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Freitag, 28. Oktober 2016

#74

"Ausziehen war schon echt heftig. Ich meine, ich war wirklich neidisch auf alle, die da bleiben konnten. Sogar auf die Müllmänner, weil sie eben dort jeden Tag da arbeiten." Mich erstaunt es fast, zu hören was Theo da sagt, aber das ist wohl doch irgendwie nachvollziehbar. Auch wenn ich diese kleine Stadt meine Heimat nenne, bin ich nicht mein ganzes Leben dort gewesen im Gegensatz zu ihm.
"Ich weiß was du meinst. Ich vermisse es immer noch und bin immer noch neidisch auf die Leute und der Umzug ist vier Jahre her", erwidere ich trocken und ein kleines Lachen begleitet den Satz.
"Du musst einfach mal wieder herkommen. Aber diesmal richtig. Wir kommen beide gleichzeitig und dann gehen wir alle abends mal auch feiern und so." Bei dieser Vorstellung breitet sich ein glückliches Lächeln auf meinem Gesicht aus. "Ja. Das machen wir auf jeden Fall." Es ist schön, wieder mit ihm zu reden, auch wenn wir nicht in einem Bus nebeneinander sitzen oder uns im Klassenzimmer gegenüberstehen; auch wenn wir keine süßen 14 Jahre mehr sind; auch wenn wir uns so verändert haben und irgendwie auch gleich geblieben sind. Unseren Gesprächsrhythmus haben wir wie von ganz allein wiederaufgenommen und ich muss daran denken, wie Theo eben zu mir sagte, dass es ihm gut tut, mal wieder mit jemandem so gut reden zu können wie mit mir und daran, dass ich diese Freundschaft wirklich vermisst habe. Vielleicht muss ich das ja in Zukunft nicht mehr so sehr.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Blogaward 4

Die liebe Novelist hat mir den Liebsten-Award verliehen. Vielen lieben Dank dafür, ich hab mich total gefreut! :3

Die (geliebten/unbekannten) Regeln:
1. Danke der Person, die dich für den Liebster-Award nominiert hat und verlinke den Blog in deinem Artikel
2. Beantworte die elf Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, gestellt hat
3. Nominiere fünf bis elf weitere Blogger für den Liebster-Award
4. Stelle eine neue Liste mit elf Fragen für deine nominierten Blogger zusammen
5. Schreibe diese Regeln unter deinen Beitrag zum Liebster-Award
6. Gib deinen Gewinnern bescheid



Ihre Fragen
1. Welche Serien/Filme sollte ich mir unbedingt anschauen und warum?
- Hm... Ich mag "How I Met Your Mother", weil es lustig ist und ich die Charas mag und immerhin gucke ich das immer wieder mal ganz gerne (meistens wenn ich nicht weiß, was ich sonst schauen soll); "Fullmetal Alchemist: Brotherhood" ist ein Anime, den ich total liebe und den es sich wirklich zu lohnen anschaut, weil er eine mitreißende Story hat und einem die Charaktere wirklich ans Herz wachsen.
2. Wie hast du deine Passion zum schreiben gefunden?
- Oh, die Frage mag ich. Hm angefangen habe ich mit dem Schreiben von Geschichten, was mir noch heute Spaß macht. Ich kann mich noch heute an meine allererste Geschichte erinnern...die zutiefst peinlich ist und die zum Glück nur meine Cousine kennt xD Ich glaube, wir beide hatten einfach darüber geredet - sie hat quasi gemeinsam mit mir damit angefangen - und dann haben wir einfach mal beide daran geschrieben. Ich hab schnell erkannt, wie peinlich der Inhalt ist, aber es zu schreiben hat mir Spaß gemacht und mir das auszudenken auch. Und ab da ging es los. Ich glaube, dass mich der Deutschunterricht in der 5. und 6. Klasse da auch sehr unterstützt hat, damals hat man ja oft noch irgendetwas Kreatives geschrieben und ich hab von meinem Deutschlehrer damals ziemlich positives Feedback bekommen, das tut dem Selbstbewusstsein ja ziemlich gut. Und deswegen hab ich wohl immer weiter gemacht und durch meine Cousine hab ich dann auch Fanfictions gefunden und selbst angefangen, welche zu schreiben.
Was das Bloggen angeht, was ich auch unglaublich gerne tue und mir auch wirklich gut tut, so bin ich durch den Zweitaccount bei SchuelerVZ, den damals viele Leute hatten, draufgekommen. Naja beim Zweitaccount den sich einige erstellt hatten - ich kannte das von einer Internetfreundin - hat man sich oft so über Probleme und so ausgetauscht (oder Rollenspiele gespielt, das war so der andere Zweck). Eine meiner Internetfreunde dort hatte einen Blogspot und als ich mir das näher angesehen habe, fand ich nicht nur den Blog klasse, sondern auch so das Konzept davon. Also hab ich mir auch mal einen erstellt und...tja, so bin ich hier gelandet. Und ich hab schnell gemerkt, dass es zwar was anderes ist als das Schreiben von Geschichten (oder auch das Posten in einem RPG-Forum), aber dass es mir unglaublich gut tut. Und seitdem bin ich hier. Vielleicht nicht immer aktiv und nicht immer auf diesem Blog, aber trotzdem bin ich Blogspot seit fünf Jahren treu.
3. In welchem Moment warst du sehr stolz auf dich, weil du etwas erreicht hast, was dir sehr viel bedeutet?
- Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue stolz auf mich, wenn ich eine Kurzgeschichte oder ein Kapitel einer Geschichte beende, weil mir das Schreiben sehr viel bedeutet und es mich stolz macht, auch mal etwas in dem Bereich zu beenden.
4. Wonach bist du süchtig?
- Ich weiß nie so recht, wie ich diese Frage beantworten soll, aber ich schätze ich kann da Chips nennen, denn es gibt sonst absolut nichts auf der Welt, auf das ich nie keine Lust habe xD und Musik. Und kann man nach der Nähe eines Menschen süchtig sein? Denn von ihm kriege ich nie genug.
5. Übst du ein ehrenamtliches Amt aus? Welches? Warum?/ Warum nicht?
- Nein. Öhm, ich wüsste nicht welches und ich muss auch ehrlich zugeben, ich bin zu faul für sowas mittlerweile. Ich würde wohl noch ministrieren, wenn ich nicht umgezogen wäre bzw. hätte vermutlich diesen Sommer nach vielen Jahren damit aufgehört, aber seit wir hierhergezogen sind, mache ich das nicht mehr, weil ich keine Lust hatte, das in einer neuen Gemeinde zu machen. Eigentlich war das Schöne am Ministrieren immer, dass ich es mit Isabel gemacht habe, deswegen habe ich es hier nicht mehr wieder aufgenommen. (Davor habe ich es gemacht, weil ich es als Viertklässlerin ziemlich cool fand und dann hab ich eben einfach nicht damit aufgehört.)
6. Was willst du deinen eventuell später mal lebenden Kinder unbedingt mitgeben?
- Ich weiß nicht. Ich hoffe, sie besser zu erziehen als meine Eltern mich und ihnen beizubringen, dass man im Leben immer zu sich selbst stehen muss. Ich hoffe, dass ich ihnen beibringen kann, dass ich eine Vertrauensperson für sie bin und sie zu mir kommen können. Ich hoffe, dass sie immer wieder aufstehen können, wenn sie fallen und dass sie wissen, wie man sich Hilfe holt und Hilfe annimmt, weil daran nichts verwerflich ist. Ich hoffe so vieles für die Kinder, die ich vielleicht mal haben werde.
7. (Weil ich die Frage so unglaublich toll finde) Wann war das letzte Mal, dass du etwas zum ersten Mal gemacht hast? Was war das?
- Ich finde die Frage total schwierig, weil ich mich glaube ich nicht an sowas erinnern kann. Zählt es, dass ich letztens meine Mutter zum ersten Mal alleine abgeholt habe von der Arbeit mit dem Auto? Alleine gefahren bin ich zwar schon, aber bisher war ich noch nie allein mit ihr im Auto. Ja, ich denke, das zählt.
8. Glaubst du? (An Gott/ eine höhere Macht/ etwas anderes)
- Ja, tue ich. Ich weiß nicht so recht an was, aber wohl in irgendeiner Form an Gott.
9. Was hast du heute gemacht?
- Ich hab morgens telefoniert; mit dem Kieferorthopäden meiner Schwester, um ihren Termin zu verschieben und dann mit einer Uni. Danach hab ich das Geburtstagsgeschenk für meine Schwester vorbereitet und nachmittags mit ihr eine Folge Liv und Maddie geguckt und dann mit ihr Smash auf der WiiU gespielt. Und dann waren wir in einem Steakhaus essen als Familie und dann gab es zuhause Kaffee und Kuchen, noch eine Runde Smash und bis eben hab ich an einem Steckbrief für einen RPG-Charakter gearbeitet, bevor ich mich dem Blogaward hier gewidmet habe, der schon seit Wochen hier vergammelt, weil ich nicht die Motivation gefunden habe, die letzten Fragen zu beantworten.
10. Stell dein Handy (ein anderes Gerät von dem deine Musik abgespielt werden kann) auf shuffle und schreibe die ersten drei Lieder auf.
- OneRepublic: Good Life
- Glasperlenspiel: Nie Vergessen
- Katy Perry: Wide Awake
11. Was waren deine letzten Wort, die du gesagt hast?
- "Noch nicht. Jaaa, gleich."

Montag, 26. September 2016

#73

Kichernd stehe ich vor Paul, der eine Stufe unter mir ist. Wir befinden uns auf einer Rolltreppe, die uns in den Untergrund führt. Wir sind auf dem Heimweg, nachdem wir heute quasi den ganzen Tag im Kino verbracht haben, weil wir uns gleich zwei Filme angesehen haben.
Weil ich eine Stufe über ihm bin, kann ich ihm direkt in die Augen sehen und ich lege meine Arme um ihn, um ihn zu umarmen. Ich spüre seine Arme, die sich um meinen Körper legen und mein Kopf legt sich auf seine Schulter. Meine Nase nimmt seinen typischen Geruch auf und ich schließe meine Augen. "Ich liebe dich", flüstere ich ihm ins Ohr und hoffe, dass er all die Gefühle, die Liebe, heraushört, denn genau in diesem Augenblick der Nähe und Ruhe zwischen uns scheinen sie mich mal wieder zu überwältigen, aber in einem positiven Sinn. "Ich liebe dich auch", erwidert er und ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, während ich ihn nochmal drücke. "Und das ist ein Vertrauenstest gerade, das weißt du? Du musst es mir sagen, wenn wir da sind und ich nach hinten treten muss", ergänzt er dann und ich muss grinsen, nicke jedoch. Mein Blick gleitet nach hinten, damit ich es sehen kann, wenn wir da sind und wir kommen dem Boden immer näher. Mein Griff um ihn festigt sich und ich grinse, als ich spaßeshalber "Jetzt" sage. "Haha", erwidert er dann und ein leises Kichern entweicht mir.
"Jetzt", meine ich dann schließlich, aber er bewegt sich nicht, dreht sich stattdessen nach hinten um und tritt eine Sekunde später nach hinten. Beleidigt sehe ich ihn an. "Ich dachte, du vertraust mir!" "Wer einmal lügt, dem glaubt nicht. Du hast mein Vertrauen missbraucht!" Mein Blick wird empört und wir diskutieren einen Moment lang darüber, bis Paul sich geschlagen gibt. "Na gut, wir können ja einfach nochmal hoch und wieder runterfahren." Er meint es wahrscheinlich eher im Scherz, aber ich sage "Okay." und grinse ihn an. Er verdreht seine Augen, fragt dann jedoch trotzdem: "Sollen wir echt?"
Wir sehen zur Anzeige, die nächste Bahn kommt in vier Minuten. Einige Schritte zurück und wir sehen uns die Rolltreppe an. "Das ist etwas länger als ich dachte. Aber das sollten wir trotzdem schaffen, oder?" Ich nicke, schaue dann trotzdem nochmal hin. "Und wenn wir die Bahn verpassen?" "Na gut." Ich sehe wieder zur Anzeige. "Sind noch drei Minuten. Wahrscheinlich verpassen wir die Bahn wirklich." Eine Pause. "Wollen wir es trotzdem versuchen?", frage ich dann doch und grinse. Er nickt, nimmt meine Hand und zieht mich die Treppe hoch, die wir mit einem federleichten Lachen hochstürmen, immer mehrere Stufen auf einmal nehmend. Dann stellen wir uns wieder hin und ich kichere, während ich ihn wieder umarme, die Rolltreppe beobachtend. "Wir haben uns schon ein bisschen von dem Film anstecken lassen, oder?", fragt Paul dann schmunzelnd, meint damit den Liebesfilm, den wir uns gerade angesehen haben. "Quatsch, wir sind immer so süß", erwidere ich und grinse ihn an. Als wir uns danach küssen, erfüllt mich wie jedes Mal diese Wärme und ich hoffe, dass sie nie vergeht, genauso wie diese Liebe, die uns verbindet.

Samstag, 17. September 2016

Briefe, die ich nie geschrieben habe. #3

Lieber Maxi,
obwohl sich dieser Name erst in der 8. Klasse entwickelt hat, hat er sich doch bei mir festgesetzt. Ich kann mir das kaum erklären, weil es doch auch noch so spät war, denn ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich beschlossen habe, dich so zu nennen: Es war der erste Ausflugstag bei unserer Englandfahrt, auf der Rückfahrt. Sabrina hatte mir verraten, was dein verhasster Drittname ist. Und ich hatte meine Rache für deinen Spitznamen für mich gefunden.
Und ich muss ehrlich sagen, obwohl mich der Name anfangs geärgert hat, habe ich mich mit der Zeit daran gewöhnt und ich finde es schön, dass wir beide einen ganz besonderen Spitznamen für den anderen haben, den keiner außer uns nutzt. Es schafft eine seltsame Verbindung, aber nicht im schlechten Sinne. Aber wir hatten irgendwie schon immer eine seltsame Verbindung zueinander. Es gibt sicherlich einige Dinge, die ich gerne rückgängig machen würde, weil sie mir unglaublich peinlich sind. Und dir wahrscheinlich auch. Aber so sind nun mal verknallte 12-jährige Mädchen. Ich bin froh, dass dich das nie gänzlich abgeschreckt hat, denn die Freundschaft, die auf meine Schwärmerei für dich folgte, ist eine wirklich besondere gewesen, die ich immer sehr geschätzt habe.
Jede 5-Minuten-Pause, jeder Klassenausflug, jede Mittagspause, jeder Nachmitag bei einer AG - ich wünschte, ich hätte das schon damals mehr geschätzt, denn mit dir war jedes dieser Ereignisse immer ein Riesenspaß. Du hast mich so oft zum Lachen gebracht und mit dir zu reden fiel mir immer leicht. Ich hoffe, für dich war das genauso. Denn ich hatte in dir einen wirklich guten Freund gefunden, Maxi. Ich habe immer gewusst, dass ich auf dich zählen kann und mir war immer klar, dass jede Party mit dir nur lustig werden kann. Heute bedaure ich es sehr, dass ich nie diese Erfahrung machen konnte.
Es ist auch so unglaublich schade, dass auch diese Freundschaft keinen Bestand hatte. Denn ich glaube, dass sie noch gar nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte, wirklich wunderbar geworden wäre in den nächsten Jahren, wenn ich nie den Wohnort gewechselt hätte. Aber ich schätze, du bist nicht der Typ Mensch dafür - und ich auch nicht. Seien wir doch ehrlich, unsere Freundschaft war nicht der Typ dafür. Unsere Freundschaft hat davon gelebt, dass wir uns ständig gesehen haben, nebeneinander gelacht haben und von Angesicht zu Angesicht gesprochen haben. Die ganzen SMS und Anrufe zwischen den Tagen haben sie zwar schöner gemacht, aber sie hätten nie gereicht, konnten es gar nicht. Ich wünschte wirklich, es wäre anders gewesen.

Teddy

Freitag, 16. September 2016

Briefe, die ich nie geschrieben habe. #2

Liebe Esther,
warum ich das hier schreibe, weiß ich nicht. Es gibt so vieles Unausgesprochenes zwischen uns, das vermutlich immer im Verborgenen bleiben wird. Und den Grund kennst wohl nur du, denn ich habe bis heute vieles nicht verstanden, was zwischen uns vorgefallen ist.
Hätte ich wissen müssen, dass die Freundschaft zu dir nicht leicht ist? Schließlich hat auch unsere nicht gut angefangen, im Gegenteil, ohne Theo wärst du sicher die von mir meistgehasste Person gewesen. Ständig haben wir uns angekeift und gestritten, nur vor Natalie, ihr zu liebe, haben wir uns zusammengerissen. Denn das war wohl das einzige Verbindungsglied zwischen uns, wir hatten beide in Natalie eine gute Freundin, auf die wir nicht verzichten konnten.
Aber ein gutes halbes Jahr, bevor mir das Gleiche nochmal mit Theo passierte, ereignete sich etwas zwischen uns, das dafür sorgte, dass wir bei der anderen eine gute Freundin fanden: Wir mussten uns länger als nötig ertragen, weil wir nebeneinander gesetzt wurden. Weißt du, was ich mich manchmal frage? Ob unsere Klassenlehrerin sich damals etwas dabei gedacht hat? Denn egal neben wen sie mich gesetzt hat, ich kann heute sagen, dass ich die Person danach mehr mochte, besser mit ihr klarkam. Mensch, dank ihr hatte ich eine beste Freundin in dir gefunden und einen guten in Theo. Das kann doch kein Zufall gewesen sein!
Und Esther, du warst wirklich eine unglaubliche beste Freundin für mich, denn jemanden wie dich trifft man wohl nur einmal im Leben. All die verrückten Dinge die wir gemacht haben, sind mir bis heute in Erinnerung geblieben und zaubern mir ein nostalgisches Lächeln aufs Gesicht. Natürlich werde ich niemals unsere legendäre Nacht in der Dusche vergessen, aber auch die kleinen Dinge werden mir immer in Erinnerung bleiben; wie unser barfüßiger Tanz auf dem Schulhof im strömenden Regen, obwohl wir genau wussten, dass das keine gute Idee war. Aber das machte sie zur guten Idee. Ich werde sicherlich für immer all die Lacher mit dir in meinem Herzen behalten. Und ich werde dir nie vergessen, wie oft du zu mir gestanden hast und wie oft du mich verstanden hast, als ich dachte, das würde keiner. Du warst wirklich eine wunderbare beste Freundin, die ich manchmal noch vermisse.
Deswegen verstehe ich umso weniger, was damals nach dem Umzug vorgefallen ist. Warum warst du auf einmal so sauer und hast den Kontakt abgebrochen? Ich werde sicherlich auch nie den Schmerz vergessen, den ich damals gespürt habe. Und vielleicht ist es auch an der Zeit, dass ich mich entschuldige, denn nachdem wir uns eigentlich wieder vertragen hatten und du mit Julian zusammenkamst, war ich sicherlich selbst nicht eine gute Freundin. Und das tut mir leid. Ich weiß nicht, wer mehr Schuld daran trägt, dass unsere Freundschaft ein weiteres Mal zerbrochen ist, aber wir haben beide dazu beigetragen und mein Teil daran ist ohne Zweifel nicht gerade klein. Vielleicht war unsere Freundschaft einfach nicht dafür gemacht, lange zu halten.

Valerie

Donnerstag, 15. September 2016

#72

Ist das dahinten wirklich Max? Doch. Ja. Er ist es. Ungläubig renne ich auf ihn zu, kann kaum fassen, dass er da wirklich steht. Er sieht mich und kommt mir entgegen, den gleichen Blick im Gesicht. Wir fallen uns in die Arme. "Mein Gott, was machst du denn hier?!", frage ich ihn, doch er grinst nur schief. Dann wird mir klar, dass er nicht bleiben wird und traurig sehe ich ihn an. Er erwidert den Blick und wir gehen ein Stück. Und reden. Reden, reden, reden. Am liebsten würde ich nie wieder damit aufhören, weil es so gut tut und so lange her ist, viel zu lange her. Aber irgendwann müssen wir aufhören und er fährt sich mit der Hand durch seine braunen Haare, die sich kaum verändert haben; lächelt mich traurig an. Ich schmeiße mich in seine Arme und umarme ihn fest. "Du bist mein bester Freund, Max", flüstere ich. "Bitte versprich mir, dass wir es diesmal schaffen."
"Ich liebe dich." Mein Körper erstarrt und ich löse mich von ihm. "...was?" Soll ich ihm von Paul erzählen?
"Tut mir leid, ich...das ist mir so rausgerutscht. Vergiss es einfach. Du bist meine beste Freundin. Okay?"
Mein Blick ist unsicher, aber dann merken wir beide, dass er  gleich los muss und umarmen uns nochmal. Er drückt mich so fest, dass ich das Gefühl habe, gleich zu ersticken. Ich fange an zu weinen. "Ich werde dich vermissen."
"Ich dich auch. Aber diesmal wird es anders." Ich hoffe es. 

Als ich meine Augen öffne, kann ich kaum fassen, dass ich gerade aus einem Traum aufgewacht bin. Und obwohl er so unlogisch und unrealistisch ist, war ich noch nie trauriger, dass nicht wenigstens Teile davon Realität sind.

Dienstag, 13. September 2016

Briefe, die ich nie geschrieben habe. #1

Lieber Theo,
ich hatte nie die Gelegenheit, dir das zu sagen, und ich weiß nicht, ob du das je gewusst hast, aber ich hätte dich gerne wissen lassen, dass du mir als Freund sehr wichtig geworden bist. Es ist unglaublich, das von mir zu hören, und ich weiß bis heute nicht, wie viel ich dir bedeutet habe, aber ich hoffe, dass ich dir eine so gute Freundin war wie du mir ein guter Freund gewesen bist.
Bis heute finde ich es schwer vorstellbar, dass wir uns mal aus tiefstem Herzen gehasst haben, denn mit den Jahren waren wir doch so gute Freunde geworden. Ich markiere den Wendetag immer gern an dem Schultag in der 7. Klasse, damals, als unsere Klassenlehrerin sich dafür entschieden hat, uns nebeneinander zu setzen. Erinnerst du dich noch daran? Es gab für uns keinen in der Klasse, den wir weniger neben uns haben wollten, und wir waren sicher die letzten, die geglaubt hätten, dass daraus eine Freundschaft entstehen konnte. Und doch ist es so gekommen, denn irgendwie haben wir uns wohl aneinander gewöhnt und irgendwie haben wir wohl erkannt, dass wir uns ähnlicher sind als gedacht.
Und Theo, ich bin sehr froh darum, dass wir damals in der 7. Klasse nebeneinander gesetzt wurden, denn obwohl ich dich gute zwei Schuljahre lang gehasst habe, umso mehr mochte ich dich die darauffolgenden zwei Jahre. Es ist schade, dass wir nicht länger befreundet sein konnten, aber irgendwie gehört diese Entwicklung zu uns. Mir fehlen unsere Busfahrten manchmal immer noch, denn du bist sicher einer meiner liebsten Gesprächspartner gewesen und in deiner Gegenwart zu lachen fiel mir immer leicht. Und nie werde ich vergessen, dass du und Kevin daran Schuld tragt, dass ich in der Mathe-AG gelandet bin. Obwohl ich ja wirklich froh darüber war nach den ersten paar Treffen, denn nicht nur mit euch war es schön und immer lustig, sondern die AG an sich hat auch viel Spaß gemacht. Überhaupt fand ich es schön, dass wir drei so viele gemeinsame AGs besucht haben, denn all die Mittagspausen und Nachmittage im Chemielabor, im Musikraum und im Matheraum haben uns nur näher zueinander gebracht. Und das weiß ich bis heute sehr zu schätzen, denn es war eine wirklich schöne Erfahrung, dich kennenzulernen und als Freund schätzen zu lernen.
Ich hätte dir gerne das und noch viel mehr gesagt, aber leider hat sich das nie ergeben, was ich heute sehr bedaure. Ich bedaure es genauso sehr, dass wir nie den Kontakt halten konnten, aber ich schätze, manche Freundschaften sind nicht für die Distanz gemacht und unsere gehörte wohl leider Gottes dazu. Vielleicht treffen wir uns ja eines Tages nochmal wieder und können dann für einen Nachmittag so tun, als wären wir wieder die Freunde von damals und als hätte sich nie etwas geändert.

Valerie