Mittwoch, 2. September 2015
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Ich dachte, ich hätte es herausgefunden. Aber jetzt ist alles auf den Kopf gestellt und ich fühle mich in der Zeit zurückversetzt. All der Fortschritt, den ich zu machen glaubte, scheint verschwunden zu sein. Hatte ich nicht gedacht, langsam mit mir klarzukommen? Mit dem Wesen, das ich bin? Wieso fühle ich mich so unwohl, wenn ich an all das denke, was in mir drin steckt?
Es ist so dunkel. Böse. Schlecht.
Ich bin ein schlechter Mensch.
Es ist kaum zu bändigen, dieses Monster in mir, das keine Rücksicht oder Freundlichkeit kennt. Nur sich selbst im Blick hat. Ich dachte, ich käme damit klar. Man ist halt wie man ist. Menschen sind wie sie sind. Aber sie können sich auch ändern, oder? Das dachte ich.
Aber vielleicht ist das ja zu fest verankert. Vielleicht kann ich mich nicht ändern. Manchmal fühle ich mich gar nicht mehr menschlich, aber manchmal tut es auch so weh, dass ich weiß, dass ich es wohl doch sein muss.
Wieso kann ich nicht der liebenswerte Mensch sein, den manche in mir zu sehen scheinen?
Sonntag, 28. Juni 2015
#61
"Ihh", macht Maike und hält sich die Augen zu, lacht dabei aber.
"Neidisch?", fragt Paul und schaut sie herausfordernd an.
"Nö, ich könnte das auch haben, wenn ich wollte!", erwidert sie ganz selbstsicher.
Ich schmunzle. "Na hoffentlich meinst du nicht mit mir oder Paul."
"Nein, ihr beide seid unzertrennlich."
Freitag, 5. Juni 2015
#60
"Du bist jetzt kawaii Anime-Valle."
Blinzelnd sehe ich die beiden abwechselnd an. "Ja, schau dich an, du hast einen Schlafanzug an, so eine große Jacke und ein Kissen in der Hand. Es fehlt nur noch der Toast, den du in der Hand hältst, während du zu spät bist. Du musst am Freitag zu spät kommen, mit einem Toast in der Hand, okay?!"
"...ich hab einen 20 Minuten Autoweg bis zur Schule."
"JAA vom Auto bis zum Hauptgebäude!"
"...wir halten direkt vor dem Haupteingang."
"Wenigstens zum Auto!"
"Unser Auto steht direkt vor der Haustür."
Antonia verdreht die Augen, während ich sie breit angrinse.
Mittwoch, 6. Mai 2015
#59
"Wo ist meine Brille? Am anderen Ende, oder?", frage ich und fahre mir mit der Bürste durch die Haare. "Ja", antwortet er.
Es vergehen einige Sekunden, dann höre ich ihn näher kommen, gefolgt von seiner Stimme, die mit einem Mal ganz förmlich klingt: "Guten Tag."
"Nimm meine Brille ab, Paul", erwidere ich nur, ohne mich umzudrehen oder meine Tätigkeit zu unterbrechen.
"WOHER WUSSTEST DU DAS?", ruft er völlig überrascht aus und ich grinse nur, während ich mich schließlich doch umdrehe. Meine Brille hält er mittlerweile in der Hand und reicht sie mir daraufhin. "Tja, ich bin halt gut", lache ich.
"Nein, ernsthaft!" Sein Gesicht ist einfach unbezahlbar. Mein Grinsen wird breiter. "Ich kenn dich halt."
Mittwoch, 29. April 2015
#58
"Ich fürchte, unsere nächsten Fotos werden einfach die Hochzeitsfotos sein", grinst er und entfernt sich dabei von mir, um etwas in den Müll zu werfen. Ich lache und kann ein breites Lächeln nicht unterdrücken. Ja, vielleicht, aber es werden dann wohl auch die glücklichsten Fotos von mir sein, die es je geben wird.
Samstag, 25. April 2015
#57
"Tut mir leid", flüstere ich unter Tränen. Tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid. Dass ich mich so querstelle, dass ich so unmöglich bin, dass ich mich so eifersüchtig aufführe, dass ich so bin wie ich bin. Meine Stimme bricht und ich habe das Gefühl zu ersticken. Ich möchte mich an ihn krallen und in seinen Armen liegen, bis der Schmerz vorübergeht, bis der Hass gegen mich selbst nicht mehr so sticht, bis sich die Welt wieder ertragbar anfühlt, aber ich verdiene das nicht. "Wag es nicht, dich dafür zu entschuldigen", erwidert Paul nur und zieht mich an sich, aber ich verdecke mein Gesicht nur mit meinen Händen und kann nicht aufhören zu weinen, obwohl es nicht hilft, obwohl ich nur weniger Luft zum Atmen habe und der Schmerz nicht aufhört. Plötzlich fühlt es sich so selbstverständlich an, dass das hier irgendwann mal aufhört, weil ich es kaputt machen werde. So wie ich alles andere in meinem Leben kaputt mache. Wie sollte diese Beziehung halten, wenn ich dieses Monster in mir nicht unter Kontrolle bringen kann? Und ich kann es nicht, ich kann es nicht.
"Ich mache alles kaputt", bringe ich dann hervor, wobei man wahrscheinlich ohnehin nichts versteht. Aber er scheint es zu tun. "Hör zu. Niemand wird das hier kaputt machen. Nicht du, nicht ich und auch niemand anderes. Keiner macht uns das kaputt, okay?" Und ich möchte "okay" antworten, aber nichts in mir fühlt sich dazu in der Lage, das zu glauben. Nicht solange dieser Dämon in mir wütet und mich so furchtbar sein lässt, wie ich wohl in Wahrheit bin.