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Dienstag, 22. Juli 2014

#44

Seufzend lasse ich mich auf Pauls Bett fallen. Nach zwei Wochen ist er endlich zurückgekommen und wir haben uns auch sofort getroffen. Zwei Wochen klingen eigentlich so wenig, aber sie kamen mir trotzdem viel zu lang vor. Gerade haben wir gegessen.
Paul legt sich neben mich und grinst. "Nach dem Essen sollst du ruhen oder tausend Schritte tun", meint er dann und beugt sich näher zu mir, "und ich glaube, ich weiß, was du tun wirst." Er lacht. Wie mir sein Lachen gefehlt hat.
"Woher hast du denn das?", frage ich und lächle ihn an.
"Aus einer Lebensweisheit App auf meinem iPod", erwidert er fröhlich. Ungläubig schaue ich ihn an und lache dann. "Ernsthaft?" "Ja! Da stehen ganz viele Weisheiten drin, zum Beispiel auch 'Der Teufel ist ein Eichhörnchen'."
Ich stutze und lege verwirrt meinen Kopf schief, wiederhole die Aussage fragend. Er nickt. "Ja, der Teufel ist ein Eichhörnchen." "Aber die sind doch so süß", protestiere ich. "Deswegen ja. Der Teufel versteckt sich hinter allem niedlichen", erläutert Paul und dann grinst er mich breit an, "du bist der beste Beweis dafür." Ich erwidere sein Grinsen und kuschle mich an ihn, während wir beide lachen.

Samstag, 5. Juli 2014

#43

Ich wühle in meiner Schreibtischschublade. Gerade habe ich meiner Cousine noch geschrieben, wie ich vor ein paar Jahren während dem Urlaub immer Probleme mit Postkarten hatte, weil ich nicht mehr als 10 kaufen durfte. Wem sollte ich damals nur eine schicken? Das war immer schrecklich schwer gewesen, weil ich keinen vernachlässigen wollte. Und jetzt hat sich die Zahl auf 3 beschränkt: Paul, Isabel und natürlich sie. Dann fiel mir jedoch auf einmal ein, dass ich doch letztens eine Karte von Katharina bekommen hatte. Sie war in der  5. und 6. meine beste Freundin gewesen, bis sie auf die Realschule gewechselt war und wir uns dadurch ein bisschen aus den Augen verloren hatten. Zwar war die Freundschaft immer geblieben, jedoch war es einfach nicht mal annähernd mehr das Gleiche gewesen. Um mich zu versichern, suche ich also in meiner Schreibtischschublade, weil ich seit dem Umzug jede Karte dort verstaut habe. Ich erwische zwei Karten, aber sie sind nur von Julian und meiner Cousine.
Nachdenklich schaue ich die Karten an, lege sie dann jedoch wieder zurück und hebe ein paar Weihnachtskarten hoch, um zu sehen, ob darunter noch etwas ist. Irritiert entdecke ich einen Briefumschlag mit meinem Namen sowie meiner Adresse. Ich erkenne die Schrift sofort, es ist Desirees. Sie ist in meiner alten Klasse gewesen und in der 8. haben wir uns besonders gut angefreundet, obwohl wir vorher immer ganz gut befreundet waren. Angestrengt überlege ich, was das für ein Brief ist. Aber ich kann mich partout nicht daran erinnern, warum und wann sie mir einen Brief geschrieben haben sollte. Also nehme ich den Briefumschlag heraus und drehe ihn um. Da ist auch die Bestätigung, sie hat ihren Namen sowie ihre Adresse auf die Rückseite geschrieben. Ich öffne den Umschlag und stelle dabei fest, dass es nicht das erste Mal ist. Der Brief wurde also bereits von mir gelesen, aber noch immer ist keine Erinnerung da.
Es ist ein Foto von dem Eifelturm drin, sowie ein gelbes DIN A4 Blatt. Neugierig öffne ich das Blatt. Und mit jedem weiteren Wort fühle ich, wie mein Herz schwerer wird. Sie hatte damals vor zwei Jahren vergessen mir eine Postkarte zu kaufen und mir deswegen diesen kurzen Brief geschrieben. Mit ihrer großen Schrift und den kleinen Zeichnungen hat sie trotzdem das ganze Blatt ausgefüllt. Es war kurz vor Schuljahresbeginn, 9. Klasse. Ihr Brief endet damit, dass sie mir natürlich Bericht erstatten wird und mit lieben Grüßen aus meiner alten Stadt.
Als ich fertig mit Lesen bin, starre ich einige Minuten lang das Stück Papier an. Erinnerungen durchfluten mein Gehirn und mein Herz scheint immer mehr zu wiegen. So viel, dass es fast wehtut, es zu tragen.

Mittwoch, 25. Juni 2014

#42

Joel, Paul und ich sind auf dem Weg vom REWE zur Schule. Ich laufe vor den beiden, während sie sich unterhalten. Plötzlich taucht Paul neben mir auf. "Valle! Wie geht's dir?"
Ich lächle. "Gut und dir?"
"Mir auch."
"Super Unterhaltung", spottet Joel, "das hat's ja voll gebracht."
"Manchmal will ich halt einfach nur ihre Stimme hören", erwidert Paul nur.

Dienstag, 10. Juni 2014

- 2 -

Sie fand sich selbst irgendwie lächerlich. Es war ja so naiv von ihr, dass sie nach so kurzer Zeit schon dachte, dass er der Richtige war. Der, den sie für immer lieben würde. Der, dem sie mal das "Ja"-Wort geben wollte. Der, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte.
Dabei wusste sie nicht mal, was "Liebe" eigentlich war. War das hier schon Liebe? Brauchte Liebe nicht Zeit? Natürlich, das hier waren starke Gefühle. Das hier war nahe dran an Liebe, aber war es schon wirkliche Liebe? Woran merkt man, dass man jemanden liebt? Manchmal dachte sie, sie würde ihn lieben. Aber dann fragte sie sich, ob das nicht schon übereilt, überstürzt war. Ob es nicht genau wie das Gefühl war, dass sie denken ließ, dass er "der Eine" war. Mr Right. Ihre große Liebe. Ihre wahre Liebe. So fühlte sich die erste Liebe doch an, nicht? Und das machte ihr Angst.
Was, wenn sie sich täuschte? Wenn sie nun mal einfach naiv war und es nicht für immer halten würde? Sie wollte so gern glauben, dass er sie nie wieder verlassen würde, sie ihn nie allein lassen würde. Dass sie bis an ihr Lebensende zusammen blieben. Weil sie sich ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen konnte. Und es war so naiv. Sie hatte immer lächelnd über andere den Kopf geschüttelt, wenn sie so etwas sagten. So etwas konnte man doch nicht nach kurzer Zeit wissen. Aber jetzt war sie selbst so. Und sie konnte nichts dagegen tun. Ihr Kopf ließ sie schon fast gänzlich im Stich, nur ganz leise in einer dunklen Ecke flüsterte er ihr manchmal zu, dass sie blauäugig war, aber ihr Herz erwiderte nur, dass er nicht so blind sein solle, die Augen wären offensichtlich braun. Und es klang so vernünftig. So selbstverständlich. Ihr Herz argumentierte doch völlig richtig. Ihre Augen waren braun. Aber gehörte nicht ihm ihr Herz? Vielleicht sprach ihr Herz ja immer zu ihr, wenn er es tat. Und wenn sie seine Stimme hörte, glaubte sie zu wissen, dass das der Klang war, den sie auch noch in fünfzig Jahren hören wollte. Es sollte der letzte Ton sein, den sie vorm Einschlafen vernahm und der erste, der sie morgens aufweckte. Und weil er ihr Herz besaß, sprach es also zu ihr und sagte ihr das, also musste es doch wahr sein, oder? Es war doch alles völlig schlüssig, ihr Gedankengang erschien so logisch. Und ihr Gefühl sagte ihr auch, dass alles richtig war so. Daraus folgte ganz selbstverständlich, dass das alles stimmte, oder?

Montag, 9. Juni 2014

#41

"Ich will dich nie wieder loslassen", murmelt Paul und zieht mich noch enger an sich, während er seine Wange an meine drückt. Ich erwidere die Umarmung und flüstere: "Dann tu's nicht." "Das ist eine herausragende Idee", antwortet er und ich spüre, wie er lächelt. Auch meine Mundwinkel ziehen sich nach oben und mir entweicht ein glückliches Seufzen.

Wir liegen auf dem Bett, ganz nah beieinander und schauen uns an. Seine grünen Augen funkeln mich an und es ist so leicht, in ihnen zu versinken. "Küsst du mich, Valle?", fragt er mich ganz leise und zuerst bin ich irritiert, aber ich beantworte seine Frage, in dem ich mich nur zu gern vorbeuge. Unsere Gesichter nähern sich und ich schließe meine Augen, als sich unsere Lippen treffen. Wie oft habe ich hier von geträumt? Wie oft habe ich es mir gewünscht? Und jetzt passiert es gerade tatsächlich. Der Kuss dauert nicht lange, er ist ganz unschuldig, aber er ist schön und einfach perfekt, weil es mit dem Richtigen ist. Denn so naiv das jetzt wohl klingen mag, ich glaube das wirklich. Ich glaube, dass er der Richtige ist. Der, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen will. Wie könnte ich je für jemand anderes das empfinden, was ich für diesen Jungen fühle?

Donnerstag, 5. Juni 2014

#40

"Ich hab Mathe gestern nicht hinbekommen, ich bin zu blöd für Mathe", frustriert lasse ich mich einfach auf den Boden fallen. "Warum hab ich überhaupt Mathe-LK gewählt? Ich kann kein Mathe." Gestern saß ich unglaublich lange an den Mathehausaufgaben, die wir über zwei Wochen aufbekommen hatten und ich habe einen Teil der Aufgaben einfach partout nicht hinbekommen, obwohl Mathe mein bestes Fach ist und ich normalerweise gut darin bin. Und es gibt kein Fach, das mich so sehr frustriert, wenn ich es nicht kann, wie Mathe. "Ich versteh auch nicht, wieso du Mathe-LK gewählt hast", meint Julian, "und jetzt hör auf so zu heulen, davon wird's nicht besser. Und steh auf." Ich schüttle nur den Kopf und jammere weiter vor mich hin und lasse meinen Kopf auf meine angezogenen Knie fallen.
"Hey, Paul", begrüßt Julian ihn. Dieser grüßt ihn zurück, beugt sich jedoch sofort besorgt zu mir. Ich hebe den Kopf halb und begrüßte ihn mild lächelnd. "Hallu." "Was ist los, Valle?"
"Ich bin zu blöd für Mathe", fange ich wieder an in einem weinerlichen Ton zu erzählen und lasse meinen Kopf wieder auf die Knie fallen. "Ach was, wenn einer Mathe kann, dann du!", meint er und zieht mich auf die Beine, um mich an sich zu drücken. Er legt seine Arme um mich und wiegt mich ein bisschen hin und her. "Nein, ich saß gestern ewig an den Mathehausaufgaben und ich hab nicht alles hinbekommen oder überhaupt verstanden, egal was ich versucht hab!"
"Was kannst du denn dafür, wenn dir dein Mathelehrer unlösbare Aufgaben gibt?", fragt er und schaut mich dabei grinsend an. Sein Ziel erreicht er, ich muss unwillkürlich anfangen zu lachen. "Und überhaupt, wie lange hattest du jetzt kein Mathe?" "Zwei Wochen", murmle ich seufzend. "Na siehst du, deine Mathezellen sind einfach abgestorben und müssen jetzt aufgefrischt werden!" Ich lächle ihn an und auch auf seinem Gesicht breitet sich ein zufriedenes Lächeln aus. Eine Antwort bleibe ich ihm schuldig, stattdessen lehne ich mich gegen ihn und genieße die Umarmung. Ich bin so froh, diesen Jungen kennengelernt zu haben. Und irgendwie kann ich noch immer nicht mein Glück fassen, dass er wirklich mein Freund ist und ich seine Freundin.

Sonntag, 1. Juni 2014

#39

"Ich hab meinen Brüdern dann gesagt, dass wir einen Wettbewerb daraus machen und schauen, wer die meisten Äpfel sammeln kann", erzählt Paul und ich kann mir gut vorstellen, wie sein Gesicht gerade aussehen muss. Seine Augen funkeln schelmisch und er lächelt schadenfroh. Lachend halte ich den Telefonhörer noch näher an mein Ohr. "Bis Mathis gemerkt hat, dass ich nur faul auf der Liege liege und sie mich dann beide verprügeln wollten." Mein Lachen wird dadurch nur noch stärker und ich antworte: "Du bist böse."
"Du auch", und ich bin mir ganz sicher, dass er gerade grinst.
"Ich weiß."
"Wir sind ein tolles Paar", meint er und lacht.
Mir wird warm ums Herz und ich lächle. "Ja, finde ich auch."