichter nähern sich und ich schließe meine Augen, als sich unsere Lippen treffen. Wie oft habe ich hier von geträumt? Wie oft habe ich es mir gewünscht? Und jetzt passiert es gerade tatsächlich. Der Kuss dauert nicht lange, er ist ganz unschuldig, aber er ist schön und einfach perfekt, weil es mit dem Richtigen ist. Denn so naiv das jetzt wohl klingen mag, ich glaube das wirklich. Ich glaube, dass er der Richtige ist. Der, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen will. Wie könnte ich je für jemand anderes das empfinden, was ich für diesen Jungen fühle?

Donnerstag, 5. Juni 2014

#40

"Ich hab Mathe gestern nicht hinbekommen, ich bin zu blöd für Mathe", frustriert lasse ich mich einfach auf den Boden fallen. "Warum hab ich überhaupt Mathe-LK gewählt? Ich kann kein Mathe." Gestern saß ich unglaublich lange an den Mathehausaufgaben, die wir über zwei Wochen aufbekommen hatten und ich habe einen Teil der Aufgaben einfach partout nicht hinbekommen, obwohl Mathe mein bestes Fach ist und ich normalerweise gut darin bin. Und es gibt kein Fach, das mich so sehr frustriert, wenn ich es nicht kann, wie Mathe. "Ich versteh auch nicht, wieso du Mathe-LK gewählt hast", meint Julian, "und jetzt hör auf so zu heulen, davon wird's nicht besser. Und steh auf." Ich schüttle nur den Kopf und jammere weiter vor mich hin und lasse meinen Kopf auf meine angezogenen Knie fallen.
"Hey, Paul", begrüßt Julian ihn. Dieser grüßt ihn zurück, beugt sich jedoch sofort besorgt zu mir. Ich hebe den Kopf halb und begrüßte ihn mild lächelnd. "Hallu." "Was ist los, Valle?"
"Ich bin zu blöd für Mathe", fange ich wieder an in einem weinerlichen Ton zu erzählen und lasse meinen Kopf wieder auf die Knie fallen. "Ach was, wenn einer Mathe kann, dann du!", meint er und zieht mich auf die Beine, um mich an sich zu drücken. Er legt seine Arme um mich und wiegt mich ein bisschen hin und her. "Nein, ich saß gestern ewig an den Mathehausaufgaben und ich hab nicht alles hinbekommen oder überhaupt verstanden, egal was ich versucht hab!"
"Was kannst du denn dafür, wenn dir dein Mathelehrer unlösbare Aufgaben gibt?", fragt er und schaut mich dabei grinsend an. Sein Ziel erreicht er, ich muss unwillkürlich anfangen zu lachen. "Und überhaupt, wie lange hattest du jetzt kein Mathe?" "Zwei Wochen", murmle ich seufzend. "Na siehst du, deine Mathezellen sind einfach abgestorben und müssen jetzt aufgefrischt werden!" Ich lächle ihn an und auch auf seinem Gesicht breitet sich ein zufriedenes Lächeln aus. Eine Antwort bleibe ich ihm schuldig, stattdessen lehne ich mich gegen ihn und genieße die Umarmung. Ich bin so froh, diesen Jungen kennengelernt zu haben. Und irgendwie kann ich noch immer nicht mein Glück fassen, dass er wirklich mein Freund ist und ich seine Freundin.

Sonntag, 1. Juni 2014

#39

"Ich hab meinen Brüdern dann gesagt, dass wir einen Wettbewerb daraus machen und schauen, wer die meisten Äpfel sammeln kann", erzählt Paul und ich kann mir gut vorstellen, wie sein Gesicht gerade aussehen muss. Seine Augen funkeln schelmisch und er lächelt schadenfroh. Lachend halte ich den Telefonhörer noch näher an mein Ohr. "Bis Mathis gemerkt hat, dass ich nur faul auf der Liege liege und sie mich dann beide verprügeln wollten." Mein Lachen wird dadurch nur noch stärker und ich antworte: "Du bist böse."
"Du auch", und ich bin mir ganz sicher, dass er gerade grinst.
"Ich weiß."
"Wir sind ein tolles Paar", meint er und lacht.
Mir wird warm ums Herz und ich lächle. "Ja, finde ich auch."

Mittwoch, 28. Mai 2014

#38

Mein Handy klingelt. Ich erkenne Pauls Nummer. Mein Herz fängt an zu rasen und ich nehme ab.
"Ja?"
"Valle?"
"Nein", antworte ich und verdrehe grinsend die Augen, "Gott."
"Oh, achso, zeigst du mir den Weg zum Himmel?"
"Nein, du bleibst schön auf der Erde", lache ich.

Wir führen das Gespräch auf Skype weiter.
Und?, schreibt Julian mir.
Wir eh skypen grad, antworte ich.
Oho
? xD
Und?
Ehm wir reden ganz normal
Oki, nicht über euch?
Nein
REDET ÜBER EUCH

Eine Zeit lang protestiere ich noch, weil ich mich einfach verdammt nochmal nicht traue. Schließlich kehrt eine kurze Stille zwischen mir und Paul ein. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und hole tief Luft. "Paul?"
"Ja?"
"Ich...ich...ehm", stottere ich, "ehm...ich komm mir wirklich blöd vor, das zu fragen, aber ich..." Das Lied, das ich im Hintergrund laufen habe, geht zu Ende und irgendwie versagt mir dabei auch die Stimme. Als das nächste anfängt, hat er noch immer nichts gesagt und wartet wahrscheinlich. "Sind wir zusammen?"
"Willst du?", fragt er.
"Ja."
"Gern", antwortet er und wir beide müssen lachen. "Super Antwort", entgegne ich und bin froh, als meine ganze Anspannung dadurch wegfällt.

Montag, 26. Mai 2014

#37

"Weißt du was ich dir sagen wollte valle? seit Mittwoch und eigentlich schon länger? du bist die beste. seit ich dich kenne habe ich mich schrittweise Stück für Stück, je mehr ich von dir erfahren durfte in dich verliebt.
Ich würde gerne sagen das es von mir aus Liebe auf den ersten Blick war, das wäre romantisch, aber das war es nicht. Ich musste dich kennenlernen, die wundervollen Facetten deines Wesens, deine Gutmütigkeit, deine Offenheit, deine Pragmatik (im guten Sinne) und so viele weitere Wunder deiner Persönlichkeit mehr kennenlernen um dich als die schätzen zu lernen die du bist und ich bin froh darüber. Ich möchte mich an dieser Stelle dafür entschuldigen mich dir auf diesem Weg mitteilen zu müssen, aber das ist die privateste Möglichkeit die ich sehen konnte und ich befürchte ich bin nicht allzu gut darin meine Gefühle in solchen Belangen zu teilen. Aber es tut weh dich nur "eine" Freundin nennen zu müssen, mit jedem Tag mehr und ich fühle so oft eine lehre im Umgang mit dir, die ich nur zu gerne mit Liebkosung füllen würde. Es schmerzt wenn ich dich unglücklich sehe und wenn andere dich verletzten, oder hart zu dir sind, ist es mein innigster Wunsch dich abzuschirmen. Auch wenn ich meine Empfindungen doch kenne bin ich ungeübt im Umgang mit ihnen, ich weiß nicht wie eine Beziehung zu führen wäre, und meine größte Furcht ist es dich zu verletzten. Als ich von Julian erfahren habe das du scheinbar auch die Angst vor einer festen Beziehung kennst und hast habe ich mich an mein eigenes empfinden erinnert gefühlt, trotzdem würde ich dir die Angst gerne nehmen, es gemeinsam mit dir versuchen, denn ich glaube das der Versuch alles riskierte wert wäre.
Ich weiß nicht in wie weit meine Gefühle bei dir auf Grund treffen, auf Boden um sich zu entfalten und zu sprießen, aber mein Bauch sagt mir es ist den Versuch wert und selbst wenn nicht hättest du das recht es zu wissen.
In sich hinter süffisanter Sprache versteckender Schüchternheit,
Paul"

Ich muss träumen.