Sie hatte das Gefühl, dass niemand sie hier wirklich verstand. Es hieß immer nur, sie solle nicht so viel Angst haben.
Stell dich nicht so an.
Du musst nur über deinen Schatten springen.
Aber es war nicht so einfach. Nicht im Geringsten. Natürlich wollte sie das alles auf der einen Seite. Auf der einen Seite konnte sie sich keinen schöneren Ort auf der vorstellen als an seiner Seite, sie sehnte sich jede Sekunde nach ihm und ja, der Gedanke, ihn ihren Freund nennen zu können, machte sie unglaublich glücklich. Natürlich tat es das. Die Gefühle für ihn waren mittlerweile schon so stark geworden, dass sie unaufhaltsam ihren Körper durchfluteten. Anfangs hatte sie sie noch halbherzig versucht zu unterdrücken, aber eigentlich war es schon zu spät gewesen, als sie die Gefühle bemerkt hatte. Ganz leise hatten sie sich eingeschlichen und versteckt und dann ganz plötzlich überfallen. Eigentlich hatte sie nie etwas dagegen tun können. Und mit der Zeit waren sie einfach nur immer größer und stärker geworden und irgendwie hatte sie sich an sie gewöhnt. Das Leben wäre komisch gewesen, wären sie nicht mehr da.
Aber das hieß nicht, dass sie Angst vor ihnen hatte. Nein. Diese Gefühle hatten eine so unglaubliche Macht über sie, dass sie unheimlich viel Angst vor ihnen hatte. Nur konnte sie ja doch nichts tun und irgendwie arbeiteten sie ja zusammen, manchmal. Wenn ihr Kopf nicht dazwischenfunkte, wenn ihr Herz gerade die Oberhand besaß.
Wovor sie aber noch viel mehr Angst hatte waren seine Gefühle. Und dem, was kommen könnte. Verstand denn keiner, dass sie Angst vor der Nähe zu Menschen hatte? Weniger die körperliche, sondern viel mehr die seelische? Eine Bindung zu einem Menschen einzugehen war noch nie einfach gewesen für sie. Sie brauchte ihre Grunddistanz. Sie gab sie nicht gerne auf. Sie hatte viel zu viel Angst davor, was passierte, wenn sie das tat. Und jetzt war sie so kurz davor es tun zu müssen.
Sie war sich fast sicher, dass er es wusste. Dass es fast so weit war.
Alle wussten es.
Einschließlich ihr.
Obwohl so Vieles in ihr danach schrie, endlich diesen Schritt zu tun und sie freudig dem Treffen entgegenfieberte, wollte ein anderer Teil, klein aber nicht klein genug, einfach nur die Beine in die Hand nehmen und um sein Leben rennen. Und irgendwie verstand das niemand.
Oh gott, du sprichst mir aus der Seele. Der Post ist so toll geschrieben und so echt. Ich mein damit, ich denke über genau so Sachen auch nach. Die ganze Zeit. Es freut mich irgendwie, dass nicht nur ich so ein Denken habe. ♥♥♥
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