Ich schlendere allein durch die Stadt. Heute morgen sind wir von Mallorca zurückgekommen, aber weil meine Brille einen leichten Schaden hat und ich noch Pauls Geburtstagsgeschenk vervollständigen muss, bin ich dann mittags los, um alles zu erledigen. Gerade stehe ich einfach so im Claires, ein Laden mit lauter Mädchenkrimskrams. Armbänder, Haarreifen, Haargummis...und Ketten. Mein Auge fällt auf die Ketten, die im Zweierpack verkauft werden. In allen möglichen Variationen sind es zweigeteilte Herzen mit der Aufschrift "best friends", deren Hälften je an einer Kette hängen und die man nicht nur aneinander halten kann, sondern die auch noch durch einen Magneten dann zusammengehalten werden. Ohne ersichtlichen Grund beäuge ich jede dieser Ketten und betrachte sie, füge sie zu einem ganzen Herzen zusammen, bis mir plötzlich etwas Ungewöhnliches in die Hände fällt.
Wieder ein Herz, wieder die Aufschrift "best friends", aber diesmal nicht zwei, sondern tatsächlich drei Teile. Links und rechts ist kleiner als die anderen, dafür gibt es eben dieses Mittelteil des Herzens, das ebenfalls extra an einer Kette hängt. Ich betrachte die Teile und füge sie zusammen, weiß gar nicht wieso ich die ganze Zeit darauf starre, aber es kommt auf einmal eine Trauer in mir hoch, die ich mir nicht erklären kann.
Die hätten wir früher benutzen können, muss ich dann plötzlich denken. Abgesehen davon, dass weder Natalie noch Esther oder ich sowas Kitschiges getragen hätten. Aber es ist das erste Mal, dass ich so eine Kette sehe und es macht mich traurig, dass die Zeiten vorbei sind, in denen sie mir theoretisch hätte nützlich werden können. Weil nichts mehr so ist wie es mal war und ich weiß, dass es nie wieder so sein wird. Ich führe kaum eine wirkliche Freundschaft zu Natalie oder Esther, dabei sind die beiden wirklich einmal meine besten Freundinnen gewesen, mit denen ich alles hatte teilen können. Diesen Mittwoch kommen sie mich besuchen und bleiben bis Freitag. Erst im Mai haben wir uns gesehen, als ich in der Heimat war, einen Nachmittag lang mit anderen alten Freunden. Da ist mir klar geworden, wie sehr sich alles verändert hat, obwohl ich es ja gewusst hatte. Aber es ist etwas ganz anderes, sich anzuhören was alles anders ist. Dass eigentlich fast nichts mehr so ist, wie es mal war und zu realisieren, dass man nichts davon mitbekommen hat. Das Leben der anderen ist weitergegangen, so wie meins einfach stetig vorangeschritten ist, weil es ohne die anderen ging. So wie es ohne mich ging. So richtig zusammenpassen wollten wir auch nicht mehr, obwohl etwas von der alten Freundschaft, die mich einst mit ihnen verbunden hatte, zu spüren war. Nur dass sie eben nicht mehr zu uns gehörte und alles anders war und nie wieder so sein würde, wie es mal gewesen war.
Ich würde dir die Fortsetzung gerne verraten, aber es gibt keine :D Zumindest weiß ich noch keine :D
AntwortenLöschenDas Gefühl das du beschreibst kenne ich gut. Es passt noch, aber trotzdem passt es ganz und gar nicht mehr zusammen. Meistens weiß man im Innersten schon, dass man loslassen sollte und muss, aber es ist so schwierig. Die alten Zeiten waren einfach zu schön.
AntwortenLöschen