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Dienstag, 30. August 2016

#71

"Kann ich dich mal was fragen?" Ich schaue Esther direkt ins Gesicht und sie sieht mich fragend an. "Klar, was ist denn?" Für diesen Moment musste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen, aber jetzt habe ich ihn und deswegen kommt mir die Frage leichter über die Lippen, als ich selbst erwartet habe.
"Damals, als wir...nicht miteinander geredet haben. Als du...die Freundschaft beendet hast", setze ich an, doch ich bekomme als Reaktion nur eine verwirrte Miene. "Naja, wo wir noch geskypet hatten und das dann nicht mehr getan haben", füge ich hinzu.
"Du, ich glaub in der Zeit hatte ich generell kaum Zeit für sowas", meint sie dann abwehrend.
"Nein, aber darum geht's ja gar nicht. Ich meine, du warst sauer auf mich und du hast gesagt...du hast gesagt, du hast dir in unserer Freundschaft genug gefallen lassen und dann die Freundschaft beendet", werfe ich dann ein, doch sie schaut mich nur irritierter an.
"Ich kann mich echt nicht daran erinnern, sorry", meint sie dann und ich weiß für einen Moment nicht, was ich tun soll. All die Jahre hat es immer etwas an mir genagt, dass sie mich einfach sitzen gelassen hat und selbst als sie sich entschuldigt hatte, wollte sie mir den Grund ja immer noch nicht sagen, weil es ihr zu unangenehm war und ich hab gesagt, das wäre okay, aber das war es nicht. Das ist fast wie wenn man betrogen wird - man fragt sich einfach immer im Hinterkopf, was los gewesen ist, was der Grund war und hofft, eines Tages die Antwort zu finden. Nur scheint mir das jetzt wohl nicht gegönnt zu sein und weil es der letzte Tag ist und sie in ein paar Stunden abfahren und es mir sowieso sinnlos erscheint, setze ich ein Lächeln auf und lache.
"Na danke, also werde ich den Grund dafür nie erfahren?"
"Scheint mir so", erwidert sie und grinst verlegen und ich erwidere es, um danach das Thema zu wechseln, weil es ja doch nichts bringt, auf diesem weiter nachzuhaken.

1 Kommentar:

  1. Ich danke dir, deine Worte haben mir wirklich gut getan und ich bin dankbar dafür, das du diesen Post mit Gänsehaut schätzt.
    Diese Worte waren so ehrlich von mir und ihm, das es weh tat sie zu schreiben, aber es hat mir wirklich geholfen es so zu verarbeiten. Dieser Mensch ist etwas besonderes und ich lasse ihn gehen, weil wir beide nur durch den Schmerz verbunden sind.
    Zu deiner Freundin.. Es tut weh wenn Menschen die einem wichtig sind nicht ehrlich sind und ich kann dich gut verstehen. Vielleicht gibst du ihr noch ein wenig Zeit? Für unangenehme Dinge brauch man Zeit.
    Ich denke an dich.

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