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Samstag, 23. November 2013

#13

"Oh, wie ich das hasse!", fluche ich laut und renne Paul und Julian hinterher, die zur Bahn hetzen. Wir kommen gerade noch herein. "Bist du jetzt zufrieden, hast du erreicht was du wolltest?", fragt Paul und schaut mich herausfordernd an, während er seinen Schulranzen abstellt. Ich grinse und antworte: "Ja!" Er verdreht die Augen.
Während Paul und Julian sich unterhalten, beobachte ich Paul. Mein Blick wandert immer ganz automatisch zu ihm und ich kann mich einfach nicht an ihm satt sehen oder hören.
Pauls und Julians Station kommt. "Kleine? Tschüss", verabschiedet Julian sich von mir, umarmt mich und gibt mir einen Kuss auf die Wange. Ich lege meine Arme um ihn und küsse ihn auf seine Wange, meine Gedanken kreisen sich jedoch nur vorfreudig um Pauls Umarmung, die gleich folgt. "Tschüss", meine ich dann auch zu ihm und umarme ihn. "Tschüss", sagt er und umarmt mich auch fest. Das ist etwas, was mich wieder freut, weil er mich schon seit ein paar Tagen fester als vorher umarmt. "Bis...du bist ja morgen weg!", meint er verwundert und ich meine zu sehen, wie er traurig schaut. Das ist auch etwas, was irgendwie routiniert geworden ist. Jeden Freitag stellt er auf's neue fest, dass Wochenende ist, wenn wir uns verabschieden. Ich weiß nicht, wie ich das beurteilen soll. "Ja...", antworte ich. Die beiden steigen aus und ich schaue ihnen traurig lächelnd hinterher. "Schönes Wochende!", ruft Paul noch über die Schulter, schaut zurück und lächelt mir zu. "Dir auch", erwidere ich. Die Türen schließen sich. Gott, ich vermisse ihn jetzt schon.

Freitag, 22. November 2013

#12

"Och, komm her, Joel, ich will doch nur etwas Liebe verteilen!", breit grinsend kommt Julian näher auf Joel zu, der jedoch nur das Weite sucht. Lachend beobachten Paul und ich die beiden bei ihrer Verfolgungsjagd. Joel sucht hinter Paul Schutz.
"Na gut, dann eben du, Paul?", lacht Julian und breitet seine Arme aus. "Nein! Bleib bloß weg von mir!", meint er drohend und weicht einen Schritt zurück, "Ich will keine Umarmung von dir!" "Und von mir?", frage ich und lächle unschuldig. "Ja, okay", erwidert er zu meiner Überraschung und umarmt mich auch direkt. Das Lächeln, das sich auf meinem Gesicht gebildet hat, ist nicht wegzubekommen.


Mittwoch, 20. November 2013

#11

"Bleibt ihr noch in der Pause oder geht ihr jetzt?", frage ich und schaue Joel und Paul fragend an. "Natürlich gehen wir jetzt, warum sollten wir bleiben? Wegen dir?!", frech grinst Joel mich an und macht ein angewidertes Gesicht. Wütend funkle ich ihn an: "Jaaa, genau, wegen mir!" "Also, das tut uns jetzt aber schrecklich Leid, dass du dachtest, wir würden dich mögen...", meint Paul und er grinst mich breit an. "Ach ihr seid doch alle scheiße", erwidere ich eingeschnappt und schaue die beiden beleidigt an. "Okay okay, sorry, komm her", lacht Paul und überbrückt den Abstand zwischen uns, um mich zu umarmen. Überrascht davon und innerlich am völligen hyperventilieren, weil er mich gerade zum allerersten Mal von sich aus umarmt, lege ich meine Arme um ihn und drücke mich an ihn, um seine Umarmung, die sich so unendlich gut anfühlt, zu genießen.
Und in diesem Moment wünsche ich mir einfach nur, dass dieser Augenblick nie endet.


Freitag, 15. November 2013

#10

"Ja, also unser Esszimmer sieht ja so aus, also der steht da so", Paul versucht die Lage seines Esstisches mit den Händen zu zeigen, gibt jedoch schnell frustriert auf. "Ist ja auch egal", meint er. Ich schüttle den Kopf. "Nein, nein, erzähl, du kriegst das hin", lächle ich ihn an und schaue ihm ins Gesicht. Er ist größer als ich, hat dunkelblonde Haare und graugrüne Augen. Aufmerksam höre ich seiner Erzählung zu, sauge jedes Wort in mich auf und beobachte ihn dabei. Er ist so schön. Ich könnte ihm den ganzen Tag zuhören. Ich könnte ewig so in der Bahn stehen, direkt bei ihm und er redet und redet und ich höre einfach nur zu. Für diesen Gedanken würde ich mich am liebsten selbst schlagen. Verdammt, meine emotionale Seite gewinnt schon wieder die Oberhand über meine Gedanken.
Er erzählt, wie seine Familie keine Tischmanieren hat und ich muss lachen. Es ist so einfach in seiner Nähe zu lachen, ich weiß nicht einmal, wie er es macht, aber wenn wir reden, muss ich immer grinsen oder lachen. "Ich hab zu viele Haare", meint er. Ich fasse reflexartig direkt zu seinem Kopf und erwidere: "Find ich nicht." "Ich hab sie auch am Wochenende erst ausgedünnt." Ich runzle die Stirn und meine dann schließlich lächelnd zu ihm: "Du bist einer der wenigen Jungs, die nach einem Friseurbesuch immer noch gut aussehen.""Naja, ich hab auch nicht viel verändert", sagt er, aber ich meine eine Andeutung eines Lächelns zu erkennen.


"Hast du was am Wochenende vor?", frage ich ihn, als kurze Stille eintritt. Ich will, dass er weiterredet. "Hm gleich Querflöte, danach geh ich noch zu Tim. Und morgen geh ich trainieren." "Trainieren? Was trainierst du?", fragend lege ich meinen Kopf schief. "Fitnessstudio, mit Max. Ich glaub den kennst du aber nicht mehr..." Ich nicke, das stimmt. "Aber, also ich weiß sowas soll man auch nicht sagen, aber er geht mir auf die Nerven. Er will mich immer zum rauchen und saufen überreden..." "Ich hoffe, du gibst nicht nach", runzle ich die Stirn, eine Anspielung auf ein Gesprächsthema vorher, als er meinte, er hasse Rauch und würde niemals rauchen. "Naja, man muss dazu sagen, dass er schon 17 ist...hey, wie alt bist du eigentlich?" "16", meine ich grinsend, "ich bin genau ein Jahr älter als Joel."
Die Bahn hält und er muss aussteigen. "Tschüss", verabschiede ich ihn und umarme ihn. Er legt seine Arme um mich und verabschiedet sich ebenfalls, dann steigt er aus. "Hab ein schönes Wochenende!", sagt er noch bevor die Türen schließen, auf meinen Lippen bleibt ein seliges Lächeln zurück. Oh verdammt, verdammt, verdammt! Ich bin so hoffnungslos verloren.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Wünschte, ich könnte in der Zeit reisen.

Hey, weißt du was? In zwei Tagen bin ich wieder in unserer Stadt. Meinst du, wir würden uns erkennen, wenn wir uns begegnen? Wäre doch irgendwie schön. Bezweifle ich aber. Wie lange ist es jetzt her? 8 Jahre, in 8 Jahren passiert viel mit einem. Du würdest staunen, was ich alles erlebt habe und wie ich mich verändert habe. Und ich bin so neugierig, was mit dir alles passiert ist. Aber wir würden uns wohl genau deswegen nicht mal bekannt vorkommen, selbst wenn wir aufeinander prallen würden. Der Gedanke macht mich unendlich traurig, weil ich so gerne wieder Kontakt mit dir haben möchte. Wahrscheinlich wird mich das jetzt erstmal verfolgen, bis wir da sind. Werden wir uns sehen? Kämen wir uns bekannt vor? Würdest du mich in dem Fall ansprechen? Wie wahrscheinlich ist es schon, dass ich im richtigen Stadtteil zur richtigen Zeit bin?
Und wenn ich dann da bin, wird es mich nicht loslassen, ob du nicht dahinten stehst oder gerade an mir vorbei gelaufen bist. Soll ich dich ansprechen?
Die Tage danach werde ich immer wieder darüber nachdenken, ob ich nicht einfach nur hätte besser aufpassen müssen. Oder ob ich nicht einfach hätte mutiger sein sollen.
Und letztendlich wird es auf das hinauslaufen, was ich schon 8 Jahre lang tue: Ich vermisse dich an manchen Tagen und versuche an anderen damit abzuschließen. Aber ich werde dich nie ganz vergessen und ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Ich weiß nur: Du fehlst mir.


Montag, 23. September 2013

Es ist einfach zu vertraut.

Es ist jetzt 3 Jahre her, dass wir uns kennen gelernt haben. In den 3 Jahren ist eine Menge passiert. Er war ein guter Freund für mich, ich eine gute Freundin für ihn. Er war der Idiot, der mich schrecklich verletzt hat, ich war die Idiotin, die sich völlig zum Affen gemacht hat. Wenn ich könnte, würde ich vieles streichen. Vor allem Dinge, die ich getan habe.
Wir haben seit einem Jahr kaum Kontakt gehabt, aber ganz verloren ging er irgendwie nie, in diesen ganzen 3 Jahren nicht. Anders wäre es auch einfach eigenartig. Es wäre zu komisch. 3 Jahre kennen wir uns schon und da soll der Kontakt einfach nicht bestehen?
Ich gebe es ja zu: Irgendwie habe ich ihn immer etwas vermisst. Es konnte so einfach sein mit ihm zu reden. Es konnte auch total witzig sein. Wir konnten total gut miteinander klarkommen. Aber man sieht die Vergangenheit ja bekanntlich immer besser als sie war und mir ist bewusst, wie viel schief gelaufen ist und wir uns eben gut verstehen konnten, es aber nicht unbedingt taten.
Vielleicht bin ich deswegen die letzten Male immer etwas kühler gewesen, immer etwas angriffslustiger, wenn er den Kontakt aufnahm. Von mir aus ging das nie. Ich habe mich nie getraut, es erschien mir zu schwach und ohnehin wusse ich nicht, was ich ihm zu sagen hätte.
Aber seit ein paar Tagen, ja, seit ein paar Tagen läuft es wieder etwas besser zwischen uns. Wir schreiben wieder etwas mehr, wir sind netter zueinander, momentan kommen wir gut miteinander aus. Misstrauisch bin ich trotzdem. Es ist manchmal sehr schwierig mit ihm befreundet zu sein und ich möchte nicht, dass das eskaliert. Diesmal passe ich besser auf. Aber ich glaube, dass es diesmal gut laufen wird und auch so bleiben wird. Hoffentlich täuscht mein Gefühl mich nicht.

"Sag mal...magst du mich?"
"Ehm wieso fragst du mich das?"
"Weil ich es wissen will."
"Naja schon, denke ich."
"Denkst du..."
"Magst du mich denn? Oder nerv ich dich eher?"
"Nein nein, ich mag dich."

Donnerstag, 19. September 2013

#9

"Willst du es denn nicht wenigstens versuchen?"
"Nein", erwidere ich eisern und blicke auf den Boden. Ich kann ihm jetzt nicht in die Augen schauen.
"Nicht mal, wenn ich dich darum bitte?"
Ich schüttle den Kopf und verneine zum zweiten Mal.
Schweigend betreten wir die Bahn und setzen uns nebeneinander, beachten uns aber nicht. Mit leerem Blick starre ich in die Leere und ich hätte so viel zu sagen, aber ich weiß nicht wie.
Ich merke, wie mein Körper langsam wieder anfängt zu zittern. Mir ist nicht kalt, ich bin den ganzen Tag schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Nur mit Not und Mühe habe ich es geschafft eine gewisse Kontrolle darüber zu gewinnen, aber langsam verliere ich sie.
"Willst du dich nicht wenigstens entschuldigen?", fragt Julian und schaut mich an. Ich blicke zurück und überlege. Will ich das? Macht es überhaupt etwas aus in dieser Situation? Mir würde es nichts bedeuten. Das weiß ich. Eine Entschuldigung hier reicht doch einfach nicht. "Würde das einen Unterschied machen?", frage ich. Wütend antwortet er: "Also nicht. Sag es mir doch direkt ins Gesicht!"
Eine Antwort bleibe ich ihm schuldig. Auch das weiß ich nicht zu erklären. Meine Zunge ist wie betäubt. Natürlich tut es mir Leid. Aber es gibt keine Worte, die beschreiben würden, wie sehr es mir Leid tut und auch keine, die es in irgendeiner Weise rechtfertigen würden. Natürlich weiß ich, dass mein Verhalten schlecht ist. Aber es ist mir egal, weil ich genauso weiß, dass ich nichts dagegen machen kann. Nicht auf Dauer jedenfalls. Aber das würde er nicht verstehen, allein, weil ich es nicht erklären kann.
Eine kalte Mauer des Schweigens baut sich zwischen uns auf, bis seine Haltestelle angesagt wird. Ich beiße mir auf die Lippe. Ich weiß, dass ich ihm noch sagen werde, dass es mir Leid tut. Und ich weiß, dass ich kein "ist ok" lesen will und noch weniger da sitzen will, um zu sehen, dass er mir nicht antwortet. Überhaupt wäre es nicht gut, wenn ich mich über WhatsApp entschuldige.
Er steht auf. Ich starre weiter den Boden an, spüre seinen Blick auf mir. Als ich aufblicke, werde ich bestätigt. Er schaut mich abwartend an. Ich ertrage den Blick nicht und senke meinen Blick wieder, immer noch schweigend. Die Bahn hält an und er geht zur Tür.
"Julian?" Er dreht sich zu mir. "Tut mir Leid", sage ich leise und blicke wieder auf den Boden. Er sagt nichts und geht raus. Und ehrlich gesagt weiß ich noch immer nicht, wofür ich mich eigentlich entschuldigt habe.