Ich stehe im Foyer unseres Schulgebäudes, die Hälfte meiner Stufe steht vor der Schule, ich kann sie von hier aus durch die Glastüren sehen. Durch die Glastüren, durch die wir alle die letzten Jahre regelmäßig durchgelaufen sind. Die andere Hälfte steht verteilt auf dem Schulhof zu meiner linken und um mich herum. Auf den Schulhof wurden wir bis zur 10. Klasse immer hinaus gescheucht, aber es hat uns nicht daran gehindert, uns auf die Treppe im Flur neben der Eingangstür zu setzen.
Die Treppe zu der wir uns jetzt bewegen - ein allerletztes Mal. Ein allerletztes Mal setzen wir uns hin, als Gruppe, auf unseren Stammplatz, den wir seit Jahren belegen. Sabine macht ein Foto von uns, sie kommt gleich mit zu unserer Feier, weil sie irgendwie mittlerweile dazu gehört, obwohl sie anfangs nur Maikes Nachbarin war. "Wenn wir in 20 Jahren das anschauen, werden wir bei dem Bild lächeln und sagen 'Das. Das war die Treppengang.' und unsere Kinder werden die Augen verdrehen und es uncool finden...aber das hier ist unsere coole Clique", meint Annika dann und grinst und entlockt mir damit auch eins, obwohl ich mich seltsam fühle. Wie auf der Schwelle zwischen Trauer und Glückseligkeit. Zwischen Nostalgie und Vorfreude.
Die anderen verlassen das Gebäude, aber ich muss mich noch einmal umdrehen und betrachte die Eingangshalle. Plötzlich schießen Erinnerungen aus meiner alten Schule in mir hoch und es ist, als würde ich beides nebeneinander sehen. Nur mit viel Mühe kann ich die Tränen zurückhalten, die auf einmal aus meinen Augen treten wollen und ich versuche, die Erinnerungen wieder beiseite zu schieben. Ich habe die Hälfte meiner gymnasialen Schulzeit in einer völlig anderen Schule verbracht, aber die letzten vier Jahre haben mich deswegen nicht weniger geprägt. Und irgendwie glaube ich, dass mich die Jahre hier an dieser Schule glücklicher gemacht haben als meine Zeit damals an meiner alten Schule.
Ich folge den anderen durch die Menge, die meine Mitschüler vor der Schule gebildet haben, aber ich kann nicht aufhören nach hinten zu sehen und das Gebäude anzuschauen, das ich die letzten vier Jahre regelmäßig betreten habe. Ich hebe meine Hand und winke den Leuten, rufe ein lautes "Tschüss!" und ein leichtes Lächeln umspielt meine Lippen, während ich mich rückwärts gehend von der Schule entferne. Von meinen Mitschülern. Von den Leuten, die ich die letzten vier Jahre ständig um mich hatte. "Ich dachte immer...ich dachte immer, ich wäre froh, wenn dieser Tag kommt und ich diese Stufe endlich los bin", sage ich dann laut. Ob man mir die Tränen anhört, die ich gerade zurückhalte? Mir ist, als klänge meine Stimme wie kurz vorm Ersticken, wie kurz vorm Weinen. Und ich bin nicht froh, dass das alles vorbei ist...nicht richtig jedenfalls. Der Geschmack der Trauer hat sich dazu gemischt und ist zu stark dafür. Das war es also?
So ging es mir auch, als ich die Schule verlassen habe. Zumindest die zweite, in der ich mich wohlgefühlt habe. Sowas ist immer traurig... Fühl dich (unbekannterweise) gedrückt! <3
AntwortenLöschenAuf mich kommt dieses Gefühl im Juni zu. Aber ich weiß jetzt schon, dass es mir genauso gehen wird.
AntwortenLöschenWas hast du denn jetzt vor? :)
Ja, in Bayern. Ich finde den Gedanken jetzt schon fertig zu sein, auch etwas komisch. Andererseits steht mir der ganze Stress noch bevor. :l
AntwortenLöschenDu wirst bestimmt noch was finden :)
Ich mache bei Continental ein duales Studium Maschinenbau :)