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Freitag, 16. September 2016

Briefe, die ich nie geschrieben habe. #2

Liebe Esther,
warum ich das hier schreibe, weiß ich nicht. Es gibt so vieles Unausgesprochenes zwischen uns, das vermutlich immer im Verborgenen bleiben wird. Und den Grund kennst wohl nur du, denn ich habe bis heute vieles nicht verstanden, was zwischen uns vorgefallen ist.
Hätte ich wissen müssen, dass die Freundschaft zu dir nicht leicht ist? Schließlich hat auch unsere nicht gut angefangen, im Gegenteil, ohne Theo wärst du sicher die von mir meistgehasste Person gewesen. Ständig haben wir uns angekeift und gestritten, nur vor Natalie, ihr zu liebe, haben wir uns zusammengerissen. Denn das war wohl das einzige Verbindungsglied zwischen uns, wir hatten beide in Natalie eine gute Freundin, auf die wir nicht verzichten konnten.
Aber ein gutes halbes Jahr, bevor mir das Gleiche nochmal mit Theo passierte, ereignete sich etwas zwischen uns, das dafür sorgte, dass wir bei der anderen eine gute Freundin fanden: Wir mussten uns länger als nötig ertragen, weil wir nebeneinander gesetzt wurden. Weißt du, was ich mich manchmal frage? Ob unsere Klassenlehrerin sich damals etwas dabei gedacht hat? Denn egal neben wen sie mich gesetzt hat, ich kann heute sagen, dass ich die Person danach mehr mochte, besser mit ihr klarkam. Mensch, dank ihr hatte ich eine beste Freundin in dir gefunden und einen guten in Theo. Das kann doch kein Zufall gewesen sein!
Und Esther, du warst wirklich eine unglaubliche beste Freundin für mich, denn jemanden wie dich trifft man wohl nur einmal im Leben. All die verrückten Dinge die wir gemacht haben, sind mir bis heute in Erinnerung geblieben und zaubern mir ein nostalgisches Lächeln aufs Gesicht. Natürlich werde ich niemals unsere legendäre Nacht in der Dusche vergessen, aber auch die kleinen Dinge werden mir immer in Erinnerung bleiben; wie unser barfüßiger Tanz auf dem Schulhof im strömenden Regen, obwohl wir genau wussten, dass das keine gute Idee war. Aber das machte sie zur guten Idee. Ich werde sicherlich für immer all die Lacher mit dir in meinem Herzen behalten. Und ich werde dir nie vergessen, wie oft du zu mir gestanden hast und wie oft du mich verstanden hast, als ich dachte, das würde keiner. Du warst wirklich eine wunderbare beste Freundin, die ich manchmal noch vermisse.
Deswegen verstehe ich umso weniger, was damals nach dem Umzug vorgefallen ist. Warum warst du auf einmal so sauer und hast den Kontakt abgebrochen? Ich werde sicherlich auch nie den Schmerz vergessen, den ich damals gespürt habe. Und vielleicht ist es auch an der Zeit, dass ich mich entschuldige, denn nachdem wir uns eigentlich wieder vertragen hatten und du mit Julian zusammenkamst, war ich sicherlich selbst nicht eine gute Freundin. Und das tut mir leid. Ich weiß nicht, wer mehr Schuld daran trägt, dass unsere Freundschaft ein weiteres Mal zerbrochen ist, aber wir haben beide dazu beigetragen und mein Teil daran ist ohne Zweifel nicht gerade klein. Vielleicht war unsere Freundschaft einfach nicht dafür gemacht, lange zu halten.

Valerie

1 Kommentar:

  1. Manchmal haben Freundschaften und Beziehungen ein Ablaufdatum. Niemand weiß wie lange es halten kann, aber man spürt das Ende.
    Weißt du, ich hatte eine ähnliche Freundin wie du und seit einem Jahr gibt es keinen Kontakt mehr. Es tat so weh.
    Und es wird immer weh tun, aber eine Zeit lang war alles gut zwischen euch. Gute Zeiten bleiben uns länger im Gedächnis.
    Und man lernt damit zu leben.

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