Ich bin gut im Schreiben, aber kann mich schlecht ausdrücken. Es fällt
mir leicht, meine Gefühle in Worte zu fassen, aber es ist schwer, sie zu
offenbaren. In den letzten Monaten hab ich gelernt, dir "Ich liebe
dich" zu sagen und zum ersten Mal wirklich zu fühlen, was das eigentlich
bedeutet. Ich dachte immer, ich hätte eine gute Vorstellung davon, aber
du hast mir beigebracht, was Liebe eigentlich ist. Und eigentlich ist
das die einzige Art, dir zu sagen, wie es mir geht, wenn ich in deiner
Nähe bin. Ich bringe es nicht übers Herz, mein Herz auf meine Zunge zu
legen und dir zu sagen, dass es jedes Mal schneller klopft, wenn ich
dich seh. Oder dass es ganz warm wird, wenn du dann vor mir stehst und
ich deine Lippen auf meinen spüre und deine Arme sich um meinen Körper
legen. Dass ich mich in ihnen endlich zuhause fühle und du eine Konstante in meinem Leben bist. Ich hab jahrelang nach einem
Zuhause gesucht, weil es seit Jahren nicht mehr die vier Wände sind, in
denen ich meine meiste Zeit verbringe, denn es sind so fremdartig
vertraute Wände. Und es ist so unfassbar, dass ich es endlich gefunden
habe: bei dir. Ein Leben ohne dich erscheint mir schon gar nicht mehr
möglich, ich wüsste nicht, was ich ohne dich tun sollte. Wie könnte ich
mit dieser riesigen Lücke leben, die du hinterlassen würdest? Und wie
habe ich es eigentlich geschafft, mit dieser Lücke auszukommen, bevor ich
dich traf? Du hast ein Loch in meinem Leben ausgefüllt, von dem ich immer dachte, ich kann damit leben und dem ich keine Bedeutung zugeschrieben habe. Aber wieder einmal hast du mich eines Besseren belehrt.
Und vielleicht, vielleicht sage ich dir das alles irgendwann. In einem schwachen oder impulsiven Moment. Irgendwann erfährst du es vielleicht. Du hast mal gesagt, du wüsstest gerne, was immer in meinem Kopf vorgeht und vielleicht wirst du es ja eines Tages wissen.
Dienstag, 23. September 2014
Samstag, 6. September 2014
#46
Wir sitzen im Sportunterricht und unsere Lehrerin kontrolliert die Anwesenheit. "Franka?" - "Da", antwortete die Aufgerufene. "Verena?" - "Da." - "Valerie?" - "Hier", melde ich mich.
"Nein, du bist da", kommentiert Julian neben mir und grinst mich an. "Nö, ich bin hier", grinse ich zurück. "Nein, du meintest du bist da."
"Hier!"
"Da!"
"Julian?" - "Hier."
"Du meinst, du bist da", korrigiere ich kichernd und er verdreht die Augen. "Nein, ich bin hier."
"Nein, ich bin hier, du bist da!"
"Wir beide sind hier?", schlägt er lachend vor und ich stimme grinsend zu.
"Nein, du bist da", kommentiert Julian neben mir und grinst mich an. "Nö, ich bin hier", grinse ich zurück. "Nein, du meintest du bist da."
"Hier!"
"Da!"
"Julian?" - "Hier."
"Du meinst, du bist da", korrigiere ich kichernd und er verdreht die Augen. "Nein, ich bin hier."
"Nein, ich bin hier, du bist da!"
"Wir beide sind hier?", schlägt er lachend vor und ich stimme grinsend zu.
Montag, 1. September 2014
#45
Ich sitze am Computer und sehe, dass Esther schon wieder in Skype online ist. Seltsamerweise ist sie das in den letzten Tagen täglich. Fast wie früher. Bisher habe ich immer dem Drang widerstanden, ihren Chat zu öffnen, aber durch meine vorherige Nostalgiestimmung werfe ich meine Bedenken über Bord und bin schnell am Gespräch angelangt, das wir geführt hatten, nachdem sie mir die Freundschaft gekündigt hatte. Eine gefühlte Ewigkeit verbringe ich meine Zeit ausschließlich damit, von dem Punkt an unsere danach geführten Unterhaltungen zu lesen und mit jedem Satz fühle ich mich schlechter. Erinnerungen überfluten mich. Es war so einfach mit ihr gewesen. Sie war nicht umsonst meine beste Freundin gewesen, wir hatten uns so gut verstanden, waren einander ähnlich gewesen, waren füreinander da gewesen. Wir waren durch dick und dünn gegangen. Wie hatte es je so kompliziert werden können, dass nichts mehr von unserer Freundschaft übrig geblieben war?
Mittendrin breche ich ab und schließe meine Augen und versuche mich zu beruhigen und meine Tränen zurückzuhalten. Plötzlich habe ich das dringende Bedürfnis, Pauls Stimme zu hören und mit ihm darüber zu reden. Kaum habe ich das gedacht, finde ich mich schon mit dem Telefon in Hand wieder und wähle seine Nummer. Es klingelt zweimal, dann nimmt Pauls Stimme ab. Kaum habe ich ihn begrüßt, ist auf einmal Julian dran und auch Max' Stimme kann ich vernehmen. Während die drei etwas rumblödeln, weicht mein Entschluss zu reden. Als Paul schließlich alleine ist, merkt er sofort, wie wortkarg ich bin. "Warst du trainieren?"
"Nein."
"Was hat dich dann so kaputt gemacht?"
"Ich...", und dann sprudelt es aus mir heraus. Dass ich Esthers und meine alten Gespräche gelesen habe, dass gestern der 31. August war, dass ich so nostalgisch wie schon lang nicht mehr bin. Paul versucht mich aufzumuntern, gibt mir Lösungsvorschläge, damit es mir besser geht. Er meint, ich müsse einfach mal wieder zurück in meine alte Stadt. Mich vorher mit meinen alten Freunden absprechen, damit wir uns alle sehen.
"Nein", erwidere ich kalt, "ich will Esther nicht sehen."
"Aber warum denn?"
"Weil sie eine blöde Kuh ist."
"Sagst du nicht immer, dass man Leuten verzeihen soll? Zum Beispiel Julian mit Nico?"
"Nein. Ich sagte, ich würde ihm ja sagen, dass er ihm verzeihen soll, aber ich wäre nicht besser."
"Oh. Stimmt. Das hast du gesagt...", erwidert Paul. "Was war denn das eigentlich mit Esther?"
Also erzähle ich ihm die Geschichte, aber es fällt mir schwer. Ich habe noch nie jemandem diese Geschichte am Stück erzählt. Und nur meine Cousine hat sie in Fragmenten miterlebt. Und mittendrin kann ich nicht anders als anfangen zu weinen. "Oh Gott, Valle", meint Paul leise und klingt entsetzt, wohl mehr über meinen Zustand als über die Ereignisse. Ich bin vor lauter Trauer und Tränen nicht im Stande ihm zu antworten und bringe nur ein weiteres Schluchzen hervor. "Valle...wann kommt die nächste Bahn zu dir?", sagt er in einem leidenden Ton. Als ich mich etwas beruhige, flüstere ich ein leises "Tut mir leid", aber er antwortet nur: "Mir tut es leid, dass ich nicht bei dir sein und dich in den Arm nehmen kann."
Mittendrin breche ich ab und schließe meine Augen und versuche mich zu beruhigen und meine Tränen zurückzuhalten. Plötzlich habe ich das dringende Bedürfnis, Pauls Stimme zu hören und mit ihm darüber zu reden. Kaum habe ich das gedacht, finde ich mich schon mit dem Telefon in Hand wieder und wähle seine Nummer. Es klingelt zweimal, dann nimmt Pauls Stimme ab. Kaum habe ich ihn begrüßt, ist auf einmal Julian dran und auch Max' Stimme kann ich vernehmen. Während die drei etwas rumblödeln, weicht mein Entschluss zu reden. Als Paul schließlich alleine ist, merkt er sofort, wie wortkarg ich bin. "Warst du trainieren?"
"Nein."
"Was hat dich dann so kaputt gemacht?"
"Ich...", und dann sprudelt es aus mir heraus. Dass ich Esthers und meine alten Gespräche gelesen habe, dass gestern der 31. August war, dass ich so nostalgisch wie schon lang nicht mehr bin. Paul versucht mich aufzumuntern, gibt mir Lösungsvorschläge, damit es mir besser geht. Er meint, ich müsse einfach mal wieder zurück in meine alte Stadt. Mich vorher mit meinen alten Freunden absprechen, damit wir uns alle sehen.
"Nein", erwidere ich kalt, "ich will Esther nicht sehen."
"Aber warum denn?"
"Weil sie eine blöde Kuh ist."
"Sagst du nicht immer, dass man Leuten verzeihen soll? Zum Beispiel Julian mit Nico?"
"Nein. Ich sagte, ich würde ihm ja sagen, dass er ihm verzeihen soll, aber ich wäre nicht besser."
"Oh. Stimmt. Das hast du gesagt...", erwidert Paul. "Was war denn das eigentlich mit Esther?"
Also erzähle ich ihm die Geschichte, aber es fällt mir schwer. Ich habe noch nie jemandem diese Geschichte am Stück erzählt. Und nur meine Cousine hat sie in Fragmenten miterlebt. Und mittendrin kann ich nicht anders als anfangen zu weinen. "Oh Gott, Valle", meint Paul leise und klingt entsetzt, wohl mehr über meinen Zustand als über die Ereignisse. Ich bin vor lauter Trauer und Tränen nicht im Stande ihm zu antworten und bringe nur ein weiteres Schluchzen hervor. "Valle...wann kommt die nächste Bahn zu dir?", sagt er in einem leidenden Ton. Als ich mich etwas beruhige, flüstere ich ein leises "Tut mir leid", aber er antwortet nur: "Mir tut es leid, dass ich nicht bei dir sein und dich in den Arm nehmen kann."
Dienstag, 22. Juli 2014
#44
Seufzend lasse ich mich auf Pauls Bett fallen. Nach zwei Wochen ist er endlich zurückgekommen und wir haben uns auch sofort getroffen. Zwei Wochen klingen eigentlich so wenig, aber sie kamen mir trotzdem viel zu lang vor. Gerade haben wir gegessen.
Paul legt sich neben mich und grinst. "Nach dem Essen sollst du ruhen oder tausend Schritte tun", meint er dann und beugt sich näher zu mir, "und ich glaube, ich weiß, was du tun wirst." Er lacht. Wie mir sein Lachen gefehlt hat.
"Woher hast du denn das?", frage ich und lächle ihn an.
"Aus einer Lebensweisheit App auf meinem iPod", erwidert er fröhlich. Ungläubig schaue ich ihn an und lache dann. "Ernsthaft?" "Ja! Da stehen ganz viele Weisheiten drin, zum Beispiel auch 'Der Teufel ist ein Eichhörnchen'."
Ich stutze und lege verwirrt meinen Kopf schief, wiederhole die Aussage fragend. Er nickt. "Ja, der Teufel ist ein Eichhörnchen." "Aber die sind doch so süß", protestiere ich. "Deswegen ja. Der Teufel versteckt sich hinter allem niedlichen", erläutert Paul und dann grinst er mich breit an, "du bist der beste Beweis dafür." Ich erwidere sein Grinsen und kuschle mich an ihn, während wir beide lachen.
Paul legt sich neben mich und grinst. "Nach dem Essen sollst du ruhen oder tausend Schritte tun", meint er dann und beugt sich näher zu mir, "und ich glaube, ich weiß, was du tun wirst." Er lacht. Wie mir sein Lachen gefehlt hat.
"Woher hast du denn das?", frage ich und lächle ihn an.
"Aus einer Lebensweisheit App auf meinem iPod", erwidert er fröhlich. Ungläubig schaue ich ihn an und lache dann. "Ernsthaft?" "Ja! Da stehen ganz viele Weisheiten drin, zum Beispiel auch 'Der Teufel ist ein Eichhörnchen'."
Ich stutze und lege verwirrt meinen Kopf schief, wiederhole die Aussage fragend. Er nickt. "Ja, der Teufel ist ein Eichhörnchen." "Aber die sind doch so süß", protestiere ich. "Deswegen ja. Der Teufel versteckt sich hinter allem niedlichen", erläutert Paul und dann grinst er mich breit an, "du bist der beste Beweis dafür." Ich erwidere sein Grinsen und kuschle mich an ihn, während wir beide lachen.
Samstag, 5. Juli 2014
#43
Ich wühle in meiner Schreibtischschublade. Gerade habe ich meiner Cousine noch geschrieben, wie ich vor ein paar Jahren während dem Urlaub immer Probleme mit Postkarten hatte, weil ich nicht mehr als 10 kaufen durfte. Wem sollte ich damals nur eine schicken? Das war immer schrecklich schwer gewesen, weil ich keinen vernachlässigen wollte. Und jetzt hat sich die Zahl auf 3 beschränkt: Paul, Isabel und natürlich sie. Dann fiel mir jedoch auf einmal ein, dass ich doch letztens eine Karte von Katharina bekommen hatte. Sie war in der 5. und 6. meine beste Freundin gewesen, bis sie auf die Realschule gewechselt war und wir uns dadurch ein bisschen aus den Augen verloren hatten. Zwar war die Freundschaft immer geblieben, jedoch war es einfach nicht mal annähernd mehr das Gleiche gewesen. Um mich zu versichern, suche ich also in meiner Schreibtischschublade, weil ich seit dem Umzug jede Karte dort verstaut habe. Ich erwische zwei Karten, aber sie sind nur von Julian und meiner Cousine.
Nachdenklich schaue ich die Karten an, lege sie dann jedoch wieder zurück und hebe ein paar Weihnachtskarten hoch, um zu sehen, ob darunter noch etwas ist. Irritiert entdecke ich einen Briefumschlag mit meinem Namen sowie meiner Adresse. Ich erkenne die Schrift sofort, es ist Desirees. Sie ist in meiner alten Klasse gewesen und in der 8. haben wir uns besonders gut angefreundet, obwohl wir vorher immer ganz gut befreundet waren. Angestrengt überlege ich, was das für ein Brief ist. Aber ich kann mich partout nicht daran erinnern, warum und wann sie mir einen Brief geschrieben haben sollte. Also nehme ich den Briefumschlag heraus und drehe ihn um. Da ist auch die Bestätigung, sie hat ihren Namen sowie ihre Adresse auf die Rückseite geschrieben. Ich öffne den Umschlag und stelle dabei fest, dass es nicht das erste Mal ist. Der Brief wurde also bereits von mir gelesen, aber noch immer ist keine Erinnerung da.
Es ist ein Foto von dem Eifelturm drin, sowie ein gelbes DIN A4 Blatt. Neugierig öffne ich das Blatt. Und mit jedem weiteren Wort fühle ich, wie mein Herz schwerer wird. Sie hatte damals vor zwei Jahren vergessen mir eine Postkarte zu kaufen und mir deswegen diesen kurzen Brief geschrieben. Mit ihrer großen Schrift und den kleinen Zeichnungen hat sie trotzdem das ganze Blatt ausgefüllt. Es war kurz vor Schuljahresbeginn, 9. Klasse. Ihr Brief endet damit, dass sie mir natürlich Bericht erstatten wird und mit lieben Grüßen aus meiner alten Stadt.
Als ich fertig mit Lesen bin, starre ich einige Minuten lang das Stück Papier an. Erinnerungen durchfluten mein Gehirn und mein Herz scheint immer mehr zu wiegen. So viel, dass es fast wehtut, es zu tragen.
Nachdenklich schaue ich die Karten an, lege sie dann jedoch wieder zurück und hebe ein paar Weihnachtskarten hoch, um zu sehen, ob darunter noch etwas ist. Irritiert entdecke ich einen Briefumschlag mit meinem Namen sowie meiner Adresse. Ich erkenne die Schrift sofort, es ist Desirees. Sie ist in meiner alten Klasse gewesen und in der 8. haben wir uns besonders gut angefreundet, obwohl wir vorher immer ganz gut befreundet waren. Angestrengt überlege ich, was das für ein Brief ist. Aber ich kann mich partout nicht daran erinnern, warum und wann sie mir einen Brief geschrieben haben sollte. Also nehme ich den Briefumschlag heraus und drehe ihn um. Da ist auch die Bestätigung, sie hat ihren Namen sowie ihre Adresse auf die Rückseite geschrieben. Ich öffne den Umschlag und stelle dabei fest, dass es nicht das erste Mal ist. Der Brief wurde also bereits von mir gelesen, aber noch immer ist keine Erinnerung da.
Es ist ein Foto von dem Eifelturm drin, sowie ein gelbes DIN A4 Blatt. Neugierig öffne ich das Blatt. Und mit jedem weiteren Wort fühle ich, wie mein Herz schwerer wird. Sie hatte damals vor zwei Jahren vergessen mir eine Postkarte zu kaufen und mir deswegen diesen kurzen Brief geschrieben. Mit ihrer großen Schrift und den kleinen Zeichnungen hat sie trotzdem das ganze Blatt ausgefüllt. Es war kurz vor Schuljahresbeginn, 9. Klasse. Ihr Brief endet damit, dass sie mir natürlich Bericht erstatten wird und mit lieben Grüßen aus meiner alten Stadt.
Als ich fertig mit Lesen bin, starre ich einige Minuten lang das Stück Papier an. Erinnerungen durchfluten mein Gehirn und mein Herz scheint immer mehr zu wiegen. So viel, dass es fast wehtut, es zu tragen.
Mittwoch, 25. Juni 2014
#42
Joel, Paul und ich sind auf dem Weg vom REWE zur Schule. Ich laufe vor den beiden, während sie sich unterhalten. Plötzlich taucht Paul neben mir auf. "Valle! Wie geht's dir?"
Ich lächle. "Gut und dir?"
"Mir auch."
"Super Unterhaltung", spottet Joel, "das hat's ja voll gebracht."
"Manchmal will ich halt einfach nur ihre Stimme hören", erwidert Paul nur.
Ich lächle. "Gut und dir?"
"Mir auch."
"Super Unterhaltung", spottet Joel, "das hat's ja voll gebracht."
"Manchmal will ich halt einfach nur ihre Stimme hören", erwidert Paul nur.
Dienstag, 10. Juni 2014
- 2 -
Sie fand sich selbst irgendwie lächerlich. Es war ja so naiv von ihr, dass sie nach so kurzer Zeit schon dachte, dass er der Richtige war. Der, den sie für immer lieben würde. Der, dem sie mal das "Ja"-Wort geben wollte. Der, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte.
Dabei wusste sie nicht mal, was "Liebe" eigentlich war. War das hier schon Liebe? Brauchte Liebe nicht Zeit? Natürlich, das hier waren starke Gefühle. Das hier war nahe dran an Liebe, aber war es schon wirkliche Liebe? Woran merkt man, dass man jemanden liebt? Manchmal dachte sie, sie würde ihn lieben. Aber dann fragte sie sich, ob das nicht schon übereilt, überstürzt war. Ob es nicht genau wie das Gefühl war, dass sie denken ließ, dass er "der Eine" war. Mr Right. Ihre große Liebe. Ihre wahre Liebe. So fühlte sich die erste Liebe doch an, nicht? Und das machte ihr Angst.
Was, wenn sie sich täuschte? Wenn sie nun mal einfach naiv war und es nicht für immer halten würde? Sie wollte so gern glauben, dass er sie nie wieder verlassen würde, sie ihn nie allein lassen würde. Dass sie bis an ihr Lebensende zusammen blieben. Weil sie sich ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen konnte. Und es war so naiv. Sie hatte immer lächelnd über andere den Kopf geschüttelt, wenn sie so etwas sagten. So etwas konnte man doch nicht nach kurzer Zeit wissen. Aber jetzt war sie selbst so. Und sie konnte nichts dagegen tun. Ihr Kopf ließ sie schon fast gänzlich im Stich, nur ganz leise in einer dunklen Ecke flüsterte er ihr manchmal zu, dass sie blauäugig war, aber ihr Herz erwiderte nur, dass er nicht so blind sein solle, die Augen wären offensichtlich braun. Und es klang so vernünftig. So selbstverständlich. Ihr Herz argumentierte doch völlig richtig. Ihre Augen waren braun. Aber gehörte nicht ihm ihr Herz? Vielleicht sprach ihr Herz ja immer zu ihr, wenn er es tat. Und wenn sie seine Stimme hörte, glaubte sie zu wissen, dass das der Klang war, den sie auch noch in fünfzig Jahren hören wollte. Es sollte der letzte Ton sein, den sie vorm Einschlafen vernahm und der erste, der sie morgens aufweckte. Und weil er ihr Herz besaß, sprach es also zu ihr und sagte ihr das, also musste es doch wahr sein, oder? Es war doch alles völlig schlüssig, ihr Gedankengang erschien so logisch. Und ihr Gefühl sagte ihr auch, dass alles richtig war so. Daraus folgte ganz selbstverständlich, dass das alles stimmte, oder?
Dabei wusste sie nicht mal, was "Liebe" eigentlich war. War das hier schon Liebe? Brauchte Liebe nicht Zeit? Natürlich, das hier waren starke Gefühle. Das hier war nahe dran an Liebe, aber war es schon wirkliche Liebe? Woran merkt man, dass man jemanden liebt? Manchmal dachte sie, sie würde ihn lieben. Aber dann fragte sie sich, ob das nicht schon übereilt, überstürzt war. Ob es nicht genau wie das Gefühl war, dass sie denken ließ, dass er "der Eine" war. Mr Right. Ihre große Liebe. Ihre wahre Liebe. So fühlte sich die erste Liebe doch an, nicht? Und das machte ihr Angst.
Was, wenn sie sich täuschte? Wenn sie nun mal einfach naiv war und es nicht für immer halten würde? Sie wollte so gern glauben, dass er sie nie wieder verlassen würde, sie ihn nie allein lassen würde. Dass sie bis an ihr Lebensende zusammen blieben. Weil sie sich ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen konnte. Und es war so naiv. Sie hatte immer lächelnd über andere den Kopf geschüttelt, wenn sie so etwas sagten. So etwas konnte man doch nicht nach kurzer Zeit wissen. Aber jetzt war sie selbst so. Und sie konnte nichts dagegen tun. Ihr Kopf ließ sie schon fast gänzlich im Stich, nur ganz leise in einer dunklen Ecke flüsterte er ihr manchmal zu, dass sie blauäugig war, aber ihr Herz erwiderte nur, dass er nicht so blind sein solle, die Augen wären offensichtlich braun. Und es klang so vernünftig. So selbstverständlich. Ihr Herz argumentierte doch völlig richtig. Ihre Augen waren braun. Aber gehörte nicht ihm ihr Herz? Vielleicht sprach ihr Herz ja immer zu ihr, wenn er es tat. Und wenn sie seine Stimme hörte, glaubte sie zu wissen, dass das der Klang war, den sie auch noch in fünfzig Jahren hören wollte. Es sollte der letzte Ton sein, den sie vorm Einschlafen vernahm und der erste, der sie morgens aufweckte. Und weil er ihr Herz besaß, sprach es also zu ihr und sagte ihr das, also musste es doch wahr sein, oder? Es war doch alles völlig schlüssig, ihr Gedankengang erschien so logisch. Und ihr Gefühl sagte ihr auch, dass alles richtig war so. Daraus folgte ganz selbstverständlich, dass das alles stimmte, oder?
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