Abwartend stehe ich am oberen Ende der Treppe und halte nach ihm Ausschau, ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus, als ich ihn sehen kann. "Morgen!", rufe ich und komme auf ihn zu. "Hey", lächelt er mich an, hebt mich wieder hoch und umarmt mich dann fest.
"Valle, nimm mal meine Hände", meint Paul und wedelt mit seinen Händen vor mir herum. Er läuft vor mir, während wir mit Antonia, Joel und Julian auf dem Weg zur Stadt sind, und hat seine Arme nach hinten ausgestreckt. Verwirrt fasse ich mit meinen Händen vorsichtig nach seinen, registriere wie warm sie sind und was für ein schönes Gefühl das ist, und werde im nächsten Moment in einem schnellen Tempo nach vorne gezogen. "Wooooah hey was machst du da?!", frage ich geschockt und versuche halbwegs mitzukommen, bis er plötzlich stehen bleibt. Ich kann es noch vermeiden in ihn hinein zu krachen, in dem ich an der Seite vorbeilaufe und er letztendlich nur noch meine rechte Hand in seiner hält. Er grinst mich an.
"Mayo schmeckt aber auch nur mit Pommes." - "Das stimmt", stimme ich ihm zu und nicke. Begeistert schaut Paul mich an und fragt: "Würdest du Burger mit Mayo essen?!" Ich muss lachen und erwidere: "Das Thema hatten wir schon mal, als wir zu Tim sind. Noch immer nicht, nein, das ist eklig. Mayo gehört zu Pommes und zu nichts anderem." Plötzlich finde ich mich in seinen Armen wieder. "Endlich ein vernünftiger Mensch! Ich dachte immer, ich wäre der einzige!" Breit grinse ich und erwidere die Umarmung, so weit es seitlich möglich ist.
Das Niveau des Gesprächs sinkt immer mehr und alles, was ich nur noch tun kann, ist den Kopf schütteln und grinsen. Neben mir ist Paul der Einzige, der noch normal zu sein scheint, und das scheint auch er zu denken, denn im nächsten Moment zieht er mich wieder an beiden Händen Meter weit nach vorne. Wir laufen nebeneinander und als ich ihn frage, was das gerade sollte, antwortet er: "Ich wollte dein und mein Niveau retten, bevor es zu spät ist."
Später, wir haben doch beschlossen den anderen nicht unsere Gesellschaft zu entziehen, legt er von hinten seine Arme um mich, während wir laufen. "Arme kleine Valle, du darfst dich bloß nicht von unserem Niveau herunterziehen lassen, ja?" Ich nicke nur und denke, dass heute der schönste Tag meines Lebens sein muss.
Als wir von der Schule zur Haltestelle laufen und an der Ampel warten, umarmt Paul mich auf einmal wieder. "Du bist irgendwie wie mein kleiner Bruder", meint er und ich runzle die Stirn. "Eh, danke", und gehe daraufhin beleidigt weg. Er kommt jedoch kurze Zeit später schon wieder und meint, ich sei wirklich wie er. "Auch so gut zum Knuddeln oder was?", kommentiert Joel. "Ja, genau! Warte, dann kann ich mich ja auch auf dich stützen!" Im nächsten Moment muss ich bereits sein ganzes Gewicht ertragen. "Oh, du fällst ja gar nicht um, du bist sehr stabil", stellt Paul fest und richtet sich wieder auf und grinst mich an.
Während ich weitergehe, unterhält Paul sich mit Joel, kommt jedoch schon am anderen Ende der Straße wieder auf mich zu. "Was ist bloß heute mit mir los? Ich will die ganze Zeit Valle knuddeln...", stellt er dann laut fest. Ich lache und meine: "Kannst du ruhig machen, mich stört das nicht." Im Gegenteil. "Nein, nein, nein, ich will ja nicht wie Julian werden!"
Pauls und Julians Haltestelle wird aufgerufen, ich verabschiede mich und umarme Julian. Dann stehe ich auf, lasse ihn in den Gang und warte ungeduldig darauf, dass Paul seinen Ranzen aufgesetzt hat, um ihn zu umarmen. "Tschüss", meine ich und breite meine Arme aus. Er zieht mich an sich und umarmt mich erst etwas vorsichtig, will sich lösen, zieht mich jedoch dann wieder zurück und umarmt mich nochmal länger und fester. Ich wünschte, er würde mich nie wieder loslassen.