Freitag, 5. Juni 2015
#60
"Du bist jetzt kawaii Anime-Valle."
Blinzelnd sehe ich die beiden abwechselnd an. "Ja, schau dich an, du hast einen Schlafanzug an, so eine große Jacke und ein Kissen in der Hand. Es fehlt nur noch der Toast, den du in der Hand hältst, während du zu spät bist. Du musst am Freitag zu spät kommen, mit einem Toast in der Hand, okay?!"
"...ich hab einen 20 Minuten Autoweg bis zur Schule."
"JAA vom Auto bis zum Hauptgebäude!"
"...wir halten direkt vor dem Haupteingang."
"Wenigstens zum Auto!"
"Unser Auto steht direkt vor der Haustür."
Antonia verdreht die Augen, während ich sie breit angrinse.
Mittwoch, 6. Mai 2015
#59
"Wo ist meine Brille? Am anderen Ende, oder?", frage ich und fahre mir mit der Bürste durch die Haare. "Ja", antwortet er.
Es vergehen einige Sekunden, dann höre ich ihn näher kommen, gefolgt von seiner Stimme, die mit einem Mal ganz förmlich klingt: "Guten Tag."
"Nimm meine Brille ab, Paul", erwidere ich nur, ohne mich umzudrehen oder meine Tätigkeit zu unterbrechen.
"WOHER WUSSTEST DU DAS?", ruft er völlig überrascht aus und ich grinse nur, während ich mich schließlich doch umdrehe. Meine Brille hält er mittlerweile in der Hand und reicht sie mir daraufhin. "Tja, ich bin halt gut", lache ich.
"Nein, ernsthaft!" Sein Gesicht ist einfach unbezahlbar. Mein Grinsen wird breiter. "Ich kenn dich halt."
Mittwoch, 29. April 2015
#58
"Ich fürchte, unsere nächsten Fotos werden einfach die Hochzeitsfotos sein", grinst er und entfernt sich dabei von mir, um etwas in den Müll zu werfen. Ich lache und kann ein breites Lächeln nicht unterdrücken. Ja, vielleicht, aber es werden dann wohl auch die glücklichsten Fotos von mir sein, die es je geben wird.
Samstag, 25. April 2015
#57
"Tut mir leid", flüstere ich unter Tränen. Tut mir leid, tut mir leid, tut mir leid. Dass ich mich so querstelle, dass ich so unmöglich bin, dass ich mich so eifersüchtig aufführe, dass ich so bin wie ich bin. Meine Stimme bricht und ich habe das Gefühl zu ersticken. Ich möchte mich an ihn krallen und in seinen Armen liegen, bis der Schmerz vorübergeht, bis der Hass gegen mich selbst nicht mehr so sticht, bis sich die Welt wieder ertragbar anfühlt, aber ich verdiene das nicht. "Wag es nicht, dich dafür zu entschuldigen", erwidert Paul nur und zieht mich an sich, aber ich verdecke mein Gesicht nur mit meinen Händen und kann nicht aufhören zu weinen, obwohl es nicht hilft, obwohl ich nur weniger Luft zum Atmen habe und der Schmerz nicht aufhört. Plötzlich fühlt es sich so selbstverständlich an, dass das hier irgendwann mal aufhört, weil ich es kaputt machen werde. So wie ich alles andere in meinem Leben kaputt mache. Wie sollte diese Beziehung halten, wenn ich dieses Monster in mir nicht unter Kontrolle bringen kann? Und ich kann es nicht, ich kann es nicht.
"Ich mache alles kaputt", bringe ich dann hervor, wobei man wahrscheinlich ohnehin nichts versteht. Aber er scheint es zu tun. "Hör zu. Niemand wird das hier kaputt machen. Nicht du, nicht ich und auch niemand anderes. Keiner macht uns das kaputt, okay?" Und ich möchte "okay" antworten, aber nichts in mir fühlt sich dazu in der Lage, das zu glauben. Nicht solange dieser Dämon in mir wütet und mich so furchtbar sein lässt, wie ich wohl in Wahrheit bin.
Donnerstag, 2. April 2015
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Freitag, 27. März 2015
#56
"Stimmt", erwidere ich und beuge mich zu ihm runter, "aber vielleicht hast du es ja trotzdem genau deswegen getan?"
"Bestimmt", murmelt er an meinen Lippen, bevor er mich küsst. Sonderlich lange genießen wir beide den Kuss nicht, da ich nach einigen Sekunden meine Chance sehe und an der Mütze ziehe - aber Paul lässt noch immer nicht los. Wir fangen beide an zu lachen. "Aber weil wir zusammen sind, lässt keiner die Mütze los, um den Kuss zu vertiefen", kichert er und ich kann ihm da nur zustimmen. Gott, wie ich diesen Jungen und unsere Beziehung liebe.
Donnerstag, 19. März 2015
#55
"Ehh, wie unnötig, dass du das für Esther aufschreibst", kommentiert Olivia zwei Plätze neben mir in einem nachahmenden, kindlichen Ton. Sie spielt darauf an, dass ich sie letzte Woche darauf aufmerksam gemacht habe, dass ich Esther meine Hefteinträge von Bio ausleihen würde und sie nicht extra für sie mitschreiben müsste. Seitdem ist eine Woche vergangen und die ganze Woche war sie nicht gut auf mich anzusprechen. Wenn wir miteinander sprachen - was ich nach einigen Versuchen möglichst vermieden hatte -, hatte sie mich nur grundlos angegiftet oder war aus heiterem Himmel genervt, ohne dass ich etwas getan hätte.
Und dann platzt mir der Kragen.
"Weißt du, im Gegensatz zu dir bemühe ich mich immer und in jedem Unterricht und das für mich. Das beinhaltet auch, dass ich mein Heft ordentlich führe, wovon du wohl nichts verstehst", erwidere ich also patzig, weil ich genug davon habe, dass sie die beleidigte Leberwurst spielt. Und das auch noch wegen so einer Kleinigkeit und ohne Klartext zu sprechen. Nein, lieber nutzt sie Alltagssituationen, um mich ohne ersichtlichten Grund anzumotzen. "Und es ist verdammt kindisch von dir, wegen letzter Woche immer noch so beleidigt zu sein und mich eine Woche lang deswegen anzugiften." Daraufhin ist sie ruhig und wir sprechen den Rest des Tages nicht mehr miteinander. Besser so.