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Mittwoch, 26. Februar 2014

#23

"Hey, warte, Paul! Wo willst du hin?", ich greife nach seiner Hand und er erwidert den Druck, läuft jedoch unbeirrt weiter. Da das unerwartet kommt, stolpere ich leicht und unsere Hände lösen sich. Ich eile ihm hinterher und versuche noch einmal, seine Hand zu erwischen und diesmal gelingt es mir, ihn sogar festzuhalten. Zu meinem Erstaunen hält er meine Hand sogar einige Sekunden lang kurz fest und das Gefühl ist so unbeschreiblich schön für mich, aber dann lässt er wieder los. Ich unterdrücke einen enttäuschten Seufzer. "Na komm, Verena", rufe ich nach hinten und wir drei überqueren die Straße und schlendern über die Brücke.

"Hallo, Mama, die Bahnen fallen schon wieder aus, wir laufen grade über die Brücke und gucken, wie weit wir kommen, bis die Bahnen wieder fahren", sagt Paul in sein Handy hinein. "Und wenn wir es bis nach Poll schaffen, muss sie mit einem Gast rechnen!", rufe ich laut und grinse ihn an. Er verdreht die Augen, kann ein Grinsen jedoch nicht unterdrücken und gibt es an seine Mutter weiter. Sie unterhalten sich kurz, dann legt er auf. "Sie meinte, sie macht gerade Pfannkuchen und macht jetzt einfach etwas mehr."

"Ach Paul, sei nicht so deprimiert drauf. Du bist gleich zuhause, kannst Pfannkuchen essen UND hast sogar eine Extraportion!", lache ich und schaue ihn an. Er erwidert den Blick, lächelt sogar leicht, aber ist offensichtlich noch immer etwas müde und motivationslos. Die Bahn ändert ihre Geschwindigkeit und ich stolpere ein paar Schritte nach hinten, innerhalb der letzten fünf Minuten zum gefühlten hundertsten Mal schon. "Und wahrscheinlich liefere ich dir gleich einen weiteren Grund, fröhlich zu sein, weil ich bestimmt gleich hinfliege", meine ich dann schmunzelnd. "Aber das ist doch kein Grund, gut gelaunt zu sein", widerspricht Paul mir schon fast vorwurfsvoll und sieht mich an. Ich runzle die Stirn und erwidere: "Naja, eigentlich schon, es sieht sicher lustig aus, wenn ich auf dem Boden lande." "Ich find das aber nicht gut", antwortet Paul und schaut mir direkt in die Augen, mit einem Blick, den ich nicht definieren kann, aber der mich in den Bann zieht und mich berührt. Ich kann nicht anders, als ihn einfach nur glücklich anzulächeln, und er erwidert es. Und vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber vielleicht ist bei dem Lächeln sogar ein kleines Strahlen in seinen Augen zu sehen, jedenfalls wirkt er besser gelaunt als vorher. Oh Gott, ich bin so in diesen Jungen verliebt.


Dienstag, 25. Februar 2014

Blogaward 1

Die liebe Novelist hat mir den Liebsten-Award verliehen! :) Nochmal vielen lieben Dank dafür, das hat mich unheimlich gefreut!

Die Regeln
  1. Verlinke die Person, die dir den Blogaward verliehen hat
  2. Beantworte die Fragen
  3. Stelle selber 11 Fragen an 11 neue Gewinner mit weniger als 200 Lesern
  4. Sage ihnen bescheid 
Ihre Fragen

1. Für welche Eigenschaft(en) bewunderst du andere Menschen?
- Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und Selbstlosigkeit.
2. Was hast du als letztes geträumt?
- Oh das wusste ich vor ein paar Stunden noch...ich hab immer so ein kleines Problem, was Träume angeht haha. Hm, es fällt mir nicht mehr ein. Der von gestern Nacht oder vorgestern Nacht handelte aber von meiner ersten Autofahrt, aber irgendwie hatte das Auto keine Türen. xD
3. Wenn es jemandem schlecht geht, könnte er/sie jeder Zeit zu dir kommen und mit dir über seine Probleme reden?
- Ich wollte zuerst nur felsenfest "ja" antworten, aber ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob das für jeden zutrifft. Für Freunde auf jeden Fall. Wenn es jemand ist, den ich gar nicht kenne, weiß ich nicht Recht. Wenn es jemand ist, den ich nicht leiden kann, wüsste ich es auch nicht sicher und ich tendiere eher zu nein. Wenn es jemand ist, den ich gerade kennen gelernt habe, ja. Das gilt jetzt nur für Leute aus dem "realen" Leben. Im Internet bin ich da irgendwie freier, da kann mich eigentlich jeder kontaktieren von den gerade genannten Fällen, außer ich mag die Person nicht. Dann - und das geb ich ganz ehrlich zu - kann mich die Person mal und ich will nichts mir ihr zu tun haben, mich interessiert es dann auch herzlich wenig, wenn sie ein Problem hat.
4. Wie willst du sein/ was willst du erreicht haben, wenn du alt bist?
- Ich möchte gerne jemand sein, der auf sein Leben zurückblicken kann und sagen kann, dass es eigentlich wunderschön war und dass er es genossen hat. Und ich möchte gern mindestens ein Buch geschrieben haben, dass Menschen berührt und inspiriert, wie meine Lieblingsbücher mich berühren und inspirieren. Das ist eigentlich mein größter Lebenstraum, glaube ich.
Oh und ich möchte gerne, und das klingt jetzt unglaublich kitschig und unrealistisch und naiv, aber ich möchte gerne mit Paul verheiratet sein und alles. Ich kann mir zurzeit gar nicht vorstellen, dass je jemand anderes als er meine Gedanken so beherrscht und ich möchte das gar nicht.
5. Du liegst am Strand in der Sonne und hörst das Meer rauschen. Woran denkst du?
- Wie unglaublich heiß es ist... :D Ich hasse Strand und Sonne. Aber sonst an Ruhe und Frieden und vermutlich auch an Paul.
6. Welchem Menschen in deinem Leben würdest du eine Portion Glück schenken, wenn du könntest, und warum?
- Julian. Ganz, ganz viel Glück mit einem überwältigenden glücklich-sein-Gefühl. Weil ich es unglaublich unfair finde, dass ihm so viel Leid zugefahren ist und ich mir sehnlichst wünsche, dass er glücklich sein kann. Deswegen bin ich jedes Mal aufs Neue unglaublich enttäuscht von mir, wenn ich ihm wehtue. Er verdient es nicht, nicht glücklich zu sein.
7. Was kann man mit Worten nicht beschreiben?
- Die Magie zwischen zwei Menschen. Sowohl positive, als auch negative.
8. Wovor hast du am meisten Angst?
- Ich glaube, ich habe am meisten Angst vor der Bindung zu einem Menschen. Vielleicht auch, von einem Menschen verraten oder verletzt zu werden. Aber wahrscheinlich hängt das auch einfach zusammen.
9. Was ist der schlechteste Film aller Zeiten?
- Twilight. Jedenfalls im Nachhinein, ich gebe zu, dass ich auch einmal ein Fan dieser Bücher und auch Filme war.
10. Welche Wörter benutzt du ständig?
- Lustig, darüber hab ich erst letztens nachgedacht :D Ich sage unheimlich oft "extremst" und zwar genau so, auch wenn ich weiß, dass es "extrem" heißt. Und ich sage oft "ne" bzw. "gell". Mehr fallen mir nicht ein, sicher könnten andere das besser beantworten.
11.Was willst du deinen Lesern noch sagen?
- Ich möchte mich bedanken. Dafür, dass ihr meinen Blog lest. Dafür, dass ihr euch für mich und meinen Blog interessiert. Dafür, dass ihr da seid. Ich bin wirklich dankbar dafür. Und auch wenn ich hier nicht selten über mein Leben jammere, solltet ihr wissen, dass ich auch hier bin, um zuzuhören. :)

Und hier noch Gladys' Fragen und meine Antworten:

1) Welches Talent würdest du gern haben?
- Hm. Ich hab mir oft in meinem Leben gewünscht, zeichnen zu können. So wirklich richtig, wie es einige meiner Freunde können. Oder eine wirklich begabte Pianistin zu sein. Ich glaube, ich habe mir sogar mal gewünscht, in einer Sportart überdurchschnittlich zu sein. Aber wenn ich mich auf eines festlegen muss, dann hätte ich gerne ein überdurchschnittliches analytisches Talent. Ich gebe zu, dass meine Fähigkeit zu analysieren nicht von schlechten Eltern ist, aber ich fände es unheimlich cool, wenn ich wirklich, wirklich gut darin wäre. :D
2) Was ist dein Lieblingsmonat, und warum?
- Dezember, weil da Silvester ist.
3) Was stört dich momentan am meisten?
- Ich weiß nicht, einerseits meine eigene Unfähigkeit etwas mit Paul auf die Beine zu stellen und es einmal in meinem Leben zu schaffen, über meinen Schatten zu springen bei solchen Herzensangelegenheiten, und auf der anderen Seite...die Schule und den Berg an Aufsätzen, den ich bewältigen muss. :'D
4) Wer gibt dir die meiste Kraft?
- Meine Cousine, glaube ich. Ich glaube, wenn Julian das hier lesen würde, was ich um Gottes Willen nicht hoffe :D, dann hätte er jetzt seinen Namen hier erwartet. Und so sehr ich ihn auch lieb habe und so viel er mir auch bedeutet, muss ich trotzdem hier ausführen, dass meine Cousine mir praktisch seit meiner Geburt einen konstanten Halt gibt und ich von ihr meine meiste Kraft erhalte, egal ob ich bei manchen Sachen lieber mit Julian darüber rede.
5) Wo befindet sich dein Lieblingsplatz?
- Oh je, die Frage macht mich nostalgisch. Mein Lieblingsplatz ist in meiner alten Stadt, ein schöner kleiner Park mit einem wunderschönen Brunnen. Auf meinem alten Blog findet sich sogar ein Post darüber, als ich mit Isabel einmal dort war. Ich liebe es dort. Ich liebe diese Stadt. Und ich vermisse das alles so...
6) Das schlimmste Lied, das du je gehört hast?
- Eh, darauf weiß ich ehrlich gesagt keine Antwort, Entschuldigung.
7) Und das beste?
- Was das angeht, kann ich mich nicht festlegen. Aber ich kann nur wärmstens die Lieder von All Time Low empfehlen, ich liebe diese Band.
8) Würdest du dich als kreativ bezeichnen, und wenn ja, wie äußert sich diese Eigenschaft bei dir?
- Ja, schon. Ich schreibe. Ich meine jetzt nicht diesen Blog, sondern Geschichten. Meine Freunde fragen mich immer nach meinem "Buch", aber ich finde, das ist nicht die richtige Bezeichnung, weil ich nicht ganz bewusst plane, es zu veröffentlichen. Ich ziehe es nur in Erwägung. Deswegen sage ich immer meine "Geschichte". Und ich schreibe oft Kurzgeschichten, die fallen mir relativ leicht. Auch, wenn ich jetzt nicht so viele habe, jedenfalls nicht viele abgeschlossene.
9) Was ist deine schönste Erinnerung an das letzte Jahr?
- Ich schwanke zwischen dem Tag, als Julian und ich erkannt haben, dass wir beste Freunde sind und dem Nachmittag mit Paul.
10) Was möchtest du 2014 unbedingt unternehmen/erledigen?
- Ich möchte mit meiner Cousine schwarzminigolfen und wir beide werden auf zwei Konzerte gehen, wobei letzteres natürlich feststeht mit Tickets etc. Hm, ich möchte ehrlich gesagt unbedingt mit Paul zusammen kommen, aber ich weiß nicht, ob sich das erfüllen lassen wird. Ah! Und ich möchte, wirklich ganz ganz dringend, meine alten Freunde in meiner alten Stadt besuchen für eine Woche oder so. Ich vermisse sie und die Stadt so schrecklich.
11) Was solltest du eigentlich tun, anstatt diese Fragen zu beantworten?
- Latein- und Biohausaufgaben und meinen Praktikumsbericht schreiben... :D

Meine Fragen
  1. Wann warst du das letzte Mal verliebt und was hat/te diese Person wohl an sich, dass es dazu kam?
  2. Erzähl mir von dem schönsten Moment der letzten vergangenen 30 Tage.
  3. Nimm das Buch, das am nächsten von dir ist, schlag Seite 57 auf. Was steht in Zeile 2?
  4. Bist du noch immer mit jemandem aus dem Kindergarten befreundet?
  5. Warum, glaubst du, sind deine Freunde mit dir befreundet?
  6. Findest du, man muss täglich Kontakt mit seinem Partner und seinen Freunden haben? Warum (nicht)? Und was für Kontakt "muss" es sein (schreiben, reden, sehen bzw. simsen, chatten, telefonieren, camen)?
  7. Möchtest du mal Kinder haben? Warum (nicht)?
  8. Deine Meinung zu einer besten Freundin/einem besten Freund?
  9. Möchtest du mal heiraten? Warum (nicht)?
  10. Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?
  11. Was magst du am meisten an dir und was stört dich am meisten?
Ich tagge
Naja, ich follow nicht so vielen Blogs, die unter 200 Lesern sind bzw. überhaupt noch bloggen, ehrlich gesagt. Deswegen werd ich jetzt auch ein bisschen schummeln, ich komme so schon nicht auf die 11 Leute, vielleicht 3 oder so.

Sonntag, 2. Februar 2014

#22

"Kann ich dich was fragen?", zögernd sehe ich Paul an.
"Ehm, ja, klar", antwortet er verwirrt.
"Bei...Facebook. Dieser...Post", fange ich an und lasse den Rest in der Luft hängen. Er schaut mich an und ich erkenne, dass er sich wünscht, ich hätte nicht gefragt.
Kopfschüttelnd winkt er ab: "Sagen wir es so: Es wäre besser, wenn ich nie wieder darüber nachdenken muss." Ich versuche ihn zum Reden zu bewegen, aber er meint: "Ich möchte das nicht in der Gegend rumerzählen." "Du musst es nur mir erzählen!", erwidere ich leicht grinsend, um die Situation locker zu halten, aber eigentlich hab ich mich schon damit abgefunden. Ich möchte ihm nicht zu nahe treten.
"Mit dir wären es aber schon zwei! Und mit der ersten Person habe ich nicht besonders gute Erfahrungen gemacht." Ich schweige und weiß nicht, was ich antworten soll. "Na gut, dann nicht", sage ich schließlich.
Eine merkwürdige Stille breitet sich zwischen uns aus und nervös schaue ich mich in der Gegend um. "Nicht böse sein", kommt es plötzlich von Paul und er streicht mir über den Kopf. "Bin ich nicht", lächelnd sehe ich ihn an. Ich kenne das doch nur selbst zu gut.

Als sein Bus kommt, verabschiede ich mich und umarme ihn. Wir schlendern beide das Gleis entlang, da sein Bus weiter vorne hält und der Übergang zum gegenüberliegenden Gleis auch in der Richtung ist.
"Willst du es wissen?", fragt er plötzlich kurz nachdem wir losgegangen sind. Ich weiß gar nicht, ob ich genickt habe, als er dann fast sofort damit rausrückt: "Ich hab ein Mädchen aus meiner Nachbarschaft angesprochen und dabei einfach SO verkackt, dass alles, was ich irgendwie aufgebaut hatte, drauf gegangen ist. Ich hab in dem Moment einfach nur gedacht "scheiße", aber jetzt im Nachhinein, glaube ich, es ist besser so."
Er setzt einen Fuß in den Bus. "Also...stehst du auf sie, oder wie?", frage ich vorsichtig und mache mich auf das Zerbrechen gefasst. "Mh weiß ich nicht, muss ich noch überlegen." "Okay...tschüss."
Er streckt noch seine Hand nach mir aus, aber ich gehe bereits weiter. Er zieht sie zurück und verabschiedet sich ebenfalls, dann wende ich mich endgültig ab.
Obwohl er es nicht bestätigt hat, spüre ich  bereits die ersten Risse in meinem Herzen und ich könnte mir wirklich eine dafür scheuern, dass ich tatsächlich noch Hoffnung hatte.


Montag, 27. Januar 2014

#21

Seufzend steige ich aus dem Bus und laufe schon aus reiner Routine auf die andere Seite des Bahnsteigs. Ich stelle fest, dass ich eigentlich gar keine Lust habe, auf Paul zu warten, aber ein kleiner Teil in mir will sich die Chance nicht nehmen lassen und so stehe ich also da und warte auf die Bahn, die in sieben Minuten kommt. Es deprimiert mich eigentlich momentan nur ihn zu sehen. Er mag mich doch sowieso nur als gute Freundin, er wird mich sowieso nie als mehr sehen. Mir fällt ein, wie Annika im Oktober, als noch alles okay war und Paul und ich nur Freunde waren, erzählt hat, dass sie von Vivi erzählt bekommen hat, dass Paul in der 9. auf sie stand und dass sie aber nichts Aktuelles weiß. Annika ist ein ganz anderer Mensch als ich, sie ist vor allem ein typisches Mädchen-Mädchen. Wenn es stimmt, was Annika erfahren hat, dann ist es schier unmöglich, dass Paul sich je in mich verlieben könnte, weil ich gar nicht sein Typ bin. Am liebsten würde ich umdrehen und mich frustriert in einer Ecke zusammenrollen, aber in dem Moment kommt seine Bahn.
Als er aussteigt kann ich trotzdem nicht anders als lächeln, trotz meiner Lustlosigkeit. Aber das Lächeln weicht schnell, als ich ihn umarme, weil mir in den Sinn kommt, dass er mich nicht mehr so begeistert und fest umarmt, wie vor dem Praktikum. Es kommt mir lächerlich vor, dass ich wirklich gedacht hatte, dass meine Situation doch nicht so hoffnungslos ist.
Während wir uns unterhalten schwanke ich immer wieder zwischen dem Gedanken, dass er mir mit seiner fantastischen Art einfach den Verstand raubt und dass ich so unheimlich verliebt bin und ihm nie von der Seite weichen will, und dem, dass ich heulen könnte, weil das immer nur einseitig sein wird und ich  genug von dem allen habe und das alles nicht mehr will. Wir verabschieden uns schließlich und mit gesenktem Kopf und nach meinen Kopfhörern kramend mache ich mich auf den Weg zu meiner Bahn. Entgegen meinem sonstigen Verhalten drehe ich mich diesmal nicht um, um Paul in seinem Bus wegfahren zu sehen.
Wenn verliebt sein in Stadien abläuft, dann bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich mir sehnlichst das Ende dieser Folter herbeiwünsche.

Sonntag, 19. Januar 2014

#20

"Paul!", begeistert renne ich auf ihn zu und umarme ihn. "Valle", flüstert er lächelnd. Gott, es wurde wirklich Zeit, dass ich ihn nach diesem ewiglangen Wochenende wiedersehe. Wieso können wir nicht mehr als diese 5 Minuten morgens haben? Okay, immerhin besser als gar nichts. Er drückt mich fest an sich und vergräbt sein Gesicht an meiner Schulter. Ich kann seine Wange an meiner rechten spüren. Deswegen bemerke ich auch sofort, wie er seinen Kopf plötzlich vorsichtig, aber bestimmt zu mir dreht und bewegt. Ich will gerade fragen, was denn los sei, als ich seine Lippen auf meinen spüre. Er hebt seine rechte Hand und streichelt meine linke Wange, während ich die Augen schließe, gar nicht fassen kann, dass das gerade wirklich passiert und gerade noch genug Verstand besitze, um den Kuss zu erwidern. Ich muss gerade das glücklichste Mädchen im Universum sein.
Irgendwann lösen wir uns und er hält seine Hand noch immer an mein Gesicht. "Tut mir Leid, ich konnte einfach nicht länger widerstehen", meint er und lächelt mich an. "Das ist definitiv nichts wofür du dich entschuldigen musst", antworte ich und kann nicht anders als einfach zurück zu lächeln.

Ich reiße meine Augen auf und starre meine graue Nachtkommode an. Schon wieder ein Traum. Und wahrscheinlich der deprimierendste, den ich je in meinem ganzen Leben hatte. Frustriert drehe ich mich auf die andere Seite und ziehe meine Decke hoch. Kann man das vielleicht irgendwie abstellen?  Oder noch besser, einfach mal so wahr werden lassen?


Mittwoch, 15. Januar 2014

#19

Ich drehe eine kleine Runde durch die Innenstadt meines Stadtteils. Es ist 8 Uhr morgens und ich habe nichts Besseres zu tun, als in der Kälte durch eine fast menschenleere Gegend zu laufen. Und das natürlich nur, weil mein Herz gegen meinen Kopf arbeitet und ich es irgendwie ja auch will und obwohl ich Kopf-Mensch bin und eigentlich auf meine Bahn warten sollte, vertreibe ich mir meine Zeit und warte auf Paul. Gestern habe ich mit ihm geschrieben und da ich wusste, dass er morgens etwa zur gleichen Zeit wie ich an der Haltestelle sein würde, wo wir beide umsteigen müssen, habe ich ihn gefragt wann er da ist. Er meinte um Viertel nach 8 und so habe ich mich heute Morgen früher auf den Weg gemacht, damit ich ihn abpassen kann.

Als ich seine Bahn entdecke laufe ich schließlich auf den Bahnsteig und spiele auf meinem Handy rum, während ich zu seiner Bushaltestelle laufe. Eigentlich müsste ich ja auf dem anderen Gleis sein, dem gegenüber, aber falls er fragen sollte, habe ich mir schon die passende Ausrede bereit gestellt: Ich sei aus Gewohnheit dieses Gleis entlang gelaufen.
Ich schaue hoch und auch er hat mich mittlerweile entdeckt, strahlend sehe ich ihn an und muss dann einfach loslaufen, um ihm in die Arme zu fallen. "Valle!", begrüßt er mich und umarmt mich, "warte kurz...". Ich löse mich von ihm und lasse ihn seine Kopfhörer einpacken. "Hübsche Kopfhörer", meine ich dann und lächle und umarme ihn direkt nochmal, als er sie eingesteckt hat. "Ich hab dich so lang nicht gesehen!", meint er, drückt mich und hebt mich ein Stück hoch. "...Freitag", erwidere ich dann stirnrunzelnd, grinse ihn dabei jedoch an. Mir kommt es eigentlich auch ewig vor, vor allem weil wir nur drei Tage Schule hatten nach den zweieinhalb Wochen Ferien. "Ja, sag ich doch!", mein Herz macht einen Satz, als er das sagt und schlägt danach gleich noch schneller. "Du hast deine Haare geschnitten", stelle ich fest. Es ist etwas ungewohnt, aber ich kann ihn trotzdem nur bewundern. "Ja, ich weiß, Samstag oder so, es sieht grässlich aus..." "Nein, ich finde du siehst gut aus", sage ich ihm und lächle wieder. Wir unterhalten uns eine Weile und ich fühle mich so glücklich wie schon seit Tagen nicht mehr. Es tut so gut, ihn wieder zu sehen und zu hören, ihn um mich zu haben. Am liebsten würde ich für immer bei ihm bleiben.




Donnerstag, 9. Januar 2014

#18

"Wo ist Paul?", fragend schaue ich Julian an. "Keine Ahnung, in der Bahn war er jedenfalls nicht."
Abwartend stehe ich am oberen Ende der Treppe und halte nach ihm Ausschau, ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus, als ich ihn sehen kann. "Morgen!", rufe ich und komme auf ihn zu. "Hey", lächelt er mich an, hebt mich wieder hoch und umarmt mich dann fest.

"Valle, nimm mal meine Hände", meint Paul und wedelt mit seinen Händen vor mir herum. Er läuft vor mir, während wir mit Antonia, Joel und Julian auf dem Weg zur Stadt sind, und hat seine Arme nach hinten ausgestreckt. Verwirrt fasse ich mit meinen Händen vorsichtig nach seinen, registriere wie warm sie sind und was für ein schönes Gefühl das ist, und werde im nächsten Moment in einem schnellen Tempo nach vorne gezogen. "Wooooah hey was machst du da?!", frage ich geschockt und versuche halbwegs mitzukommen, bis er plötzlich stehen bleibt. Ich kann es noch vermeiden in ihn hinein zu krachen, in dem ich an der Seite vorbeilaufe und er letztendlich nur noch meine rechte Hand in seiner hält. Er grinst mich an.

"Mayo schmeckt aber auch nur mit Pommes." - "Das stimmt", stimme ich ihm zu und nicke. Begeistert schaut Paul mich an und fragt: "Würdest du Burger mit Mayo essen?!" Ich muss lachen und erwidere: "Das Thema hatten wir schon mal, als wir zu Tim sind. Noch immer nicht, nein, das ist eklig. Mayo gehört zu Pommes und zu nichts anderem." Plötzlich finde ich mich in seinen Armen wieder. "Endlich ein vernünftiger Mensch! Ich dachte immer, ich wäre der einzige!" Breit grinse ich und erwidere die Umarmung, so weit es seitlich möglich ist.

Das Niveau des Gesprächs sinkt immer mehr und alles, was ich nur noch tun kann, ist den Kopf schütteln und grinsen. Neben mir ist Paul der Einzige, der noch normal zu sein scheint, und das scheint auch er zu denken, denn im nächsten Moment zieht er mich wieder an beiden Händen Meter weit nach vorne. Wir laufen nebeneinander und als ich ihn frage, was das gerade sollte, antwortet er: "Ich wollte dein und mein Niveau retten, bevor es zu spät ist."
Später, wir haben doch beschlossen den anderen nicht unsere Gesellschaft zu entziehen, legt er von hinten seine Arme um mich, während wir laufen. "Arme kleine Valle, du darfst dich bloß nicht von unserem Niveau herunterziehen lassen, ja?" Ich nicke nur und denke, dass heute der schönste Tag meines Lebens sein muss.

Als wir von der Schule zur Haltestelle laufen und an der Ampel warten, umarmt Paul mich auf einmal wieder. "Du bist irgendwie wie mein kleiner Bruder", meint er und ich runzle die Stirn. "Eh, danke", und gehe daraufhin beleidigt weg. Er kommt jedoch kurze Zeit später schon wieder und meint, ich sei wirklich wie er. "Auch so gut zum Knuddeln oder was?", kommentiert Joel. "Ja, genau! Warte, dann kann ich mich ja auch auf dich stützen!" Im nächsten Moment muss ich bereits sein ganzes Gewicht ertragen. "Oh, du fällst ja gar nicht um, du bist sehr stabil", stellt Paul fest und richtet sich wieder auf und grinst mich an.

Während ich weitergehe, unterhält Paul sich mit Joel, kommt jedoch schon am anderen Ende der Straße wieder auf mich zu. "Was ist bloß heute mit mir los? Ich will die ganze Zeit Valle knuddeln...", stellt er dann laut fest. Ich lache und meine: "Kannst du ruhig machen, mich stört das nicht." Im Gegenteil. "Nein, nein, nein, ich will ja nicht wie Julian werden!"


Pauls und Julians Haltestelle wird aufgerufen, ich verabschiede mich und umarme Julian. Dann stehe ich auf, lasse ihn in den Gang und warte ungeduldig darauf, dass Paul seinen Ranzen aufgesetzt hat, um ihn zu umarmen. "Tschüss", meine ich und breite meine Arme aus. Er zieht mich an sich und umarmt mich erst etwas vorsichtig, will sich lösen, zieht mich jedoch dann wieder zurück und umarmt mich nochmal länger und fester. Ich wünschte, er würde mich nie wieder loslassen.