"Also ich hab am meisten Angst davor gefangen zu werden. Ich meine damit, dass ich an jemanden...festgebunden werde und sozusagen nie frei komme", erzählt Annika. "Das passt zu meinem Gedanken, den ich mal hatte. Ich habe mal versucht, meine Freunde mit Synonymen zu beschreiben und bei dir ist mir damals "Windböe" eingefallen", erwidert Lilith und das nächste sagt sie in einem Tonfall, sodass ich mir unwillkürlich vorstelle, dass sie gerade lächeln muss, auch wenn ich es im Dunkeln nicht erkennen kann, "und einen Windstoß kann man nicht fangen."
Stille kehrt ein. "Ich überlege gerade, was die Antwort auf deine Frage ist", meint Timo dann. Meine Gedanken drehen sich auch um die Frage. Ich weiß, wovor ich Angst habe. Aber welches davon ist das, wovor ich am meisten Angst habe? Verletzt zu werden? Verlassen zu werden? Nichts in meinem Leben erreicht zu haben? Mich jemandem wirklich zu öffnen, jemandem wirklich zu vertrauen? Ich verschränke meine Arme hinter meinem Kopf. Paul kommt mir in den Sinn. Und das Ergebnis eines Psychotests, den ich einmal gemacht habe. Und auf einmal glaube ich es zu wissen. Doch, ja, ich bin mir eigentlich sicher, dass das die Antwort ist.
Weil ich immer mehr in meinen Gedanken versinke, bekomme ich Timos Antwort kaum noch mit. Danach kehrt wieder Stille ein und ich hoffe inständig, dass sie mich einfach übergehen. "Und Valle? Was ist mit dir? Wovor hast du am meisten Angst?" Ich unterdrücke ein Seufzen.
Nervös spiele ich an der Decke herum und überlege, ob ich das jetzt sagen soll. Natürlich, sie sind meine Freunde. Und ja, ich vertraue ihnen bis zu einem gewissen Grad. "Valle?", fragt Timo. Ich hole Luft und hoffe, meine jetzige Tat nicht zu bereuen. "Ich...ich hab am meisten Angst davor, eine enge Beziehung zu einem Menschen aufzubauen."
"Das musst du näher erläutern."
Ich beiße mir auf die Unterlippe. "Ich halte immer einen gewissen Abstand zu Menschen. Das hängt vor allem mit dem Vertrauen zusammen, ich...ich hab Angst davor, mich jemandem anzuvertrauen. Ich möchte nicht verletzt werden. Und wenn mir jemand zu nahe kommt, schubse ich die Person immer wieder weg."
"Was ist mit Julian?"
"...ja, auch ihn schubse ich ab und zu weg. Eigentlich jeden. Ich glaube, meine Cousine ist die Einzige, die ich noch nie...weggeschubst habe. Das...ist auch der Grund, warum ich mich so dafür fürchte, mal eine richtige Beziehung zu führen. Ich habe Angst davor, jemandem so sehr zu vertrauen und eine solche Bindung zu einem Menschen zu haben."
Die Schreiberin legt Wert auf eine Grunddistanz zu ihren Mitmenschen. Auch gute Kollegen müssen nicht alles wissen. Das war einer der treffendsten Sätze, die ich je bei einem Psychotest herausbekommen habe. Das ist es, was ich immer nur versuche im Ansatz zu erklären, aber dann direkt wieder aufgebe. Nico hat mich einmal gefragt, wovor ich Angst habe, als wir über Paul geredet haben. Ich habe es damals als "Bindungsangst" bezeichnet, weil mir kein besseres Wort einfiel, aber heute würde ich es ihm mit diesem Zusatz erklären. Ich brauche eine Grunddistanz zu meinen Mitmenschen und ich fürchte mich davor, diese aufzugeben. Der Grund, warum ich immer noch Zweifel hege, "endlich ranzugehen" ist zudem, dass ich nicht weiß, ob ich das überhaupt kann und es unfair gegenüber Paul wäre, wenn ich es nicht tue. Eigentlich weiß ich, dass ich es will. Ich will es wirklich. Aber manchmal überkommt mich dann wieder dieser Gedanke und ich weiß nicht, ob ich es kann. Ich hoffe einfach, dass ich es tun werde, wenn es soweit ist.
Ja, denke ich, sonst hätte ich das nicht geschrieben. Was würde es dir bringen, wenn ich dir unnötig Hoffnungen mache. Alles was ich schreibe meine ich auch so (:
AntwortenLöschenDiese Angst und Befürchtung wirst du immer haben, bis du die Wahrheit herausgefunden hast. Egal, wie die Antwort lautet, das Leben geht weiter. Wenn sich eine Tür schließt öffnet das Leben ja bekanntlich viele Neue (:
Mein Start in die Schule war wirklich ziemlich gut. Englisch Arbeit habe ich zwar eher verhauen, aber das wusste ich davor schon, also keine Überraschung. Ansonsten wundert es mich immer wieder, wie ich so gut in der Schule bin, wo ich gar nicht so viel lerne. Ich habe wohl einfach nur ein Talent die richtigen Antworten zu erraten^^Jeder hat eine andere Strategie die Schule zu überleben^^
Wenn es so wie bei dir laufen würde, wäre ich mehr als nur froh. Das klingt nämlich wirklich gut. Ich habe gerade beschlossen, dass wir uns nächstes Jahr dann gegenseitig motivieren etwas für die Schule zu tun, da wir ja dann in der gleichen Situation stecken. Ein bisschen Motivation schadet ja nie :D
Ich finde diesen Gedanken auch wirklich erschrecken, weil mein ganzer Lebensinhalt auf einen Tag nicht mehr existiert. Eigentlich gibt es ja jetzt nur die Schule und man kann sich nichts anderes vorstellen. Wenn man in die erste Klasse kommt, hat man das Gefühl sein ganzes Leben lang in die Schule zu gehen, aber eigentlich ist das ja nur der Anfang. Ich nehme mir jeden Tag vor die restliche Zeit zu genießen, weil eh alles viel zu schnell vergangen sein wird.
Ich habe die Idee auch von Tumblr, aber warum soll das mit Bloggern nicht auch klappen? Ich habe mir einfach gedacht, warum das nicht einfach mal probieren. Vielleicht lernt man nette Leute kennen. Niemand hat etwas zu verlieren und es freut mich total, dass sich schon so viele Leute dafür interessieren.
So, jetzt noch zu deinem Post. (Gibt es eigentlich ein Limit für die Länge eines Kommentars? Wenn ja, habe ich Angst, dass wir es mal überschreiten^^. Es wird mir schon sagen, wenn ich nichts mehr schreiben kann :D)
Ich kenne deine Angst nur zu gut, weil sie auch bei mir einen Platz ganz oben in der Liste einnimmt. Alles was du beschrieben hast, kann ich dir genau nachempfinden. Das Schlimme ist, dass meine Freunde gar nicht ahnen, was ich vor ihnen verberge. Oft fühle ich mich deswegen unheimlich schuldig, aber ich kann mich auch nie überwinden etwas von mir preiszugeben. Manchmal spreche ich Gedanken aus, die mich beschäftigen, weil sie mir heraus rutschen. Dann treffen mich immer verwirrte und ungläubige Blicke mit vielen Fragen, die mir zeigen, dass sie es eh nicht verstehen würden. Aber wovon ich auch überzeugt bin, ist, dass es dann einfach die falschen Menschen sind. Es muss einfach für jede Person die wahre Liebe und wahre Freunde geben. Für mich steht das einfach so fest und das hilft mir dann auch immer. Diese Hoffnung gibt mir Kraft, dass es nicht nur an mir liegt.
Viele Grüße <3