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Montag, 27. Januar 2014

#21

Seufzend steige ich aus dem Bus und laufe schon aus reiner Routine auf die andere Seite des Bahnsteigs. Ich stelle fest, dass ich eigentlich gar keine Lust habe, auf Paul zu warten, aber ein kleiner Teil in mir will sich die Chance nicht nehmen lassen und so stehe ich also da und warte auf die Bahn, die in sieben Minuten kommt. Es deprimiert mich eigentlich momentan nur ihn zu sehen. Er mag mich doch sowieso nur als gute Freundin, er wird mich sowieso nie als mehr sehen. Mir fällt ein, wie Annika im Oktober, als noch alles okay war und Paul und ich nur Freunde waren, erzählt hat, dass sie von Vivi erzählt bekommen hat, dass Paul in der 9. auf sie stand und dass sie aber nichts Aktuelles weiß. Annika ist ein ganz anderer Mensch als ich, sie ist vor allem ein typisches Mädchen-Mädchen. Wenn es stimmt, was Annika erfahren hat, dann ist es schier unmöglich, dass Paul sich je in mich verlieben könnte, weil ich gar nicht sein Typ bin. Am liebsten würde ich umdrehen und mich frustriert in einer Ecke zusammenrollen, aber in dem Moment kommt seine Bahn.
Als er aussteigt kann ich trotzdem nicht anders als lächeln, trotz meiner Lustlosigkeit. Aber das Lächeln weicht schnell, als ich ihn umarme, weil mir in den Sinn kommt, dass er mich nicht mehr so begeistert und fest umarmt, wie vor dem Praktikum. Es kommt mir lächerlich vor, dass ich wirklich gedacht hatte, dass meine Situation doch nicht so hoffnungslos ist.
Während wir uns unterhalten schwanke ich immer wieder zwischen dem Gedanken, dass er mir mit seiner fantastischen Art einfach den Verstand raubt und dass ich so unheimlich verliebt bin und ihm nie von der Seite weichen will, und dem, dass ich heulen könnte, weil das immer nur einseitig sein wird und ich  genug von dem allen habe und das alles nicht mehr will. Wir verabschieden uns schließlich und mit gesenktem Kopf und nach meinen Kopfhörern kramend mache ich mich auf den Weg zu meiner Bahn. Entgegen meinem sonstigen Verhalten drehe ich mich diesmal nicht um, um Paul in seinem Bus wegfahren zu sehen.
Wenn verliebt sein in Stadien abläuft, dann bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich mir sehnlichst das Ende dieser Folter herbeiwünsche.

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