"Willst du es denn nicht wenigstens versuchen?"
"Nein", erwidere ich eisern und blicke auf den Boden. Ich kann ihm jetzt nicht in die Augen schauen.
"Nicht mal, wenn ich dich darum bitte?"
Ich schüttle den Kopf und verneine zum zweiten Mal.
Schweigend betreten wir die Bahn und setzen uns nebeneinander, beachten uns aber nicht. Mit leerem Blick starre ich in die Leere und ich hätte so viel zu sagen, aber ich weiß nicht wie.
Ich merke, wie mein Körper langsam wieder anfängt zu zittern. Mir ist nicht kalt, ich bin den ganzen Tag schon kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Nur mit Not und Mühe habe ich es geschafft eine gewisse Kontrolle darüber zu gewinnen, aber langsam verliere ich sie.
"Willst du dich nicht wenigstens entschuldigen?", fragt Julian und schaut mich an. Ich blicke zurück und überlege. Will ich das? Macht es überhaupt etwas aus in dieser Situation? Mir würde es nichts bedeuten. Das weiß ich. Eine Entschuldigung hier reicht doch einfach nicht. "Würde das einen Unterschied machen?", frage ich. Wütend antwortet er: "Also nicht. Sag es mir doch direkt ins Gesicht!"
Eine Antwort bleibe ich ihm schuldig. Auch das weiß ich nicht zu erklären. Meine Zunge ist wie betäubt. Natürlich tut es mir Leid. Aber es gibt keine Worte, die beschreiben würden,
wie sehr es mir Leid tut und auch keine, die es in irgendeiner Weise rechtfertigen würden. Natürlich weiß ich, dass mein Verhalten schlecht ist. Aber es ist mir egal, weil ich genauso weiß, dass ich nichts dagegen machen kann. Nicht auf Dauer jedenfalls. Aber das würde er nicht verstehen, allein, weil ich es nicht erklären kann.
Eine kalte Mauer des Schweigens baut sich zwischen uns auf, bis seine Haltestelle angesagt wird. Ich beiße mir auf die Lippe. Ich weiß, dass ich ihm noch sagen werde, dass es mir Leid tut. Und ich weiß, dass ich kein "ist ok" lesen will und noch weniger da sitzen will, um zu sehen, dass er mir nicht antwortet. Überhaupt wäre es nicht gut, wenn ich mich über WhatsApp entschuldige.
Er steht auf. Ich starre weiter den Boden an, spüre seinen Blick auf mir. Als ich aufblicke, werde ich bestätigt. Er schaut mich abwartend an. Ich ertrage den Blick nicht und senke meinen Blick wieder, immer noch schweigend. Die Bahn hält an und er geht zur Tür.
"Julian?" Er dreht sich zu mir. "Tut mir Leid", sage ich leise und blicke wieder auf den Boden. Er sagt nichts und geht raus. Und ehrlich gesagt weiß ich noch immer nicht, wofür ich mich eigentlich entschuldigt habe.