Kichernd stehe ich vor Paul, der eine Stufe unter mir ist. Wir befinden uns auf einer Rolltreppe, die uns in den Untergrund führt. Wir sind auf dem Heimweg, nachdem wir heute quasi den ganzen Tag im Kino verbracht haben, weil wir uns gleich zwei Filme angesehen haben.
Weil ich eine Stufe über ihm bin, kann ich ihm direkt in die Augen sehen und ich lege meine Arme um ihn, um ihn zu umarmen. Ich spüre seine Arme, die sich um meinen Körper legen und mein Kopf legt sich auf seine Schulter. Meine Nase nimmt seinen typischen Geruch auf und ich schließe meine Augen. "Ich liebe dich", flüstere ich ihm ins Ohr und hoffe, dass er all die Gefühle, die Liebe, heraushört, denn genau in diesem Augenblick der Nähe und Ruhe zwischen uns scheinen sie mich mal wieder zu überwältigen, aber in einem positiven Sinn. "Ich liebe dich auch", erwidert er und ein Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, während ich ihn nochmal drücke. "Und das ist ein Vertrauenstest gerade, das weißt du? Du musst es mir sagen, wenn wir da sind und ich nach hinten treten muss", ergänzt er dann und ich muss grinsen, nicke jedoch. Mein Blick gleitet nach hinten, damit ich es sehen kann, wenn wir da sind und wir kommen dem Boden immer näher. Mein Griff um ihn festigt sich und ich grinse, als ich spaßeshalber "Jetzt" sage. "Haha", erwidert er dann und ein leises Kichern entweicht mir.
"Jetzt", meine ich dann schließlich, aber er bewegt sich nicht, dreht sich stattdessen nach hinten um und tritt eine Sekunde später nach hinten. Beleidigt sehe ich ihn an. "Ich dachte, du vertraust mir!" "Wer einmal lügt, dem glaubt nicht. Du hast mein Vertrauen missbraucht!" Mein Blick wird empört und wir diskutieren einen Moment lang darüber, bis Paul sich geschlagen gibt. "Na gut, wir können ja einfach nochmal hoch und wieder runterfahren." Er meint es wahrscheinlich eher im Scherz, aber ich sage "Okay." und grinse ihn an. Er verdreht seine Augen, fragt dann jedoch trotzdem: "Sollen wir echt?"
Wir sehen zur Anzeige, die nächste Bahn kommt in vier Minuten. Einige Schritte zurück und wir sehen uns die Rolltreppe an. "Das ist etwas länger als ich dachte. Aber das sollten wir trotzdem schaffen, oder?" Ich nicke, schaue dann trotzdem nochmal hin. "Und wenn wir die Bahn verpassen?" "Na gut." Ich sehe wieder zur Anzeige. "Sind noch drei Minuten. Wahrscheinlich verpassen wir die Bahn wirklich." Eine Pause. "Wollen wir es trotzdem versuchen?", frage ich dann doch und grinse. Er nickt, nimmt meine Hand und zieht mich die Treppe hoch, die wir mit einem federleichten Lachen hochstürmen, immer mehrere Stufen auf einmal nehmend. Dann stellen wir uns wieder hin und ich kichere, während ich ihn wieder umarme, die Rolltreppe beobachtend. "Wir haben uns schon ein bisschen von dem Film anstecken lassen, oder?", fragt Paul dann schmunzelnd, meint damit den Liebesfilm, den wir uns gerade angesehen haben. "Quatsch, wir sind immer so süß", erwidere ich und grinse ihn an. Als wir uns danach küssen, erfüllt mich wie jedes Mal diese Wärme und ich hoffe, dass sie nie vergeht, genauso wie diese Liebe, die uns verbindet.
Montag, 26. September 2016
Samstag, 17. September 2016
Briefe, die ich nie geschrieben habe. #3
Lieber Maxi,
obwohl sich dieser Name erst in der 8. Klasse entwickelt hat, hat er sich doch bei mir festgesetzt. Ich kann mir das kaum erklären, weil es doch auch noch so spät war, denn ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich beschlossen habe, dich so zu nennen: Es war der erste Ausflugstag bei unserer Englandfahrt, auf der Rückfahrt. Sabrina hatte mir verraten, was dein verhasster Drittname ist. Und ich hatte meine Rache für deinen Spitznamen für mich gefunden.
Und ich muss ehrlich sagen, obwohl mich der Name anfangs geärgert hat, habe ich mich mit der Zeit daran gewöhnt und ich finde es schön, dass wir beide einen ganz besonderen Spitznamen für den anderen haben, den keiner außer uns nutzt. Es schafft eine seltsame Verbindung, aber nicht im schlechten Sinne. Aber wir hatten irgendwie schon immer eine seltsame Verbindung zueinander. Es gibt sicherlich einige Dinge, die ich gerne rückgängig machen würde, weil sie mir unglaublich peinlich sind. Und dir wahrscheinlich auch. Aber so sind nun mal verknallte 12-jährige Mädchen. Ich bin froh, dass dich das nie gänzlich abgeschreckt hat, denn die Freundschaft, die auf meine Schwärmerei für dich folgte, ist eine wirklich besondere gewesen, die ich immer sehr geschätzt habe.
Jede 5-Minuten-Pause, jeder Klassenausflug, jede Mittagspause, jeder Nachmitag bei einer AG - ich wünschte, ich hätte das schon damals mehr geschätzt, denn mit dir war jedes dieser Ereignisse immer ein Riesenspaß. Du hast mich so oft zum Lachen gebracht und mit dir zu reden fiel mir immer leicht. Ich hoffe, für dich war das genauso. Denn ich hatte in dir einen wirklich guten Freund gefunden, Maxi. Ich habe immer gewusst, dass ich auf dich zählen kann und mir war immer klar, dass jede Party mit dir nur lustig werden kann. Heute bedaure ich es sehr, dass ich nie diese Erfahrung machen konnte.
Es ist auch so unglaublich schade, dass auch diese Freundschaft keinen Bestand hatte. Denn ich glaube, dass sie noch gar nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte, wirklich wunderbar geworden wäre in den nächsten Jahren, wenn ich nie den Wohnort gewechselt hätte. Aber ich schätze, du bist nicht der Typ Mensch dafür - und ich auch nicht. Seien wir doch ehrlich, unsere Freundschaft war nicht der Typ dafür. Unsere Freundschaft hat davon gelebt, dass wir uns ständig gesehen haben, nebeneinander gelacht haben und von Angesicht zu Angesicht gesprochen haben. Die ganzen SMS und Anrufe zwischen den Tagen haben sie zwar schöner gemacht, aber sie hätten nie gereicht, konnten es gar nicht. Ich wünschte wirklich, es wäre anders gewesen.
obwohl sich dieser Name erst in der 8. Klasse entwickelt hat, hat er sich doch bei mir festgesetzt. Ich kann mir das kaum erklären, weil es doch auch noch so spät war, denn ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich beschlossen habe, dich so zu nennen: Es war der erste Ausflugstag bei unserer Englandfahrt, auf der Rückfahrt. Sabrina hatte mir verraten, was dein verhasster Drittname ist. Und ich hatte meine Rache für deinen Spitznamen für mich gefunden.
Und ich muss ehrlich sagen, obwohl mich der Name anfangs geärgert hat, habe ich mich mit der Zeit daran gewöhnt und ich finde es schön, dass wir beide einen ganz besonderen Spitznamen für den anderen haben, den keiner außer uns nutzt. Es schafft eine seltsame Verbindung, aber nicht im schlechten Sinne. Aber wir hatten irgendwie schon immer eine seltsame Verbindung zueinander. Es gibt sicherlich einige Dinge, die ich gerne rückgängig machen würde, weil sie mir unglaublich peinlich sind. Und dir wahrscheinlich auch. Aber so sind nun mal verknallte 12-jährige Mädchen. Ich bin froh, dass dich das nie gänzlich abgeschreckt hat, denn die Freundschaft, die auf meine Schwärmerei für dich folgte, ist eine wirklich besondere gewesen, die ich immer sehr geschätzt habe.
Jede 5-Minuten-Pause, jeder Klassenausflug, jede Mittagspause, jeder Nachmitag bei einer AG - ich wünschte, ich hätte das schon damals mehr geschätzt, denn mit dir war jedes dieser Ereignisse immer ein Riesenspaß. Du hast mich so oft zum Lachen gebracht und mit dir zu reden fiel mir immer leicht. Ich hoffe, für dich war das genauso. Denn ich hatte in dir einen wirklich guten Freund gefunden, Maxi. Ich habe immer gewusst, dass ich auf dich zählen kann und mir war immer klar, dass jede Party mit dir nur lustig werden kann. Heute bedaure ich es sehr, dass ich nie diese Erfahrung machen konnte.
Es ist auch so unglaublich schade, dass auch diese Freundschaft keinen Bestand hatte. Denn ich glaube, dass sie noch gar nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte, wirklich wunderbar geworden wäre in den nächsten Jahren, wenn ich nie den Wohnort gewechselt hätte. Aber ich schätze, du bist nicht der Typ Mensch dafür - und ich auch nicht. Seien wir doch ehrlich, unsere Freundschaft war nicht der Typ dafür. Unsere Freundschaft hat davon gelebt, dass wir uns ständig gesehen haben, nebeneinander gelacht haben und von Angesicht zu Angesicht gesprochen haben. Die ganzen SMS und Anrufe zwischen den Tagen haben sie zwar schöner gemacht, aber sie hätten nie gereicht, konnten es gar nicht. Ich wünschte wirklich, es wäre anders gewesen.
Teddy
Freitag, 16. September 2016
Briefe, die ich nie geschrieben habe. #2
Liebe Esther,
warum ich das hier schreibe, weiß ich nicht. Es gibt so vieles Unausgesprochenes zwischen uns, das vermutlich immer im Verborgenen bleiben wird. Und den Grund kennst wohl nur du, denn ich habe bis heute vieles nicht verstanden, was zwischen uns vorgefallen ist.
Hätte ich wissen müssen, dass die Freundschaft zu dir nicht leicht ist? Schließlich hat auch unsere nicht gut angefangen, im Gegenteil, ohne Theo wärst du sicher die von mir meistgehasste Person gewesen. Ständig haben wir uns angekeift und gestritten, nur vor Natalie, ihr zu liebe, haben wir uns zusammengerissen. Denn das war wohl das einzige Verbindungsglied zwischen uns, wir hatten beide in Natalie eine gute Freundin, auf die wir nicht verzichten konnten.
Aber ein gutes halbes Jahr, bevor mir das Gleiche nochmal mit Theo passierte, ereignete sich etwas zwischen uns, das dafür sorgte, dass wir bei der anderen eine gute Freundin fanden: Wir mussten uns länger als nötig ertragen, weil wir nebeneinander gesetzt wurden. Weißt du, was ich mich manchmal frage? Ob unsere Klassenlehrerin sich damals etwas dabei gedacht hat? Denn egal neben wen sie mich gesetzt hat, ich kann heute sagen, dass ich die Person danach mehr mochte, besser mit ihr klarkam. Mensch, dank ihr hatte ich eine beste Freundin in dir gefunden und einen guten in Theo. Das kann doch kein Zufall gewesen sein!
Und Esther, du warst wirklich eine unglaubliche beste Freundin für mich, denn jemanden wie dich trifft man wohl nur einmal im Leben. All die verrückten Dinge die wir gemacht haben, sind mir bis heute in Erinnerung geblieben und zaubern mir ein nostalgisches Lächeln aufs Gesicht. Natürlich werde ich niemals unsere legendäre Nacht in der Dusche vergessen, aber auch die kleinen Dinge werden mir immer in Erinnerung bleiben; wie unser barfüßiger Tanz auf dem Schulhof im strömenden Regen, obwohl wir genau wussten, dass das keine gute Idee war. Aber das machte sie zur guten Idee. Ich werde sicherlich für immer all die Lacher mit dir in meinem Herzen behalten. Und ich werde dir nie vergessen, wie oft du zu mir gestanden hast und wie oft du mich verstanden hast, als ich dachte, das würde keiner. Du warst wirklich eine wunderbare beste Freundin, die ich manchmal noch vermisse.
Deswegen verstehe ich umso weniger, was damals nach dem Umzug vorgefallen ist. Warum warst du auf einmal so sauer und hast den Kontakt abgebrochen? Ich werde sicherlich auch nie den Schmerz vergessen, den ich damals gespürt habe. Und vielleicht ist es auch an der Zeit, dass ich mich entschuldige, denn nachdem wir uns eigentlich wieder vertragen hatten und du mit Julian zusammenkamst, war ich sicherlich selbst nicht eine gute Freundin. Und das tut mir leid. Ich weiß nicht, wer mehr Schuld daran trägt, dass unsere Freundschaft ein weiteres Mal zerbrochen ist, aber wir haben beide dazu beigetragen und mein Teil daran ist ohne Zweifel nicht gerade klein. Vielleicht war unsere Freundschaft einfach nicht dafür gemacht, lange zu halten.
Valerie
warum ich das hier schreibe, weiß ich nicht. Es gibt so vieles Unausgesprochenes zwischen uns, das vermutlich immer im Verborgenen bleiben wird. Und den Grund kennst wohl nur du, denn ich habe bis heute vieles nicht verstanden, was zwischen uns vorgefallen ist.
Hätte ich wissen müssen, dass die Freundschaft zu dir nicht leicht ist? Schließlich hat auch unsere nicht gut angefangen, im Gegenteil, ohne Theo wärst du sicher die von mir meistgehasste Person gewesen. Ständig haben wir uns angekeift und gestritten, nur vor Natalie, ihr zu liebe, haben wir uns zusammengerissen. Denn das war wohl das einzige Verbindungsglied zwischen uns, wir hatten beide in Natalie eine gute Freundin, auf die wir nicht verzichten konnten.
Aber ein gutes halbes Jahr, bevor mir das Gleiche nochmal mit Theo passierte, ereignete sich etwas zwischen uns, das dafür sorgte, dass wir bei der anderen eine gute Freundin fanden: Wir mussten uns länger als nötig ertragen, weil wir nebeneinander gesetzt wurden. Weißt du, was ich mich manchmal frage? Ob unsere Klassenlehrerin sich damals etwas dabei gedacht hat? Denn egal neben wen sie mich gesetzt hat, ich kann heute sagen, dass ich die Person danach mehr mochte, besser mit ihr klarkam. Mensch, dank ihr hatte ich eine beste Freundin in dir gefunden und einen guten in Theo. Das kann doch kein Zufall gewesen sein!
Und Esther, du warst wirklich eine unglaubliche beste Freundin für mich, denn jemanden wie dich trifft man wohl nur einmal im Leben. All die verrückten Dinge die wir gemacht haben, sind mir bis heute in Erinnerung geblieben und zaubern mir ein nostalgisches Lächeln aufs Gesicht. Natürlich werde ich niemals unsere legendäre Nacht in der Dusche vergessen, aber auch die kleinen Dinge werden mir immer in Erinnerung bleiben; wie unser barfüßiger Tanz auf dem Schulhof im strömenden Regen, obwohl wir genau wussten, dass das keine gute Idee war. Aber das machte sie zur guten Idee. Ich werde sicherlich für immer all die Lacher mit dir in meinem Herzen behalten. Und ich werde dir nie vergessen, wie oft du zu mir gestanden hast und wie oft du mich verstanden hast, als ich dachte, das würde keiner. Du warst wirklich eine wunderbare beste Freundin, die ich manchmal noch vermisse.
Deswegen verstehe ich umso weniger, was damals nach dem Umzug vorgefallen ist. Warum warst du auf einmal so sauer und hast den Kontakt abgebrochen? Ich werde sicherlich auch nie den Schmerz vergessen, den ich damals gespürt habe. Und vielleicht ist es auch an der Zeit, dass ich mich entschuldige, denn nachdem wir uns eigentlich wieder vertragen hatten und du mit Julian zusammenkamst, war ich sicherlich selbst nicht eine gute Freundin. Und das tut mir leid. Ich weiß nicht, wer mehr Schuld daran trägt, dass unsere Freundschaft ein weiteres Mal zerbrochen ist, aber wir haben beide dazu beigetragen und mein Teil daran ist ohne Zweifel nicht gerade klein. Vielleicht war unsere Freundschaft einfach nicht dafür gemacht, lange zu halten.
Valerie
Donnerstag, 15. September 2016
#72
Ist das dahinten wirklich Max? Doch. Ja. Er ist es. Ungläubig renne ich auf ihn zu, kann kaum fassen, dass er da wirklich steht. Er sieht mich und kommt mir entgegen, den gleichen Blick im Gesicht. Wir fallen uns in die Arme. "Mein Gott, was machst du denn hier?!", frage ich ihn, doch er grinst nur schief. Dann wird mir klar, dass er nicht bleiben wird und traurig sehe ich ihn an. Er erwidert den Blick und wir gehen ein Stück. Und reden. Reden, reden, reden. Am liebsten würde ich nie wieder damit aufhören, weil es so gut tut und so lange her ist, viel zu lange her. Aber irgendwann müssen wir aufhören und er fährt sich mit der Hand durch seine braunen Haare, die sich kaum verändert haben; lächelt mich traurig an. Ich schmeiße mich in seine Arme und umarme ihn fest. "Du bist mein bester Freund, Max", flüstere ich. "Bitte versprich mir, dass wir es diesmal schaffen."
"Ich liebe dich." Mein Körper erstarrt und ich löse mich von ihm. "...was?" Soll ich ihm von Paul erzählen?
"Tut mir leid, ich...das ist mir so rausgerutscht. Vergiss es einfach. Du bist meine beste Freundin. Okay?"
Mein Blick ist unsicher, aber dann merken wir beide, dass er gleich los muss und umarmen uns nochmal. Er drückt mich so fest, dass ich das Gefühl habe, gleich zu ersticken. Ich fange an zu weinen. "Ich werde dich vermissen."
"Ich dich auch. Aber diesmal wird es anders." Ich hoffe es.
Als ich meine Augen öffne, kann ich kaum fassen, dass ich gerade aus einem Traum aufgewacht bin. Und obwohl er so unlogisch und unrealistisch ist, war ich noch nie trauriger, dass nicht wenigstens Teile davon Realität sind.
Als ich meine Augen öffne, kann ich kaum fassen, dass ich gerade aus einem Traum aufgewacht bin. Und obwohl er so unlogisch und unrealistisch ist, war ich noch nie trauriger, dass nicht wenigstens Teile davon Realität sind.
Dienstag, 13. September 2016
Briefe, die ich nie geschrieben habe. #1
Lieber Theo,
ich hatte nie die Gelegenheit, dir das zu sagen, und ich weiß nicht, ob du das je gewusst hast, aber ich hätte dich gerne wissen lassen, dass du mir als Freund sehr wichtig geworden bist. Es ist unglaublich, das von mir zu hören, und ich weiß bis heute nicht, wie viel ich dir bedeutet habe, aber ich hoffe, dass ich dir eine so gute Freundin war wie du mir ein guter Freund gewesen bist.
Bis heute finde ich es schwer vorstellbar, dass wir uns mal aus tiefstem Herzen gehasst haben, denn mit den Jahren waren wir doch so gute Freunde geworden. Ich markiere den Wendetag immer gern an dem Schultag in der 7. Klasse, damals, als unsere Klassenlehrerin sich dafür entschieden hat, uns nebeneinander zu setzen. Erinnerst du dich noch daran? Es gab für uns keinen in der Klasse, den wir weniger neben uns haben wollten, und wir waren sicher die letzten, die geglaubt hätten, dass daraus eine Freundschaft entstehen konnte. Und doch ist es so gekommen, denn irgendwie haben wir uns wohl aneinander gewöhnt und irgendwie haben wir wohl erkannt, dass wir uns ähnlicher sind als gedacht.
Und Theo, ich bin sehr froh darum, dass wir damals in der 7. Klasse nebeneinander gesetzt wurden, denn obwohl ich dich gute zwei Schuljahre lang gehasst habe, umso mehr mochte ich dich die darauffolgenden zwei Jahre. Es ist schade, dass wir nicht länger befreundet sein konnten, aber irgendwie gehört diese Entwicklung zu uns. Mir fehlen unsere Busfahrten manchmal immer noch, denn du bist sicher einer meiner liebsten Gesprächspartner gewesen und in deiner Gegenwart zu lachen fiel mir immer leicht. Und nie werde ich vergessen, dass du und Kevin daran Schuld tragt, dass ich in der Mathe-AG gelandet bin. Obwohl ich ja wirklich froh darüber war nach den ersten paar Treffen, denn nicht nur mit euch war es schön und immer lustig, sondern die AG an sich hat auch viel Spaß gemacht. Überhaupt fand ich es schön, dass wir drei so viele gemeinsame AGs besucht haben, denn all die Mittagspausen und Nachmittage im Chemielabor, im Musikraum und im Matheraum haben uns nur näher zueinander gebracht. Und das weiß ich bis heute sehr zu schätzen, denn es war eine wirklich schöne Erfahrung, dich kennenzulernen und als Freund schätzen zu lernen.
Ich hätte dir gerne das und noch viel mehr gesagt, aber leider hat sich das nie ergeben, was ich heute sehr bedaure. Ich bedaure es genauso sehr, dass wir nie den Kontakt halten konnten, aber ich schätze, manche Freundschaften sind nicht für die Distanz gemacht und unsere gehörte wohl leider Gottes dazu. Vielleicht treffen wir uns ja eines Tages nochmal wieder und können dann für einen Nachmittag so tun, als wären wir wieder die Freunde von damals und als hätte sich nie etwas geändert.
Valerie
ich hatte nie die Gelegenheit, dir das zu sagen, und ich weiß nicht, ob du das je gewusst hast, aber ich hätte dich gerne wissen lassen, dass du mir als Freund sehr wichtig geworden bist. Es ist unglaublich, das von mir zu hören, und ich weiß bis heute nicht, wie viel ich dir bedeutet habe, aber ich hoffe, dass ich dir eine so gute Freundin war wie du mir ein guter Freund gewesen bist.
Bis heute finde ich es schwer vorstellbar, dass wir uns mal aus tiefstem Herzen gehasst haben, denn mit den Jahren waren wir doch so gute Freunde geworden. Ich markiere den Wendetag immer gern an dem Schultag in der 7. Klasse, damals, als unsere Klassenlehrerin sich dafür entschieden hat, uns nebeneinander zu setzen. Erinnerst du dich noch daran? Es gab für uns keinen in der Klasse, den wir weniger neben uns haben wollten, und wir waren sicher die letzten, die geglaubt hätten, dass daraus eine Freundschaft entstehen konnte. Und doch ist es so gekommen, denn irgendwie haben wir uns wohl aneinander gewöhnt und irgendwie haben wir wohl erkannt, dass wir uns ähnlicher sind als gedacht.
Und Theo, ich bin sehr froh darum, dass wir damals in der 7. Klasse nebeneinander gesetzt wurden, denn obwohl ich dich gute zwei Schuljahre lang gehasst habe, umso mehr mochte ich dich die darauffolgenden zwei Jahre. Es ist schade, dass wir nicht länger befreundet sein konnten, aber irgendwie gehört diese Entwicklung zu uns. Mir fehlen unsere Busfahrten manchmal immer noch, denn du bist sicher einer meiner liebsten Gesprächspartner gewesen und in deiner Gegenwart zu lachen fiel mir immer leicht. Und nie werde ich vergessen, dass du und Kevin daran Schuld tragt, dass ich in der Mathe-AG gelandet bin. Obwohl ich ja wirklich froh darüber war nach den ersten paar Treffen, denn nicht nur mit euch war es schön und immer lustig, sondern die AG an sich hat auch viel Spaß gemacht. Überhaupt fand ich es schön, dass wir drei so viele gemeinsame AGs besucht haben, denn all die Mittagspausen und Nachmittage im Chemielabor, im Musikraum und im Matheraum haben uns nur näher zueinander gebracht. Und das weiß ich bis heute sehr zu schätzen, denn es war eine wirklich schöne Erfahrung, dich kennenzulernen und als Freund schätzen zu lernen.
Ich hätte dir gerne das und noch viel mehr gesagt, aber leider hat sich das nie ergeben, was ich heute sehr bedaure. Ich bedaure es genauso sehr, dass wir nie den Kontakt halten konnten, aber ich schätze, manche Freundschaften sind nicht für die Distanz gemacht und unsere gehörte wohl leider Gottes dazu. Vielleicht treffen wir uns ja eines Tages nochmal wieder und können dann für einen Nachmittag so tun, als wären wir wieder die Freunde von damals und als hätte sich nie etwas geändert.
Valerie
Dienstag, 30. August 2016
#71
"Kann ich dich mal was fragen?" Ich schaue Esther direkt ins Gesicht und sie sieht mich fragend an. "Klar, was ist denn?" Für diesen Moment musste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen, aber jetzt habe ich ihn und deswegen kommt mir die Frage leichter über die Lippen, als ich selbst erwartet habe.
"Damals, als wir...nicht miteinander geredet haben. Als du...die Freundschaft beendet hast", setze ich an, doch ich bekomme als Reaktion nur eine verwirrte Miene. "Naja, wo wir noch geskypet hatten und das dann nicht mehr getan haben", füge ich hinzu.
"Du, ich glaub in der Zeit hatte ich generell kaum Zeit für sowas", meint sie dann abwehrend.
"Nein, aber darum geht's ja gar nicht. Ich meine, du warst sauer auf mich und du hast gesagt...du hast gesagt, du hast dir in unserer Freundschaft genug gefallen lassen und dann die Freundschaft beendet", werfe ich dann ein, doch sie schaut mich nur irritierter an.
"Ich kann mich echt nicht daran erinnern, sorry", meint sie dann und ich weiß für einen Moment nicht, was ich tun soll. All die Jahre hat es immer etwas an mir genagt, dass sie mich einfach sitzen gelassen hat und selbst als sie sich entschuldigt hatte, wollte sie mir den Grund ja immer noch nicht sagen, weil es ihr zu unangenehm war und ich hab gesagt, das wäre okay, aber das war es nicht. Das ist fast wie wenn man betrogen wird - man fragt sich einfach immer im Hinterkopf, was los gewesen ist, was der Grund war und hofft, eines Tages die Antwort zu finden. Nur scheint mir das jetzt wohl nicht gegönnt zu sein und weil es der letzte Tag ist und sie in ein paar Stunden abfahren und es mir sowieso sinnlos erscheint, setze ich ein Lächeln auf und lache.
"Na danke, also werde ich den Grund dafür nie erfahren?"
"Scheint mir so", erwidert sie und grinst verlegen und ich erwidere es, um danach das Thema zu wechseln, weil es ja doch nichts bringt, auf diesem weiter nachzuhaken.
"Damals, als wir...nicht miteinander geredet haben. Als du...die Freundschaft beendet hast", setze ich an, doch ich bekomme als Reaktion nur eine verwirrte Miene. "Naja, wo wir noch geskypet hatten und das dann nicht mehr getan haben", füge ich hinzu.
"Du, ich glaub in der Zeit hatte ich generell kaum Zeit für sowas", meint sie dann abwehrend.
"Nein, aber darum geht's ja gar nicht. Ich meine, du warst sauer auf mich und du hast gesagt...du hast gesagt, du hast dir in unserer Freundschaft genug gefallen lassen und dann die Freundschaft beendet", werfe ich dann ein, doch sie schaut mich nur irritierter an.
"Ich kann mich echt nicht daran erinnern, sorry", meint sie dann und ich weiß für einen Moment nicht, was ich tun soll. All die Jahre hat es immer etwas an mir genagt, dass sie mich einfach sitzen gelassen hat und selbst als sie sich entschuldigt hatte, wollte sie mir den Grund ja immer noch nicht sagen, weil es ihr zu unangenehm war und ich hab gesagt, das wäre okay, aber das war es nicht. Das ist fast wie wenn man betrogen wird - man fragt sich einfach immer im Hinterkopf, was los gewesen ist, was der Grund war und hofft, eines Tages die Antwort zu finden. Nur scheint mir das jetzt wohl nicht gegönnt zu sein und weil es der letzte Tag ist und sie in ein paar Stunden abfahren und es mir sowieso sinnlos erscheint, setze ich ein Lächeln auf und lache.
"Na danke, also werde ich den Grund dafür nie erfahren?"
"Scheint mir so", erwidert sie und grinst verlegen und ich erwidere es, um danach das Thema zu wechseln, weil es ja doch nichts bringt, auf diesem weiter nachzuhaken.
Mittwoch, 24. August 2016
#70
"Ich glaube, meine Ex hat immer noch meinen Gameboy", meint Nico dann nachdenklich und ich ziehe eine Augenbraue hoch, während ich ihn ungläubig ansehe. Wir sitzen mit meinen Freunden am Rhein, weil heute unsere Geburtstagsfeier ist - Pauls, Julians, Joels und meine.
"Nicht wirklich, oder? Und ich dachte, sie ist nett."
"Ja, das hab ich auch gedacht", entgegnet er schnaubend mit einem halben Lachen.
"Das ist ja echt blöd", meine ich dann und Bedauern streift mein Gesicht. "Na dann ist ja gut, dass du sie losgewo-...wer von euch hat nochmal Schluss gemacht?" Nachdenklich runzle ich die Stirn, aber es will mir partout nicht einfallen, dabei habe ich doch eigentlich alles mitbekommen damals. Ich erinnere mich noch daran, wie er mich nach der Trennung nach einem Date gefragt hat, nicht zuletzt weil ich die letzten zwei Tage meine Zeit damit verbracht habe, meinen alten Blog und meinen aktuellen einmal komplett durchzulesen.
"Naja, so richtig keiner. Weißt du das echt nicht? Warte, haben wir da überhaupt geredet?"
Mein Blick gleitet von ihm weg und ich sehe nach vorne. Ich kann ihm dabei einfach nicht in die Augen sehen, weil ich nicht wissen möchte, was das für eine Reaktion bei ihm auslöst. Nachdem ich zwei Tage damit verbracht habe, mich durch die Gefühlswelt meines früheren Ichs zu wühlen, ist es bei mir nachhallender Schmerz, weil mir beim Lesen wieder bewusst geworden ist, wie weh es mir damals getan hat. Es tut nur an der Oberfläche weh, aber tief in mir drinnen spüre ich auch immer noch die Erinnerung daran, dabei ist es schon so viele Jahre her. Und wie damals möchte ich nicht wissen, wie das für ihn war. Am liebsten möchte ich nie wieder daran denken und das aus etlichen Gründen. Und ich will wirklich nicht wissen, wieso er das damals getan hat. Ich will nicht hören, wie er so kalt gewesen sein konnte. Wie er mir so wehtun konnte. Wie ich ihm so gleichgültig sein konnte.
"Nein, wir haben viel früher nicht geredet."
"Nicht wirklich, oder? Und ich dachte, sie ist nett."
"Ja, das hab ich auch gedacht", entgegnet er schnaubend mit einem halben Lachen.
"Das ist ja echt blöd", meine ich dann und Bedauern streift mein Gesicht. "Na dann ist ja gut, dass du sie losgewo-...wer von euch hat nochmal Schluss gemacht?" Nachdenklich runzle ich die Stirn, aber es will mir partout nicht einfallen, dabei habe ich doch eigentlich alles mitbekommen damals. Ich erinnere mich noch daran, wie er mich nach der Trennung nach einem Date gefragt hat, nicht zuletzt weil ich die letzten zwei Tage meine Zeit damit verbracht habe, meinen alten Blog und meinen aktuellen einmal komplett durchzulesen.
"Naja, so richtig keiner. Weißt du das echt nicht? Warte, haben wir da überhaupt geredet?"
Mein Blick gleitet von ihm weg und ich sehe nach vorne. Ich kann ihm dabei einfach nicht in die Augen sehen, weil ich nicht wissen möchte, was das für eine Reaktion bei ihm auslöst. Nachdem ich zwei Tage damit verbracht habe, mich durch die Gefühlswelt meines früheren Ichs zu wühlen, ist es bei mir nachhallender Schmerz, weil mir beim Lesen wieder bewusst geworden ist, wie weh es mir damals getan hat. Es tut nur an der Oberfläche weh, aber tief in mir drinnen spüre ich auch immer noch die Erinnerung daran, dabei ist es schon so viele Jahre her. Und wie damals möchte ich nicht wissen, wie das für ihn war. Am liebsten möchte ich nie wieder daran denken und das aus etlichen Gründen. Und ich will wirklich nicht wissen, wieso er das damals getan hat. Ich will nicht hören, wie er so kalt gewesen sein konnte. Wie er mir so wehtun konnte. Wie ich ihm so gleichgültig sein konnte.
"Nein, wir haben viel früher nicht geredet."
Abonnieren
Posts (Atom)