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Sonntag, 4. Januar 2015

#52

Gespannt verfolgen wir die Uhr auf meinem Handy. Ich habe extra eine App mit Sekundenanzeige heruntergeladen, da mein Handy die genauste Uhrzeit hat. Lächelnd greife ich schon mal nach Pauls Hand und wir sehen uns einen Moment an.
Es ist 23:59 Uhr.
"Zehn...neun...acht...", zähle ich langsam runter und stecke das Handy bei sieben verbleibenden Sekunden des alten Jahres in meine Tasche und ein vorfreudiges Grinsen breitet sich auf unseren Gesichtern aus, als unsere Lippen sich zu einem letzten Kuss in diesem Jahr nähern. Es ist dunkel und ich kann sein Gesicht nur vage erkennen, aber ich sehe das Funkeln in seinen grün-blauen Augen trotzdem.
Das Feuerwerk fängt an, aber wir küssen uns noch einige Sekunden länger. "Frohes neues Jahr", flüstere ich ihm zu, als wir uns voneinander lösen und lächle ihn an. Er lehnt seine Stirn an meine und erwidert es. "Frohes neues Jahr." Ich hatte noch nie einen schöneren Abschluss oder einen wundervolleren Anfang eines Jahres als diesen.

Dienstag, 25. November 2014

#51

"Da bist du ja!", begrüßt Paul mich erfreut und ich grinse breit. "Jaa, wir haben noch mit unserer Lehrerin über unsere Zukunft geredet", erkläre ich und stelle meine Tasche neben ihm ab. Es ist die zweite große Pause und gerade hatte ich Latein. Unsere Lehrerin mag total verpeilt sein, etwas zu oft neben sich, aber sie ist trotzdem nett und ich glaube, sie mag unseren Kurs sehr. Sie hat uns ans Herz gelegt, bei ihrem Unterricht oft mitzumachen, um ihr die Chance zu geben, uns gute mündliche Noten zu geben, da es manchmal passiert, dass man kurz vor seinem Abi weiß, was man machen will - und dann feststellt, dass der NC dafür viel zu hoch ist. Aus Neugier hatte sie uns dann gefragt, was wir tun wollen und tja, so war ich in dem Gespräch einfach hängen geblieben.
"Find ich nicht gut", murmelt Paul und zieht mich zu sich, während er sein Gesicht in meinen Haaren vergräbt. Lächelnd lege ich meine Arme um ihn und atme seinen Geruch ein. "Das heißt, sie hat über dich geredet", kommentiert Tim in einem spöttischen Ton. "Das wiederum finde ich gut", lacht Paul und sein Griff um mich wird fester, während wir uns verliebt angrinsen. Ich kann ihm da nur zustimmen.

Dienstag, 11. November 2014

Blogaward 2 + 3

Die liebe Liesl und Novelist haben mir je einen Blogaward verliehen. Vielen Dank dafür, das freut mich unheimlich! :)

Die Regeln
- Verlinke die Person, die dich nominiert hat
- Beantworte die 11 Fragen
- Verleihe den Award an bis zu 11 Blogger und gib ihnen Bescheid
- Stelle selbst 11 Fragen

Liesls Fragen
1. Wie würdest du deine zukünftige Tochter nennen? - Ehm. Spontan würde ich sofort "Caitlin" sagen, weil ich den Namen schön finde. Aber das würde ich mir im Ernstfall natürlich genaustens überlegen. Aber gegen Caitlin spricht an sich nichts. Man kann einen niedlichen Spitznamen daraus machen, aber es ist so'n Name, der mit 30 nicht total blöd kommt, weil er so kindlich klingt... :D
2. Auf was freust du dich in der nächsten Woche? - Hm. Nächste Woche fiele mir nichts ein. Also nichts besonderes. Ich muss glaub ich keine Klausuren schreiben und hab vier Freistunden oder so, das ist ganz nett. Aber wenn ich das Wochenende noch mitzählen darf: Ich hab am Samstag ein Date mit Paul und wir gehen ins Theater! :3 (Ich musste es loswerden, sorry. :D)
3. Hast du die letzten 3 Küsse von der gleichen Person bekommen? - Ja. :)

5. Vermisst du die Zeit, wie sie vor 6 Monaten war? - Nöö. Da war ich noch so aufgeregt und unwissend, was Paul angeht. Wobei es vor 6 Monaten nicht mehr lange hin war. :p
6. Versteckst du deine wahren Gefühle? - Situationsabhängig.
7. Hast du jemals vorgegeben jemanden zu mögen, obwohl dies nicht der fall war? - Jap.
8. Was bedeutet für dich Glück? - Eine günstige Begebenheit und eine zufriedenstellende Situation.
9. Hast du es jemals bereut, jemanden deine Gefühle gezeigt zu haben? - Ich beneide die Menschen, die das nicht getan haben.
10. Denkst du das es für jede Person nur die eine wahre Liebe gibt, oder das es mehrere Personen gibt? - Hm. Dazu hab ich sogar mal n Text geschrieben. Ich glaube nicht an die wahre Liebe in Form einer Person, sondern in Form des Gefühls. Und das Gefühl kannst du meiner Meinung nach bei vielen Personen haben. Wenn einfach "die Chemie stimmt". Wahre Liebe muss nichts Romantisches sein, es kann auch eine tiefe Freundschaft sein. Finde ich. Aber die Frage ist ja auf das Romantische ausgelegt, also: die wahre Liebe kann ich durchaus bei mehreren Personen spüren, es gibt nicht nur eine. (Nebenbei finde ich den Gedanken zu gruselig. Einfach die Möglichkeit, dass man sich nie trifft oder der eine dem anderen zu früh wegstirbt...)
11. Bist du jetzt gerade glücklich? - In diesem Moment nicht wirklich. Zu stressig alles. Aber allgemein bin ich mit meiner aktuellen Lebenssituation glücklich, ja. Auch wenn mir das mit Julian zu schaffen macht, zugegeben.

Novelists Fragen
1. Bist du Rechts- oder Linkshänder? - Rechts. :) (aber meine Linkshänderschrift hat sich vom Kindergartenkind zum 4. Klässler hochgearbeitet! Ja, manchmal übe ich das aus Spaß. Außerdem musste ich das in der 8 ein paar Wochen lang machen, da meine rechte Hand nicht dazu fähig war.)
2. Wonach bist du süchtig? - Musik. Büchern. Paul. :3
3. Reich und unglücklich oder arm und glücklich? Und warum? - Davon ausgehend, dass das ein Zustand wäre, der sich dann nicht mehr ändern ließe...ich tendiere zu "arm und glücklich", weil mein "arm" sein mir wohl dann nichts mehr ausmacht. "Reich und unglücklich" bedeutet ja, dass ich trotz meines Reichtums nicht zufrieden bin.
4. Was war das romantischste was dir bisher passiert ist? - Oh eh. Weiß ich nicht. Ehrlich nicht... :D Ich hätte sonst darüber gebloggt :'D
5. Welcher Spruch bewegt dich? (Auch gerne mehrere Beispiele :) )
  • "You know you've read a good book when you turn the last page and feel a little as if you have lost a friend." (mir unbekannt, ist aus Tumblr)
  • "Wir sind jederzeit in der Lage, uns zu verändern und unserem besseren Ich näherzukommen." (Cassandra Clare: Clockwork Princess)
  • "If you want to learn what someone fears losing, watch what they photograph." (anonym, meine ich)
  • "Du glaubst, alle deine guten Taten seien nur Selbstbetrug." (Derek Landy: Skulduggery Pleasant - Duell der Dimensionen)
  •  "Airports see more sincere kisses than wedding halls. The walls of hospitals have heard more prayers than the walls of churches." (anonym, meine ich... :D)
  • "Dieses Argument fand ich schon immer total daneben - dass wir Leute brauchen, die arm sind, damit wir anderen nicht vergessen, dankbar zu sein. Das bedeutet doch im Grunde nur, dass irgendwer leiden muss, damit sich die anderen Leute besser fühlen. Was für eine selbstsüchtige Art, die Welt zu betrachten." (Josephine Angelini: Göttlich verliebt)
Mehr fallen mir spontan nicht ein. 
6. Was ist wichtiger: Lieben oder geliebt werden? Und warum? - Lieben, finde ich. Weil man die Liebe dann...naja, am eigenen Leib spürt. Man weiß genau, was Liebe ist, weil man es aus den eigenen Erfahrungen zieht. Außerdem finde ich persönlich die Vorstellung, unglücklich verliebt zu sein/jemanden zu lieben angenehmer, als die Vorstellung, dass jemand unglücklich in mich verliebt ist/mich liebt.
7. Dein Flugzeug stürzt ab: Wem schreibst du die letzte SMS? - Ich habe lange darüber nachgedacht. Meine Antwort ist folgende: Ich kann keine SMS schreiben, weil mein Handy auf Flugmodus ist. (Aber sollte ich es in der Absturzzeit schaffen dies zu ändern und doch noch smsen können, dann zuerst meiner Cousine und dann Paul. JA ich würde das schaffen an beide zu schreiben!)
8. Die beste nächtliche Aktion die dir je passiert ist? - Oh, das ist leicht zu beantworten, aber schwer zu erzählen. Naja, gut. Es ist ohne Zweifel eine Nacht, die ich mit meiner exbesten Freundin in einer Jugendherbergendusche verbracht habe. Es war Streitschlichterausbildung, wofür eine kleine Gruppe von Menschen, zu der wir gehörten, in eine Jugendherberge ging. Die letzte Nacht waren wir beide aufgedreht und wollten nicht schlafen, konnten es gar nicht. Zuerst haben wir auf meinem Bett UNO gespielt, bis unsere Mitbewohnerinnen genervt waren. Also zogen wir in die Dusche, die gerade groß genug war, dass wir drei Hocker hinstellen konnten, um zu sitzen und zu spielen. Nach einigen Stunden beschlossen wir, da zu übernachten. Mit einer Decke und zwei Kissen zogen wir also da ein. Es kam, wie es kommen musste: Sie stand auf, betätigte beim Aufschütteln des Kissens den Wasserhahn und bekam eine Ladung ab. Und tja, dann sind wir zu zweit in mein Bett gegangen, weil die eine Decke, ihre, ja nass war. Joa. Stumpf erzählt, aber egal.
9. Wenn du dein ganzes Leben nur noch ein Lied hören könntest, welches wäre es? - Ehm, gute Frage, nächste Frage. Ich hab keine Antwort dafür. Spontan hätte ich "Saying Goodbye" von Every Avenue genannt, einfach weil es eines der Lieder ist, die ich NIEEE überspringe, wenn es kommt...xD
10. Was würdest du an der Gesellschaft ändern wenn du könntest? - Die Intoleranz ^^
11. Glaubst du an Wunder? - Hm...ich weiß, dass ich gerne an Wunder glauben möchte, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich es tue, weswegen ich mal vermute, dass ich eher zu "nein" tendiere.

Meine Fragen
  1. Was ist dein größter Traum und warum?
  2. Mit wem bist du am längsten befreundet und was, glaubst du, hat euch so lange zusammengehalten bzw. euch nicht auseinander gerissen?
  3. Wofür wärst du gerne berühmt? Oder willst du es gar nicht sein? Warum?
  4. Würdest du gerne anders heißen? Warum? Wie?
  5. Wie flüchtest du vor der Realität?
  6. Was bedeutet Musik für dich?
  7. Schenkst du lieber oder bekommst du lieber Geschenke?
  8. Welcher ist dein Lieblingstag im Jahr und wieso?
  9. Wie ist dein Verhältnis zu deiner Familie?
  10. Wie stehst du zu Schule?
  11. Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
Ich tagge

Montag, 3. November 2014

#50

Ich biege in die vertraute Straße ein und lächle über die Erinnerungen, die dadurch in mir wachgerufen werden. Zielstrebig folge ich ihr und stehe schließlich vor der Haustür. Vage kann ich mich daran erinnern, dass sein Nachname recht weit unten steht und meine Augen suchen danach. Als ich den Knopf entdecke, betätige ich ihn und warte. Eigentlich bin ich mir fast sicher, dass seine Eltern erstmal über die Sprechanlage fragen werden, wer da sei, aber stattdessen ertönt nur der Summer und ich drücke erstaunt die Tür auf. Ich folge dem Flur und dann sehe ich Nico schon in der Tür stehen. Sein Blick ist überrascht, als er mich sieht, doch dann wandelt er sich in einen skeptischen um. Ich kann es ihm vom Gesicht ablesen, dass er denkt "Was will sie schon wieder hier?". Ein breites Grinsen ziert meine Lippen, als ich fröhlich auf ihn zugehe und meine: "Wie schön, dass du mir direkt aufmachst!"
Als ich vor ihm stehe, lächle ich ihn an. "Ich bin hier, weil ich dir was vorbei bringen wollte."
"Was denn?", fragt er und schaut mich interessiert an. Ich krame in meiner Tasche, bis meine Hände eine rote Karte finden, die ich ihm entgegen strecke. "Hier, für dich, die ist übrig geblieben."
Erstaunt nimmt er es entgegen und begutachtet es. Es ist eine Freikarte für eine frei zu wählende Attraktion der Kirmes, die momentan in seinem Stadtteil stattfindet und von der ich gerade gekommen bin. "Wo kriegt man denn sowas her?", fragt er neugierig. "Ach, eine Freundin von mir hat die von einer Freundin ihrer Mutter bekommen. Aber die eine Freundin, für die die Karte war, ist dann doch nicht gekommen und wir wollten die nicht benutzen, weil das ja unfair wäre, also hab ich gesagt, ich hätte einen Freund, dem ich sie schenken könnte", erkläre ich ihm und lächle ihn an. Bei dem letzten Teil des Satzes, breitet sich auf einmal ein riesiges Lächeln auf seinem Gesicht aus, was unwillkürlich Freude in mir hervorruft. "Danke!", grinst er. "Kein Problem", erwidere ich. "Ich geh dann mal. Tschüss!" Schnell umarme ich ihn noch fest und dann drehe ich mich um und verlasse das Gebäude. Dabei muss ich wieder zurückdenken. Es ist auf den Tag 3 Jahre her, dass ich mit ihm auf der besagten Kirmes war und er mir vom Riesenrad aus zeigte, wo sein Haus sei. Damals haben meine Cousine und ich es dazu missbraucht, um ihn ein bisschen zu ärgern und zuhause aufzusuchen. Heute habe ich es genutzt, um ihm eine kleine Freude zu machen und ein Geschenk vorbeizubringen. Ich kann nicht anders, als über diesen Wandel zu lächeln, denn unsere Freundschaft ist in den 3 Jahren so viel besser und wichtiger geworden. Wie die Zeiten sich doch ändern.

Sonntag, 2. November 2014

#49

Es ist Sportunterricht und unser Thema ist Hochsprung. Gerade ist der Kurs dabei, zwei Anlagen aufzubauen. Jemand tippt mich an der Schulter an und ich drehe mich fragend um. Plötzlich finde ich mich in einer vertrauten Umarmung wieder. "Was soll das, Julian?", frage ich kühl und schaue ihn abschätzend an. "Ich umarme dich, weil heute Halloween ist!" Ich runzle die Stirn und drücke ihn von mir weg, während ich "Geh weg" knurre. Neben mir erkenne ich Paul, aber ich drehe mich von den beiden weg und gehe. Was bildet er sich ein? Er kann nicht tagelang nicht mit mir reden und mich ignorieren, nachdem wir uns heftig gestritten haben, um mich jetzt zu umarmen, als ob nie etwas passiert wäre. Als ob er nie gesagt hätte, dass ich eine furchtbare beste Freundin wäre. Als ob wir uns nie gesagt hätten, dass wir genug haben.
"Hey, was wollte Julian von dir?", fragt Verena mich und eilt mir hinterher. "Er hat mich umarmt, weil Halloween ist", antworte ich, immer noch aufgebracht über sein Verhalten. Ich hasse es, wenn Leute das tun. War es denn zu viel verlangt, dass er sich entschuldigt? Oder wenigstens sagt, dass er keinen Streit will? Er ist schließlich Schuld daran.
Sie zieht eine Augenbraue hoch und erwidert: "Nicht wirklich?" Ich rege mich nur noch mehr über ihn auf und Verena stimmt mir dabei zu, sie findet, dass es in Ordnung ist, wie ich mich verhalten habe. Ich rede mir ein, dass ich es lieber so habe, weil ich ihn nicht brauche. Aber eine kleine Stimme in mir wünscht sich, dass ich die Umarmung wenigstens ein paar Sekunden länger zugelassen hätte. Und ich kann nicht anders, als ihr irgendwie Recht zu geben.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

#48

"Peter kannste fragen, Paul hab ich natürlich nix dagegen, aber er meint, der geht eh nicht wirklich auf irgendwas, da macht das keinen Unterschied und Julian könnt IHR fragen, ICH mach das sicher nicht", sage ich zu Maike. Mir ist bewusst, dass er nur ein paar Meter weiter entfernt steht, aber es ist mir egal.
"Was ist denn los mit euch?", fragt sie mich und schaut mich besorgt an. "Doch nicht immer noch die gleiche Sache?", will Verena wissen. Ich werfe einen schnellen Blick zur Seite und sehe dann wieder die beiden an. "Doch. Immer noch wegen seiner neuen Freundin", erwidere ich dann knapp.
Zehn Minuten später verschwinden Paul, Julian und Danny schließlich, um sich etwas zu essen zu kaufen. Kaum, als sie weg sind, platze ich heraus: "Er ist ein solcher Idiot."
"Was ist denn passiert?"
"Naja, es ist wegen seiner neuen Freundin. Er hat mir vorgeworfen, ich wäre eine schlechte beste Freundin, weil ich keine Anstalten mache, sie kennenzulernen."
Verena zieht skeptisch eine Augenbraue hoch, während Maike mich aufmerksam ansieht.
"Dabei ist das Schwachsinn! Als das Date war, habe ich ihn total ausgefragt. Mit wem er da war, was sie gemacht haben, wie es lief...ihr wisst schon, wie man das halt so tut", erzähle ich und mit jedem Wort, das aus mir rausfließt, kommt meine Wut von letzter Nacht zurück. "Aber er hat mich angeschnauzt, dass ich total unaufmerksam bin, weil es ja so offensichtlich ist!" Nur mit Mühe halte ich mich davon ab, in der Gegend herumzuschreien und balle meine Hände zu Fäusten. Ich habe mich noch nie so ungerecht behandelt gefühlt.
"Und wisst ihr noch, wie ich vor ein paar Tagen da zu denen gegangen bin? Ich hab ja gefragt, wer das alles so ist. Er hat sie vorgestellt. Aber die haben mir nicht mal "Hallo" gesagt."
"Ja, ich erinnere mich, das ist echt so", meint Verena und schaut mich schon stirnrunzelnd an.
"Und dann am Montag! Das habt ihr ja mitbekommen. Ich bin da wieder hingegangen. Aber die haben mich einfach nur angestarrt, als wäre ich ein Alien oder so! Man, warum muss denn alles von mir ausgehen?!" Ich werfe meine Arme nach oben und starre einen Moment lang fuchsteufelswild die Decke an. "Sie hätte auch hallo sagen können! Oder er hätte uns einander vorstellen können, wenn wir da schon stehen! Aber neeein, natürlich muss es von mir ausgehen und wenn nicht, dann bin ich die behinderte!"
Maike und Verena schütteln nur den Kopf und stimmen mir zu, auch sie finden, dass ich völlig im Recht bin und es tut so gut, dass sie der gleichen Meinung sind. Denn dieses eine Mal bin ich das wirklich. Es mag sein, dass ich bei seiner Ex nie im Recht war und mich unfairerweise quergestellt habe, das habe ich immer gewusst, aber genau deswegen wollte ich es doch jetzt besser machen. Es tut nur weh zu wissen, dass er das nicht so sieht. Ich bin ja ein dreistes Mädchen, das immer alle Leute, die nicht in meinem Freundeskreis sind, herablassend behandelt statt nett und freundlich zu sein. Letzte Nacht haben wir uns so heftig deswegen gestritten und natürlich hat er nicht nachgegeben, aber dieses Mal war auch ich nicht dazu bereit. Paul sagt, wegen einem Streit muss man nicht gleich die ganze Freundschaft aufgeben. Aber ich glaube - und Julian auch, wie ich vermute - nicht daran, dass sich das hier wieder einrenkt. Mein Gefühl sagt mir das. Und vielleicht stimmt es ja, dass man keine beste Freundin oder einen besten Freund braucht. Nach so vielen Jahren glaube ich, diese Erkenntnis auch gewonnen zu haben.

Sonntag, 19. Oktober 2014

#47

"Mich hat mal so ein komischer Mensch angeschrieben, der hatte so ein richtig eigenartiges Profilbild und hat so seltsame Sachen geschrieben", erzählt Laura und wir schauen sie besorgt an. "Ich hab ihn dann aber einfach geblockt." "Na dann ist ja gut", grinse ich. "Mich hat noch nie jemand Komisches angeschrieben. Der komischste Mensch, der mich angeschrieben hat, war Nico." Lachen erfüllt unsere kleine Gruppe und Nico, der bis gerade eben etwas hinten gegangen ist und jemandem geschrieben hat, meint empört: "Hey! Ich bin noch da!" Ich drehe mich zu ihm um und zwinkere ihm grinsend zu.

Wir stehen bei Nico im Flur und die anderen ziehen sich gerade an. Ich stehe an der Wand und betrachte die Kinderfotos von ihm. "Du warst ja ein so süßes Kind", ziehe ich ihn auf und er verdreht die Augen. "Warte nur, wenn ich das nächste Mal bei dir bin, ärger ich dich auch mit deinen Kinderfotos!" "Wer sagt, dass ich dich in mein Haus lasse?", erwidere ich nur frech. "Raus", antwortet Nico nur und zeigt auf die Tür. Wir lachen. Lächelnd lasse ich meinen Blick über ihn, Daan, Yana und Laura gleiten. Mein Gott, ich kenne diese Menschen schon vier Jahre lang und es ist so schön, sie endlich mal getroffen zu haben. Und Nico mal wieder getroffen zu haben. Ist es zu fassen, dass wir uns vier Jahre kennen, seit zwei Jahren in der gleichen Stadt leben und uns trotzdem so selten sehen? Erst gestern meinte ich zu ihm, dass wir das ändern müssten. Es war schon unglaublich, aber ich schätze, man gewöhnt sich bei Internetfreunden einfach daran, eine Freundschaft durch das Internet aufrechtzuerhalten. Trotz meines Umzugs, der nun schon über zwei Jahre zurücklag, hatte ich mich nie so wirklich an die Tatsache gewöhnt, dass wir so nah beieinander wohnen.
Wir verabschieden uns voneinander, als letztes stehe ich noch in der Tür, die anderen müssen ihre Bahn erwischen. "Tschüss", meine ich dann, lächle ihn glücklich an und umarme ihn fest. Er scheint etwas überrascht zu sein, drückt mich aber ebenfalls. "Tschüss." Während wir kurz so verharren, blitzt der Tag nochmal vor mir auf und mein Lächeln wird breiter. Wie sehr ich diese Menschen doch liebe. "Und wir müssen uns wirklich öfter treffen, okay?", sage ich noch zum Abschied und schaue ihm ernst ins Gesicht. "Jaja", antwortet er nur, lächelt aber. "Bis bald!", rufe ich fröhlich und drehe mich dann auch um, um zu gehen.