Mit klopfendem Herzen starre ich das Telefon an. Es hämmert gegen meine Brust und ich weiß nicht, ob ich das wirklich tun soll. Es ist nicht der erste Anruf, den ich heute tätige - Natalie, Lisa, Desiree, Theo, Maxi...es ist eine Ewigkeit her, dass ich diese Nummern eingetippt habe. Manche habe ich sogar noch nie eingegeben. Ist es nicht seltsam, dass es mir gar nicht fremd vorkam? Es war so schön, ihre Stimmen wieder zu hören. Komisch war es nur, von ihren Leben zu hören und zu wissen, dass ich es nicht miterlebt habe. Schließlich war es lang genug so, dass ich dazu beigetragen habe, oder? Aber jetzt ist es nicht mehr so. Seit fast vier Jahren hat sich dieser Zustand geändert und trotzdem war es seltsam, mir anzuhören was sie erlebt haben. Natürlich haben wir nicht lang geredet - schließlich sehe ich sie alle diesen Samstag wieder. Fast muss ich lachen, weil ich gar nicht daran geglaubt habe, dass sie mich sehen wollen. Sind wir nicht mittlerweile Fremde? Alte Freunde leben sich schließlich auseinander, oder? Aber sie schienen mich genauso gern sehen zu wollen wie ich sie. Bis Samstag, habe ich jedes Mal am Ende gesagt. Es ist solange her, dass ich solch eine Floskel ihnen gegenüber benutzen konnte. Ist das überhaupt real?
Aber der nächste Anruf hat eine ganz andere Schwierigkeit. Will ich Esther wirklich sehen? Kleinlaut habe ich Natalie am Telefon gefragt, ob sie meint, dass Esther wohl gut auf mich anzusprechen wäre. Natürlich bin ich diejenige, die sauer gewesen ist, weil ich von ihr links liegen gelassen wurde...aber genauso war ich diejenige, die einfach den Kontakt abgebrochen hat. Wir sind beide schuld, dass unser Neuanfang nicht geklappt hat - obwohl ich in meinem egozentrischen Denken eindeutig ihr die größere gebe.
Trotzdem sitze ich hier auf meinem Bett und spiele die Möglichkeiten durch. Ich bin einfach unverbesserlich. Wieso hänge ich immer so an der Vergangenheit? Das letzte Mal als ich beschlossen hatte, trotz Zweifel eine Chance zu vergeben, bin ich versetzt worden, weil sie einen Freund hatte. Der mein bester Freund war. Jetzt habe ich weder eine beste Freundin noch einen besten Freund - obwohl ich über die Tatsache an sich nicht so traurig bin. Ich brauche das nicht.
Aber es ist ja nur ein Treffen, oder? Und ich würde sie genauso gern wiedersehen wie die anderen. Ich tippe ihre Nummer ein und warte, während es in meiner Brust unermüdlich klopft und klopft und klopft.
"Hallo?" Es ist ihre Mutter. Ich nenne meinen Namen und frage nach ihr, aber sie ist unter der Dusche, also muss ich danach ihren Rückruf abwarten. Schließlich klingelt es und ich nehme mit meinem Namen ab. "Hey!" Ihre Stimme klingt aufgeregt und total glücklich, worüber ich ein wenig verwundert bin. Aber wir reden kurz und es ist alles normal, wie bei den anderen. Vielleicht sogar ein wenig vertrauter. Schließlich frage ich sie genauso, ob sie am Samstag kommen möchte und sie sagt zu.
Und ich kann noch immer nicht fassen, dass ich nach vier Jahren an den Ort zurückkehren werde, der für mich am ehesten das ist, was mein Heimat nennt.
Dienstag, 10. Mai 2016
Sonntag, 20. März 2016
#66
Ich stehe im Foyer unseres Schulgebäudes, die Hälfte meiner Stufe steht vor der Schule, ich kann sie von hier aus durch die Glastüren sehen. Durch die Glastüren, durch die wir alle die letzten Jahre regelmäßig durchgelaufen sind. Die andere Hälfte steht verteilt auf dem Schulhof zu meiner linken und um mich herum. Auf den Schulhof wurden wir bis zur 10. Klasse immer hinaus gescheucht, aber es hat uns nicht daran gehindert, uns auf die Treppe im Flur neben der Eingangstür zu setzen.
Die Treppe zu der wir uns jetzt bewegen - ein allerletztes Mal. Ein allerletztes Mal setzen wir uns hin, als Gruppe, auf unseren Stammplatz, den wir seit Jahren belegen. Sabine macht ein Foto von uns, sie kommt gleich mit zu unserer Feier, weil sie irgendwie mittlerweile dazu gehört, obwohl sie anfangs nur Maikes Nachbarin war. "Wenn wir in 20 Jahren das anschauen, werden wir bei dem Bild lächeln und sagen 'Das. Das war die Treppengang.' und unsere Kinder werden die Augen verdrehen und es uncool finden...aber das hier ist unsere coole Clique", meint Annika dann und grinst und entlockt mir damit auch eins, obwohl ich mich seltsam fühle. Wie auf der Schwelle zwischen Trauer und Glückseligkeit. Zwischen Nostalgie und Vorfreude.
Die anderen verlassen das Gebäude, aber ich muss mich noch einmal umdrehen und betrachte die Eingangshalle. Plötzlich schießen Erinnerungen aus meiner alten Schule in mir hoch und es ist, als würde ich beides nebeneinander sehen. Nur mit viel Mühe kann ich die Tränen zurückhalten, die auf einmal aus meinen Augen treten wollen und ich versuche, die Erinnerungen wieder beiseite zu schieben. Ich habe die Hälfte meiner gymnasialen Schulzeit in einer völlig anderen Schule verbracht, aber die letzten vier Jahre haben mich deswegen nicht weniger geprägt. Und irgendwie glaube ich, dass mich die Jahre hier an dieser Schule glücklicher gemacht haben als meine Zeit damals an meiner alten Schule.
Ich folge den anderen durch die Menge, die meine Mitschüler vor der Schule gebildet haben, aber ich kann nicht aufhören nach hinten zu sehen und das Gebäude anzuschauen, das ich die letzten vier Jahre regelmäßig betreten habe. Ich hebe meine Hand und winke den Leuten, rufe ein lautes "Tschüss!" und ein leichtes Lächeln umspielt meine Lippen, während ich mich rückwärts gehend von der Schule entferne. Von meinen Mitschülern. Von den Leuten, die ich die letzten vier Jahre ständig um mich hatte. "Ich dachte immer...ich dachte immer, ich wäre froh, wenn dieser Tag kommt und ich diese Stufe endlich los bin", sage ich dann laut. Ob man mir die Tränen anhört, die ich gerade zurückhalte? Mir ist, als klänge meine Stimme wie kurz vorm Ersticken, wie kurz vorm Weinen. Und ich bin nicht froh, dass das alles vorbei ist...nicht richtig jedenfalls. Der Geschmack der Trauer hat sich dazu gemischt und ist zu stark dafür. Das war es also?
Die Treppe zu der wir uns jetzt bewegen - ein allerletztes Mal. Ein allerletztes Mal setzen wir uns hin, als Gruppe, auf unseren Stammplatz, den wir seit Jahren belegen. Sabine macht ein Foto von uns, sie kommt gleich mit zu unserer Feier, weil sie irgendwie mittlerweile dazu gehört, obwohl sie anfangs nur Maikes Nachbarin war. "Wenn wir in 20 Jahren das anschauen, werden wir bei dem Bild lächeln und sagen 'Das. Das war die Treppengang.' und unsere Kinder werden die Augen verdrehen und es uncool finden...aber das hier ist unsere coole Clique", meint Annika dann und grinst und entlockt mir damit auch eins, obwohl ich mich seltsam fühle. Wie auf der Schwelle zwischen Trauer und Glückseligkeit. Zwischen Nostalgie und Vorfreude.
Die anderen verlassen das Gebäude, aber ich muss mich noch einmal umdrehen und betrachte die Eingangshalle. Plötzlich schießen Erinnerungen aus meiner alten Schule in mir hoch und es ist, als würde ich beides nebeneinander sehen. Nur mit viel Mühe kann ich die Tränen zurückhalten, die auf einmal aus meinen Augen treten wollen und ich versuche, die Erinnerungen wieder beiseite zu schieben. Ich habe die Hälfte meiner gymnasialen Schulzeit in einer völlig anderen Schule verbracht, aber die letzten vier Jahre haben mich deswegen nicht weniger geprägt. Und irgendwie glaube ich, dass mich die Jahre hier an dieser Schule glücklicher gemacht haben als meine Zeit damals an meiner alten Schule.
Ich folge den anderen durch die Menge, die meine Mitschüler vor der Schule gebildet haben, aber ich kann nicht aufhören nach hinten zu sehen und das Gebäude anzuschauen, das ich die letzten vier Jahre regelmäßig betreten habe. Ich hebe meine Hand und winke den Leuten, rufe ein lautes "Tschüss!" und ein leichtes Lächeln umspielt meine Lippen, während ich mich rückwärts gehend von der Schule entferne. Von meinen Mitschülern. Von den Leuten, die ich die letzten vier Jahre ständig um mich hatte. "Ich dachte immer...ich dachte immer, ich wäre froh, wenn dieser Tag kommt und ich diese Stufe endlich los bin", sage ich dann laut. Ob man mir die Tränen anhört, die ich gerade zurückhalte? Mir ist, als klänge meine Stimme wie kurz vorm Ersticken, wie kurz vorm Weinen. Und ich bin nicht froh, dass das alles vorbei ist...nicht richtig jedenfalls. Der Geschmack der Trauer hat sich dazu gemischt und ist zu stark dafür. Das war es also?
Freitag, 29. Januar 2016
#65
Grinsend betrete ich eine der Umkleidekabinen, während Lilith und Maike die neben mir beziehen. Nach der Schule bin ich spontan mit den beiden - und Julian, Joel und Danny - noch mit in die Stadt gekommen, weil ursprünglich Lilith ihren Kleiderschrank füllen wollte.
Aber es liegt wohl doch irgendwie in den Genen eines jeden Mädchens, beim Shoppen nicht leer auszugehen. Oder zumindest zig Sachen anzuprobieren.
Als ich aus der Kabine trete, habe ich ein türkises T-Shirt an mit der Aufschrift "I woke up like this #nofilter", welches wir ziemlich witzig fanden. Maike hat sich das gleiche T-Shirt in weiß geholt und wir stehen kichernd nebeneinander vor dem Spiegel. "Ich finde, so können wir uns sehen lassen, oder Partnerin?", lache ich und stoße sie sanft in die Seite und sie nickt, grinst mich an.
Später treten wir zu dritt aus der Kabine und haben - tatsächlich ohne Absprache - das andere T-Shirt an, das wir drei gemeinsam ausgesucht haben. Meins ist blau, Maikes weiß und Liliths schwarz. "Dream. Believe. Achieve." steht drauf und wir stellen uns vor den Spiegel, posieren und grinsen über unseren Triolook. Ich hatte ganz vergessen, wie schön es sein kann, mit Freunden ein wenig durch die Stadt zu bummeln und irgendwie komme ich nicht um den Gedanken, dass das alles bald vorbei sein wird und die Zeit ziemlich vermissen werde.
Aber es liegt wohl doch irgendwie in den Genen eines jeden Mädchens, beim Shoppen nicht leer auszugehen. Oder zumindest zig Sachen anzuprobieren.
Als ich aus der Kabine trete, habe ich ein türkises T-Shirt an mit der Aufschrift "I woke up like this #nofilter", welches wir ziemlich witzig fanden. Maike hat sich das gleiche T-Shirt in weiß geholt und wir stehen kichernd nebeneinander vor dem Spiegel. "Ich finde, so können wir uns sehen lassen, oder Partnerin?", lache ich und stoße sie sanft in die Seite und sie nickt, grinst mich an.
Später treten wir zu dritt aus der Kabine und haben - tatsächlich ohne Absprache - das andere T-Shirt an, das wir drei gemeinsam ausgesucht haben. Meins ist blau, Maikes weiß und Liliths schwarz. "Dream. Believe. Achieve." steht drauf und wir stellen uns vor den Spiegel, posieren und grinsen über unseren Triolook. Ich hatte ganz vergessen, wie schön es sein kann, mit Freunden ein wenig durch die Stadt zu bummeln und irgendwie komme ich nicht um den Gedanken, dass das alles bald vorbei sein wird und die Zeit ziemlich vermissen werde.
Donnerstag, 21. Januar 2016
#64
"Wir haben dich heute übrigens in Englisch gefunden", erzählt Paul gerade Julian und ich grinse. Er meint den Romeo aus der Verfilmung mit Leonardo DiCaprio; es ist allerdings eher neckend gemeint, weil er auf die Tatsache anspielt, dass sich Romeo, da seine letzte Geliebte ihn nicht wollte, plötzlich direkt neu verliebt - eben in Juliet. Fragend sieht Julian Paul an, der dann erklärt, dass wir diesen Film gesehen haben.
"Ich war sogar mal Romeo", erzählt er dann und Paul gluckst. "Für wen? Josi?" Bei seinen Worten muss ich anfangen zu lachen und Julian sieht mich verwirrt an. "Warum lachst du?"
"Keine Ahnung, niemand lacht über meine Witze außer sie. Aber ich sehe es als Indikator dafür, dass sie die Richtige ist", meint Paul dann und ich lächle breit. Ich hoffe es doch.
"Ich war sogar mal Romeo", erzählt er dann und Paul gluckst. "Für wen? Josi?" Bei seinen Worten muss ich anfangen zu lachen und Julian sieht mich verwirrt an. "Warum lachst du?"
"Keine Ahnung, niemand lacht über meine Witze außer sie. Aber ich sehe es als Indikator dafür, dass sie die Richtige ist", meint Paul dann und ich lächle breit. Ich hoffe es doch.
Sonntag, 10. Januar 2016
#63
Ich schlendere durch den Supermarkt und sehe mich dabei in den Regalen um. Meine Eltern sind schon vorgegangen, aber anders als früher, als ich noch klein war, rufen sie mich nicht alle 2 Sekunden, damit ich hinterher komme. Jetzt halten sie mich wohl für alt genug, um mitzuhalten und so bleibe ich auch zwischendurch stehen, um mir bestimmte Sachen genauer anzusehen.
Es ist ein Kaufland. Ziemlich lang her, dass ich in einem Supermarkt dieser Kette war. Wirklich schon dreieinhalb Jahre? Vielleicht war ich ja doch seit meinem Umzug wieder da, aber erinnern kann ich mich nicht daran. Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an.
Ich lande in der Süßigkeitenabteilung. Abgesehen davon, dass die Regale an einem anderen Platz stehen und vertikal zur Kasse sind statt horizontal, sind sie gleich aufgebaut wie der Kaufland, in dem ich früher fast täglich war. Der neben meiner alten Schule. Wir sind immer alle in der Mittagspause hingegangen, um uns unser Mittagessen zu kaufen. Klar, dass da meistens was zum Naschen noch mitgegangen ist. Selten fünfmal das Gleiche, eher fünf verschiedene Sachen, die man dann miteinander teilen konnte.
Plötzlich fällt mein Blick auf Gummiwürmer und das erwischt mich doch kalt. Ich bleibe stehen und starre diese Packung an. Eine Zeit lang waren die total beliebt bei uns in der Stufe. Jeder dritte hat sich die gekauft, es muss in der 6. Klasse gewesen sein. Ich hab mir auch mal so eine Packung gekauft, weil die echt lecker waren. Die Phase ging auch bald vorüber. Mir fällt auf, dass ich diese Gummiwürmer nie woanders gesehen habe als in einem Kaufland.
Mich überkommt der Drang, mir diese Packung zu nehmen und meine Eltern zu überreden, sie mir zu kaufen.
Ich vermisse die alten Zeiten.
Ein wenig verspüre ich den Wunsch, noch einmal zurückzukönnen. Für einen normalen Tag von damals.
Aber die Vergangenheit sollte man ruhen lassen. Ich lasse die Packung im Regal.
Vermutlich würden mir die Gummiwürmer heute gar nicht mehr schmecken. In Erinnerungen wirkt doch immer alles besser, als es war.
Es ist ein Kaufland. Ziemlich lang her, dass ich in einem Supermarkt dieser Kette war. Wirklich schon dreieinhalb Jahre? Vielleicht war ich ja doch seit meinem Umzug wieder da, aber erinnern kann ich mich nicht daran. Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an.
Ich lande in der Süßigkeitenabteilung. Abgesehen davon, dass die Regale an einem anderen Platz stehen und vertikal zur Kasse sind statt horizontal, sind sie gleich aufgebaut wie der Kaufland, in dem ich früher fast täglich war. Der neben meiner alten Schule. Wir sind immer alle in der Mittagspause hingegangen, um uns unser Mittagessen zu kaufen. Klar, dass da meistens was zum Naschen noch mitgegangen ist. Selten fünfmal das Gleiche, eher fünf verschiedene Sachen, die man dann miteinander teilen konnte.
Plötzlich fällt mein Blick auf Gummiwürmer und das erwischt mich doch kalt. Ich bleibe stehen und starre diese Packung an. Eine Zeit lang waren die total beliebt bei uns in der Stufe. Jeder dritte hat sich die gekauft, es muss in der 6. Klasse gewesen sein. Ich hab mir auch mal so eine Packung gekauft, weil die echt lecker waren. Die Phase ging auch bald vorüber. Mir fällt auf, dass ich diese Gummiwürmer nie woanders gesehen habe als in einem Kaufland.
Mich überkommt der Drang, mir diese Packung zu nehmen und meine Eltern zu überreden, sie mir zu kaufen.
Ich vermisse die alten Zeiten.
Ein wenig verspüre ich den Wunsch, noch einmal zurückzukönnen. Für einen normalen Tag von damals.
Aber die Vergangenheit sollte man ruhen lassen. Ich lasse die Packung im Regal.
Vermutlich würden mir die Gummiwürmer heute gar nicht mehr schmecken. In Erinnerungen wirkt doch immer alles besser, als es war.
Mittwoch, 21. Oktober 2015
- 6 -
Es ist irgendwie unfair, wie man in Gedichte so viele Gefühle in ein paar Zeilen packen kann und ich das gerne können würde. Aber stattdessen muss ich immer die lange Variante wählen, weil ich nur dann mit mir zufrieden bin. Und ich mag lange Texte, ich mag sie wirklich. Wenn man es schafft, ein paar schöne Wortkreationen zu erschaffen, dann lese ich lange Texte gerne und ich schreibe sie gern.
Schließlich ist es das, was mir am Schreiben so viel Spaß macht. Ich nehme gerne Wörter auseinander, baue sie neu zusammen oder tue sie neben andere, die sie nicht gewohnt sind. Dann lernen die Wörter sich neu kennen, klingen zusammen ganz anders als allein oder mit ihren üblichen Partnern und kreieren ein völlig neues Bild. Und das gefällt mir.
Aber manchmal...manchmal scheint es mir unmöglich, meine Gefühle in so einen Text zu packen und andere machen das dann immer in ein paar Zeilen eines Gedichtes. Es scheint viel zu viel Platz zu geben auf dem Papier und es lassen sich keine Worte dafür finden.
Dabei würde ich so gerne darüber schreiben, wie mein Herz aufgeht und sich die Wärme darin ausbreitet, wenn ich dich ansehe oder du mich anlächelst.
Ich würde gerne darüber schreiben, wie deine Arme mein Zuhause sind und mich frei fühle.
Ich würde gerne darüber schreiben, wie gut du in mein Leben passt und was für eine Leere da wäre, wenn du nicht wärst.
Ich würde gerne dem Zitat gerecht werden, dass du nicht stirbst, wenn ein Schriftsteller sich in dich verliebt.
Ich würde gerne in einem Text beschreiben können, wie sehr ich dich liebe, aber ich weiß nicht, wo die Worte dafür zu finden sind und wie sie am besten zueinander passen, damit sie schön klingen und wahr sind.
Schließlich ist es das, was mir am Schreiben so viel Spaß macht. Ich nehme gerne Wörter auseinander, baue sie neu zusammen oder tue sie neben andere, die sie nicht gewohnt sind. Dann lernen die Wörter sich neu kennen, klingen zusammen ganz anders als allein oder mit ihren üblichen Partnern und kreieren ein völlig neues Bild. Und das gefällt mir.
Aber manchmal...manchmal scheint es mir unmöglich, meine Gefühle in so einen Text zu packen und andere machen das dann immer in ein paar Zeilen eines Gedichtes. Es scheint viel zu viel Platz zu geben auf dem Papier und es lassen sich keine Worte dafür finden.
Dabei würde ich so gerne darüber schreiben, wie mein Herz aufgeht und sich die Wärme darin ausbreitet, wenn ich dich ansehe oder du mich anlächelst.
Ich würde gerne darüber schreiben, wie deine Arme mein Zuhause sind und mich frei fühle.
Ich würde gerne darüber schreiben, wie gut du in mein Leben passt und was für eine Leere da wäre, wenn du nicht wärst.
Ich würde gerne dem Zitat gerecht werden, dass du nicht stirbst, wenn ein Schriftsteller sich in dich verliebt.
Ich würde gerne in einem Text beschreiben können, wie sehr ich dich liebe, aber ich weiß nicht, wo die Worte dafür zu finden sind und wie sie am besten zueinander passen, damit sie schön klingen und wahr sind.
Montag, 5. Oktober 2015
#62
Nachdem alle aus dem Zimmer raus sind, kehrt eine angenehme Ruhe ein. Ich schließe meine Augen und mache es mir in der Decke gemütlich, hoffe, dass Paul jetzt noch ein wenig Schlaf kriegt. Der Arme hat gestern mitunter am meisten geleistet und dann konnte er auch noch kaum schlafen. Eine ganze Weile - oder doch nur ein paar Minuten? - döse ich so vor mich hin. Obwohl ich jetzt eine Woche lang nicht richtig geschlafen habe, kann ich trotz meiner Müdigkeit nicht wieder einschlafen. Plötzlich höre ich, wie sich jemand bewegt, aber es ist hinter mir. Als ich meine Augen öffne, sehe ich Julian und mir fallen Blitzmomente des gestrigen Abends ein. Julian, wie er sich wegen zu viel Alkohol übergibt. Lilith, wie sie die ganze Reinigung organisiert. Julian, der auf dem Sofa liegt und sich die ganze Zeit entschuldigt. Wie er vor uns zugibt, dass er die letzten Wochen kaum was gegessen hat. Wie Joel und ich vor dem Raum stehen, wo nur Julian und Paul sind und Julian sich weigert aufzustehen, weil seine Depressionen ihn wieder überfallen. Wie Sabine plötzlich anfängt zu weinen. Lilith, Joel und ich im Treppenhaus, einfach nur darauf wartend, dass zu unseren beiden Seiten sich alles einrenkt, ohne etwas tun zu können.
"Morgen", begrüße ich ihn also leise, darauf bedacht, Paul nicht zu wecken. Er antwortet nichts und starrt nur auf den Boden. Ich muss daran denken, wie viel Anstrengung es Paul gekostet haben muss, Julian davon zu überzeugen, mitzukommen. Ich muss daran denken, wie viel Anstrengung es mich früher gekostet hat, mit Julian befreundet zu sein und auf ihn aufzupassen. Ich muss daran denken, wie ich zu Lilith noch gestern Abend meinte, dass Freundschaften mit solchen Menschen einen selbst psychisch angreifen. "Die anderen sind in der Küche", ergänze ich und stehe auf, versuche mir mit verschwommener Sicht ein Bild von ihm zu machen, weil ich meine Brille nicht aufhabe. "Willst du zu ihnen oder dich nicht lieber wieder ins Bett legen?" Ob man mir meine Sorgen anhört? "Nein. Ich will einfach nur hier weg." Diesen Ton kenne ich schon von ihm. Ich versuche ihn nochmal davon zu überzeugen, sich zurück ins Bett zu legen, aber er weigert sich. Also greife ich seinen Arm und führe ihn entschlossen zu den anderen in die Küche, drücke ihn auf einen Stuhl und versichere mich, dass er da sitzen bleibt. Es ist jetzt sicher das Beste, wenn er die Nähe der anderen erfährt. Diesen werfe ich nur einen kurzen müden Blick zu, dann bewege ich mich zurück ins Bett. Nachher muss ich ihn wenigstens heute zum Essen bewegen, aber gerade brauche ich einfach nur meine Ruhe. Aber steht es mir überhaupt zu, mich jetzt um ihn zu kümmern? Oder will ich das überhaupt?
"Morgen", begrüße ich ihn also leise, darauf bedacht, Paul nicht zu wecken. Er antwortet nichts und starrt nur auf den Boden. Ich muss daran denken, wie viel Anstrengung es Paul gekostet haben muss, Julian davon zu überzeugen, mitzukommen. Ich muss daran denken, wie viel Anstrengung es mich früher gekostet hat, mit Julian befreundet zu sein und auf ihn aufzupassen. Ich muss daran denken, wie ich zu Lilith noch gestern Abend meinte, dass Freundschaften mit solchen Menschen einen selbst psychisch angreifen. "Die anderen sind in der Küche", ergänze ich und stehe auf, versuche mir mit verschwommener Sicht ein Bild von ihm zu machen, weil ich meine Brille nicht aufhabe. "Willst du zu ihnen oder dich nicht lieber wieder ins Bett legen?" Ob man mir meine Sorgen anhört? "Nein. Ich will einfach nur hier weg." Diesen Ton kenne ich schon von ihm. Ich versuche ihn nochmal davon zu überzeugen, sich zurück ins Bett zu legen, aber er weigert sich. Also greife ich seinen Arm und führe ihn entschlossen zu den anderen in die Küche, drücke ihn auf einen Stuhl und versichere mich, dass er da sitzen bleibt. Es ist jetzt sicher das Beste, wenn er die Nähe der anderen erfährt. Diesen werfe ich nur einen kurzen müden Blick zu, dann bewege ich mich zurück ins Bett. Nachher muss ich ihn wenigstens heute zum Essen bewegen, aber gerade brauche ich einfach nur meine Ruhe. Aber steht es mir überhaupt zu, mich jetzt um ihn zu kümmern? Oder will ich das überhaupt?
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